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Regierungsrat kritisiert zusätzliche Abend-Slots – ist aber machtlos

Trotz Verspätungsproblem plant der Flughafen ab 22 Uhr vier zusätzliche Starts. Der Regierungsrat kann dagegen nichts machen, wie aus seiner Antwort auf die Anfrage von SP-Kantonsrätin Theres Agosti Monn hervorgeht.

Der Flughafen plant ab 22 Uhr vier zusätzliche Start-Slots. Diese sollen schrittweise eingeführt werden.

Flughafen Zürich AG

Regierungsrat kritisiert zusätzliche Abend-Slots – ist aber machtlos

Im Frühjahr ist bekannt geworden, dass der Flughafen zwischen 22 und 22.20 Uhr zusätzliche Abflug-Slots plant. Ende Mai hat die Turbenthaler Kantonsrätin Theres Agosti Monn (SP) mit zwei Ratskollegen mehrere Fragen an den Zürcher Regierungsrat zu diesem Thema gestellt. Unter anderem wollte sie wissen, wie der Regierungsrat die Kapazität in den Nachtstunden beurteilt.

Kein Einfluss auf Flugpläne

Die Antwort liegt nun vor.  Die Regierung sieht einen Kapazitätsausbau zwar «eher kritisch». Doch könne sie weder Änderungen in den Flugplänen der Fluggesellschaften anordnen, noch Anpassungen in der Vergabe von Slots (siehe Box) beantragen.

«Nun sehen wir, wie gering der Einfluss des Regierungsrats auf den Flughafenbetrieb ist.»
Theres Agosti Monn (SP), Kantonsrätin aus Turbenthal

Agosti Monn ist von dieser Antwort auf Anfrage nicht überrascht: «Nun sehen wir, wie gering der Einfluss des Regierungsrats auf den Flughafenbetrieb ist.» Erfreut nimmt sie immerhin zur Kenntnis, dass die Zürcher Regierung einen Kapazitätsausbau kritisch sieht.

Vier Langstreckenflüge

In seiner Antwort bestätigt der Regierungsrat, dass der Flughafen zwischen 22 und 22.20 Uhr vier zusätzliche Slots beantragt hat. Diese sind für vier Langstreckenflüge gedacht, welche nicht im Drehkreuzbetrieb der Swiss eingebunden sind.

Der Flughafen geht deshalb davon aus, dass diese pünktlich abgewickelt werden können. Und die Flüge zwischen 23 und 23.30 Uhr zwecks Verspätungsabbaus nicht zunehmen. Die Zürcher Regierung schreibt dazu lediglich, dass sie nicht abschliessend beurteilen könne, ob die zusätzlichen Slots Auswirkungen auf Verspätungen haben.

Zuerst Verspätungsproblem lösen

Die Regierung erwartet vom Flughafen, dass die neuen Slots nur in Betrieb genommen werden, wenn die Stabilität des Flugbetriebs gewährleistet ist. Deutlicher formuliert es Theres Agosti Monn: «Der Flughafen darf keine weiteren Slots vergeben, so lange das Verspätungsproblem nicht gelöst ist.» Seit Jahren kritisieren auch verschiedene Fluglärmorganisationen die späten Flugbewegungen.

«Der Flughafen darf keine weiteren Slots vergeben, so lange das Verspätungsproblem nicht gelöst ist.»
Theres Agosti Monn

Agosti Monn verweist auf den Flughafenbericht 2018. Da steht, dass 2300 Flüge zwischen 23 und 23.30 Uhr gezählt wurden. Obwohl um 23 Uhr Betriebsschluss ist und ab dann die Nachtruhe gilt, die bis 6 Uhr dauert. Trotzdem dürfen Flugzeuge zwecks Verspätungsabbaus bis 23.30 Uhr ohne Ausnahmebewilligung starten.

Schrittweise Einführung

In einem vor Kurzem im «Zürcher Oberländer» erschienenen Bericht wird der Mediensprecher der Flughafen Zürich AG, Philipp Bircher, dahingehend zitiert, dass die vier Slot schrittweise eingeführt werden sollen. Die ersten beiden auf den  Sommerflugplan 2020. Sie gelten provisorisch und ohne Anrecht auf die Folgejahre. Bewähren sie sich, soll es auf den Sommerflugplan 2022 zwei weitere provisorische Slots geben.

Bircher sagte ausserdem, dass deren Einführung ein von allen Beteiligten akzeptierter Kompromiss sei. Und hierfür weder eine Schlichtungsverhandlung, noch ein abschliessender Entscheid des Bundesamts für Zivilluftfahrt nötig sei (siehe Box). Von den vier zusätzlichen Slots am Abend sind die Gemeinden östlich des Flughafens insofern betroffen, als bei guter Wetterlage dann von Osten her auf Piste 28 gelandet wird.
 

Wie Slots zustandekommen
Die Antwort des Regierungsrats auf die Anfrage von Kantonsrätin Theres Agosti Monn (SP) gibt auch einen Einblick, wie die Slots am Flughafen Zürich zustandekommen. «Ich war erstaunt, wie stark die Fluggesellschaften da mitreden», sagt die Kantonsrätin aus Seelmatten.
Ein Slot ist ein Nutzungsrecht des Flughafens, das zum Start oder zur Landung an einem bestimmten Tag zu einer bestimmten Zeit berechtigt. Über die Vergabe dieser Slots in Zürich und Genf entscheidet die Slot Coordination Switzerland. Das ist ein Verein, in dem unter anderem Vertreter der Flughäfen und der wichtigsten Airlines sitzen, wie zum Beispiel der Swiss und Easyjet.

«Grossvater-Rechte»
Kommt dessen Koordinierungsausschuss zu keiner Einigung, führt das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) eine Schlichtungsverhandlung durch. Verläuft diese erfolglos, entscheidet das Bazl abschliessend.
Die Fluggesellschaften haben gemäss einer EU-Verordnung jedoch Anspruch auf dieselben Slots zur gleichen Zeit wie im Vorjahr. Sie müssen hierfür den Nachweis erbringen, dass sie entsprechende Slots zu 80 Prozent genutzt haben. Diese Regelung wird als «Grossvater-Rechte» bezeichnet.
Seit über 20 Jahren stehen dem Flughafen Zürich zwischen 22 und 23 Uhr 36 Start- und Landeslots zur Verfügung. Ab 7 Uhr morgens sind es grundsätzlich 66 pro Stunde.

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