Ziehen heute Gewitter über die Region?
Im Mai hat es in der Schweiz kaum Gewitter gegeben. Pünktlich zum meteorologischen Sommeranfang in dieser Woche sind die Temperaturen spürbar angestiegen und es brauen sich aufs Wochenende hin Gewitter zusammen, wie Meteonews in einer Mitteilung schreibt.
Allerdings ist es selbst für Meteorologen schwer vorherzusagen, wo genau Blitz und Donner niedergehen.
Welche Voraussetzungen braucht es für Gewitter?
1. Grosse Temperatur-Unterschiede zwischen hohen und tiefen Luftschichten
Konkret wird der Temperaturunterschied zwischen der 500 Hektopascalhöhe (etwa 5500 Meter) und der 850 Hektopascalhöhe (etwa 1500 Meter) untersucht. So zeigen die Temperaturen heute um 20 Uhr auf 5500 Metern -13,5 Grad und auf 1500 Metern 13 Grad. Dies ergibt einen Temperatur-Unterschied von 26,5 Grad. Gemäss Faustregel sind ab etwa 26 Grad Gewitter möglich.
Ab einem Temperatur-Unterschied von 30 Grad muss mit heftigen Gewittern, Sturmböen und Hagel gerechnet werden. Heute Abend sind möglicherweise schwache Gewitter zu erwarten.
2. Hebung von feuchter Luft
Hebung heisst, dass die bodennahe Luftschicht sich erwärmt und aufgrund der gegebenen Labilität der Luftschichtung aufsteigen kann, sodass der Wasserdampf auskondensiert und so den Aufstiegsprozess antreibt. Dabei spielt die sogenannte Thermik die Hauptrolle.
So wird die Luft beispielsweise über einem Acker, über nacktem Fels oder über einer Stadt stärker erwärmt als über Gewässern und Wäldern.
Durch die Erwärmung des Erdbodens kann ein darüber liegendes Luftpaket Wärme aufnehmen. Dabei nimmt die Luftdichte des Luftpakets ab, es wird leichter als die Luft in der näheren Umgebung und beginnt aufzusteigen. Das Luftpaket wird sich nun auf dem Weg nach oben bis zur Sättigung abkühlen. Infolge der nun einsetzenden Kondensation entstehen Wolken (Cumulus- oder Gewitterwolken) und eventuell Niederschlag.
Ausserdem entstehen Gewitter vor allem entlang von Bergen und Hügeln, weil Südhänge besser von der Sonne bestrahlt werden und so verbunden mit dem Aufwind den Thermik-Prozess anregen.
In den Wetterkarten stehen den Meteorologen verschiedene Hebungsparameter zur Verfügung, nachfolgend ein Beispiel einer Hebungskarte für heute Abend 20 Uhr.
3. Genügend Feuchtigkeit
Damit Gewitter entstehen können, muss genügend Feuchtigkeit in der Luft vorhanden sein. Grundsätzlich muss die Feuchte mindestens etwa 70% betragen, damit genügend Feuchtigkeit für die Gewitterbildung vorhanden ist. In unserem Beispiel für heute Abend ist diese Bedingung weitgehend erfüllt.
Fazit für heute
Die Bedingungen für Gewitter wären heute Abend knapp erfüllt, bleibt die Frage, ob es tatsächlich Gewitter gibt, wie stark sie sind und wieviele es hat. Wegen der vielen verschiedenen Bedingungen für eine Gewitterbildung und deren gegenseitiger Beeinflussung ist eine örtlich genaue Gewittervorhersage entsprechend schwierig.
Scheingenauigkeit
Gewitter sind denn auch teilweise kleinräumige Gebilde von wenigen Kilometern Ausdehnung, mit denen die klassischen Wettermodelle mit einer Auflösung von 10 bis 20 Kilometern Mühe haben, sodass die Gewitter durch die Maschen fallen können. Zudem kann die Gewitterbildung sehr rasch erfolgen, sodass innerhalb einer Viertelstunde aus einer harmlosen Wolke eine ausgewachsene Gewitterwolke werden kann, aus der es unter Umständen hagelt.
In den letzten Jahren wurden für gewisse Regionen immer besser aufgelöste Wettermodelle entwickelt, so gibt es auch für die Schweiz Modelle mit 1 bis 2 Kilometern Auflösung. Sie vermögen so einzelne Gewitterzellen vorherzusagen. Allerdings stimmt die Modellierung mit der Realität oft nicht oder nur ansatzweise überein, und die Modelle gaukeln so eine Scheingenauigkeit vor. Zudem könnten heute die vielen Wolken und Schauer am Vormittag für Gewitterbildungen am Nachmittag hinderlich sein.

