Gesellschaft

Quaggamuschel unbedingt von Pfäffiker- und Greifensee fernhalten

Die invasive Quaggamuschel bedroht die Ökosysteme der Schweizer Seen - seit September auch im Kanton Zürich. Fachexperten schätzten nun die Lage ein.

Klein, aber oho: Die invasive Quaggamuschel beschäftigt – vor allem, seit sie im September im Zürichsee gefunden wurde.

Foto: PD

Quaggamuschel unbedingt von Pfäffiker- und Greifensee fernhalten

Fachreferat klärt auf

Ist das Ökosystem Pfäffikersee wegen einer drohenden Muschelinvasion in Gefahr? Fachexperten schätzten die Lage in den Oberländer Seen ein.

Seit September ist klar – die Quaggamuschel hat den Zürichsee erreicht. Es scheint eine Frage der Zeit, bis die Muschel auch die übrigen Zürcher Seen einnimmt.

Die Vereinigung Pro Pfäffikersee (VPP) lud deshalb am Freitag zu einem Fachvortrag über die invasive Art. In diesem wurde von Experte Dr. Piet Spaak zum Thema «Kleine Muschel – grosse Gefahr?» Fakten und Hintergründe zur Quaggamuschel in den voralpinen Seen erläutert.

Auch in den Gewässern des Oberlands könnte, so das von Spaak skizzierte Szenario, die ursprünglich aus dem Schwarzmeerraum stammende Muschel angesiedelt werden und das hiesige Ökosystem aus dem Gleichgewicht bringen.

Kanton verordnete Einwasserungsverbot

Offenbar interessieren die kleinen und in den vergangenen Jahren in den Medien prominent erklärten Lebewesen namens «Quaggamuscheln». Auch in der Region sind sie in den vergangenen Monaten verstärkt ins Interesse der Öffentlichkeit gelangt – denn seit September gibt es die Art im Zürichsee.

VPP-Präsident Hans-Michael Schmitt begrüsste im Wetziker «Krone»-Saal rund 80 Besucherinnen und Besucher. Er stellte die Frage in die Runde, welche Probleme auf die Seen im Kanton Zürich zukommen könnten, wenn sich auch diese invasiven Muscheln ungehemmt ausbreiten würden.

Die «neuen Muscheln» würden am Genfer-, Neuenburger- und Bodensee längst nicht nur das Ökosystem beeinträchtigen, sondern ebenso für Schäden an der Infrastruktur sorgen.

Hans Bartels, VPP-Vizepräsident, meinte, dass es an diesem Abend vor allem darum gehe, über die Muscheln zu reden, und nicht über die inzwischen vom Kanton angeordneten Massnahmen, wie beispielsweise das Einwasserungsverbot.

Damit soll verhindert werden, dass die schädliche Quaggamuschel mit Booten und weiteren Wassersportgeräten in andere Seen verschleppt werden.

Stand-up-Paddle, Kleinboote und Kanus haben Gefahrenpotenzial

Seit mehreren Jahren bereits sind auch an den Oberländer Seen Hinweisplakate installiert, die nicht nur Bootsbesitzer, sondern auch Freizeitsportler aufrufen, vor dem Einwassern nach einem Gewässerwechsel ihre Klein- und Schlauchboote, Stand-up-Paddles und weitere Wassersportausrüstungen darauf zu kontrollieren, ob sie frei sind von Pflanzen und Lebewesen.

Alle Sportgeräte sollten deshalb vor dem Einwassern gründlich mit heissem Wasser gereinigt und vor der Nutzung getrocknet werden. Nur solche Massnahmen könnten mithelfen, die Verbreitung von invasiven, gebietsfremden Arten, wie beispielsweise der Quaggamuschel, einzudämmen. (mav)

In einem nächsten Schritt will der Kanton künftig auf einer Melde- und Reinigungspflicht für alle immatrikulierten Boote, die auf verschiedenen Gewässern unterwegs sind, bestehen.

Daten erheben, um zu lernen

Piet Spaak, Projektleiter am ETH-Wasserforschungsinstitut Eawag, berichtete eingangs über die im Zusammenhang mit invasiven Muschelarten getätigte Forschungsarbeit.

«Unser Team nutzt den Bodensee seit 2018, um dort über gebietsfremde Arten zu lernen und Rückschlüsse zu ziehen», sagte der Referent. Gelernt werde ebenso anhand von Untersuchungen über die Ausbreitung der Muscheln in Gewässern in den USA.

Viele dieser gebietsfremden Arten würden keine grossen Probleme verursachen und seien daher wenig problematisch für ein Ökosystem. Die Quaggamuschel, die im Bodensee erstmals im Jahr 2016 entdeckt worden sei, beeinträchtige ein funktionierendes Ökosystem hingegen massiv.

Spaak: «Sie verdrängt einheimische Tierarten, frisst den einheimischen Fischen quasi indirekt die Nahrung weg, kann Wasserfassungen für Trinkwasser verstopfen und Ufer- sowie Hafenanlagen überwuchern.»

Die Quaggamuschel habe die Gabe, Algen effektiv aus dem Wasser zu filtrieren. Sie würde sich in grossen Zahlen vermehren. Mithilfe des Menschen könnten die Muscheln an andere Orte gelangen, zum Beispiel angeheftet an Schiffen auf dem Wasserweg. So hätten sie sich bereits in vielen Gebieten auf der Weltkarte verbreiten können.

Keine Muscheln für den Essgenuss

In der Fragerunde wollte ein Votant wissen, ob die Muscheln von anderen Lebewesen gefressen würden. Piet Spaak bestätigte dies. Er betonte, dass sich diese Muschelart jedoch zu schnell vermehre.

Eine Votantin erkundigte sich, ob die Quaggamuscheln essbar seien. Spaak meinte, dass dies theoretisch möglich wäre, doch die Muscheln seien zu klein. Zudem würden sie viele Schadstoffe in sich tragen.

Man habe nun viel Zeit für Datenerhebungen eingesetzt, monierte ein Votant. Über die Vernichtung der Muscheln sei bisher aber noch nicht gesprochen worden. «Man könnte die Muscheln schon vernichten, doch dann würde man auch die anderen Lebewesen vernichten», entgegnete Spaak.

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.