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Politik

Problem-Kirchgemeinde Zell prüft Fusion und Abspaltung

Die Lebensfähigkeit der Kirchgemeinde Zell scheint akut gefährdet. Das sind mögliche Lösungen.

Die katholische Kirche in Kollbrunn wird im Dorf bleiben. Ob aber ihre Kirchgemeinde eine Zukunft hat, ist offen.

Foto: Bettina Schnider

Problem-Kirchgemeinde Zell prüft Fusion und Abspaltung

Gespräche mit Turbenthal und Illnau-Effretikon

Noch immer hat die Katholische Kirchgemeinde Zell keine Kirchenpflege. Vieles deutet darauf hin, dass die Gemeinde nicht mehr in ihrer heutigen Form weiter bestehen kann.

Seit Mitte Mai 2023 ist die Katholische Kirchgemeinde Zell fremdverwaltet: Die Kirchenpflege trat damals geschlossen zurück. Der Synodalrat, die Exekutive der Katholischen Kirche im Kanton Zürich, entzog der Gemeinde daraufhin die Selbstverwaltung und setzte einen Sachwalter ein.

Ein Ende dieses Zustands ist aktuell nicht in Sicht: Denn eine neue Kirchenpflege konnte auch an der Gemeindeversammlung Mitte November nicht gewählt werden. Diese müsste nämlich aus mindestens drei Mitgliedern bestehen – doch niemand stellte sich zur Wahl.

Aufforderung aus Zürich

Diese Situation ist auch für den Synodalrat nicht befriedigend. «Eine Sachwaltung sollte immer nur vorübergehend sein», betont Simon Spengler. Er ist Gesamtverantwortlicher Kommunikation der Katholischen Kirche im Kanton Zürich.

«Die Situation in Zell ist aber seit Jahren schwierig», erläutert er. So führte bereits von März 2019 bis Ende Januar 2020 ein Sachwalter die Geschäfte der Gemeinde, da die Kirchenpflege nach dem Rücktritt der Präsidentin nicht mehr beschlussfähig war. Ruhe gibt es in der Kirchgemeinde schon länger nicht mehr.


> > Lesen Sie hier mehr über den Konflikt innerhalb der Kirchgemeinde.


Der Synodalrat hat deshalb jetzt die Gemeinde aufgefordert, mit den Kirchgemeinden Turbenthal und Illnau-Effretikon Verhandlungen aufzunehmen. Es geht um eine Fusion sowie die Bereinigung der Kirchgemeindegrenzen.

Zur Kirchgemeinde Zell gehören Katholikinnen und Katholiken aus den Gemeinden Zell, Schlatt, Weisslingen sowie aus dem Ortsteil Kyburg von Illnau-Effretikon.

«Es zeigt sich, dass es offenbar schwierig ist, in der Gemeinde Leute zu finden, die sich langfristig in der Kirchenpflege engagieren und dieses anspruchsvolle Amt übernehmen wollen», meint Spengler.

Wenn Kirchgemeinden Mühe hätten, ihre Ämter zu besetzen, sei es unter Umständen sinnvoll, über eine Fusion nachzudenken. «Aber entscheiden müssen das immer die Mitglieder», betont er.

Was passiert mit Weisslingen und Kyburg?

An der Gemeindeversammlung Ende November haben die Zeller die Hand bereits ausgestreckt – wenn auch zögerlich. Sie stimmten den Verhandlungen mit Turbenthal zur Prüfung eines Zusammenschlusses zu, mit 9 Ja-Stimmen bei 18 Enthaltungen.

Zudem genehmigten sie Gespräche mit der Kirchgemeinde von Illnau-Effretikon. Dabei geht es nicht um eine Fusion, sondern um die Kirchgemeindezugehörigkeit der Katholikinnen und Katholiken aus Weisslingen und Kyburg.

Diese könnten allenfalls bald der Kirchgemeinde Illnau-Effretikon angehören. Letztere hat Ende November den Verhandlungen mit Zell zugestimmt.

Kirchenpflegepräsident Cornel Dora begrüsst dies sehr: «Es ist richtig, dass wir in der Kirche grössere Verwaltungsstrukturen schaffen.» Nur so bleiben Gemeinden auf Dauer lebensfähig.

Dieser Prozess funktioniere aber nur, wenn man die Meinung der Mitglieder abhole. «Es geht nicht, dass das einfach ein paar Funktionärinnen und Funktionäre miteinander diskutieren und entscheiden, das muss sorgfältig und sachbezogen gemacht werden.» Auch eine professionelle Begleitung ist für ihn denkbar.

Warten auf Turbenthal

Dora hofft, dass die Gespräche mit Zell bald beginnen können. Das ist aber auch abhängig vom Entscheid in Turbenthal.

Dort ist man noch nicht so weit wie in Illnau-Effretikon. Die Kirchgemeinde, zu der auch Wildberg und Wila gehören, hat für kommenden Sonntag nach dem Gottesdienst eine ausserordentliche Gemeindeversammlung einberufen. Dort soll der Grundsatzentscheid zur Aufnahme von Verhandlungen gefällt werden.

Anna-Maria Caldarulo, die Präsidentin der Kirchenpflege, findet die Prüfung einer Fusion begrüssenswert. «Auch wir sind eine kleine Kirchgemeinde, und es ist sinnvoll, wenn wir Synergien nutzen.» Davon profitiere auch das aktive Gemeindeleben, ist sie überzeugt.

Die Ereignisse in Zell in den letzten Jahren schrecken Caldarulo nicht ab. «Es ist wichtig, dass wieder Ruhe einkehrt.» Eine Fusion ist für sie eine tragbare Lösung.

Zwei Fliegen mit einer Klappe

Denn damit könnte auch ein weiteres Problem gelöst werden: Die Katholikinnen und Katholiken aus den Ortsteilen Rämismühle und Zell sind nämlich der Pfarrei Herz Jesu in Turbenthal zugeteilt. Das heisst, sie besuchen dort den Gottesdienst oder den Religionsunterricht – sind aber in der Kirchgemeinde nicht stimmberechtigt.

«Diese Pfarreigrenzen gab es schon, bevor die Römisch-katholische Körperschaft 1963 gegründet wurde», erklärt Caldarulo. Die Grenzen der Kirchgemeinden wurden damals anders gezogen als diejenigen der Pfarreien. Ein Zustand, der für viele nicht mehr stimmt.

Auch vor diesem Hintergrund hofft die Kirchenpflege, dass die Mitglieder am Sonntag zustimmen und Gespräche ermöglichen.

Entschieden sei damit noch nichts. «Es ist wichtig, dass wir zusammensitzen und die Details klären können», sagt Caldarulo. «Und ich bin mir sicher, auch bei einer Fusion würde die Kirche im Dorf bleiben.»

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