Primarschulpflege Uster weist scharfe Kritik zurück
Aussage gegen Aussage
Mit Vorwürfen konfrontiert: Die Primarschulpflege Uster widerspricht der Darstellung von mehreren Politikern.
Es war eine Anfrage, die am 19. Januar von Paul Stopper (BPU), Marc Thalmann (FDP), Matthias Bickel (FDP), Claudia Frei (GLP) und Benjamin Streit (SVP) eingereicht wurde. Dabei geht es um angebliche Missstände in der Schule Pünt, unter anderem um die zahlreichen Abgänge seit 2023, mutmasslich problematische Führungsstrukturen sowie um personalrechtliche Interventionen des Leiters der Schulverwaltung.
Der Stadtrat und die Primarschulpflege weisen die Vorwürfe vehement zurück, wie aus der am 10. Februar verabschiedeten Antwort zu entnehmen ist. Die Anfrage enthalte schwerwiegende Aussagen über identifizierbare Personen und vermische subjektive Einschätzungen mit überprüfbaren Sachverhalten. Öffentliche Diskreditierungen von Mitarbeitenden würden abgelehnt. Nach Einreichung der Anfrage habe man das Gespräch mit den Anfragestellenden gesucht.
Zudem bezeichnet die Primarschulpflege die personelle Situation im Schulhaus Pünt als stabil und kritisiert pauschalisierende Darstellungen.
Team stellt sich hinter die Schulleitung
Die Primarschulpflege verweist des Weiteren auf eine Stellungnahme des Teams der Schuleinheit Pünt. 42 von 49 Mitarbeitenden – rund 85 Prozent – hätten Ende Januar schriftlich erklärt, sie erlebten den Schulalltag als ruhig, professionell und wertschätzend. Die Schulleitung werde als präsent, ansprechbar und engagiert wahrgenommen.
Zur Fluktuation legt die Behörde Zahlen vor: In den Schuljahren 2021/2022 bis 2024/2025 lag die durchschnittliche Abgangsquote im Pünt bei rund 17 Prozent, im Schuljahr 2024/2025 bei gut 12 Prozent. Insgesamt seien 47 Austritte verzeichnet worden. 38 davon seien auf persönliche Gründe wie Wohnortswechsel, berufliche Neuorientierung, Mutterschaft, Weiterbildung, befristete Anstellungen oder fehlende Diplome für eine unbefristete Anstellung zurückzuführen.
Zwei Austritte – also 4 Prozent – stünden im Zusammenhang mit der Schulleitung. Die durchschnittliche Fluktuation über alle Schuleinheiten hinweg habe im gleichen Zeitraum gut 11 Prozent betragen.
Anweisungen statt Hausverbote
Den Vorwurf, der Leiter der Schulverwaltung habe willkürlich Haus-, Rede- oder Kontaktverbote ausgesprochen, weist die Primarschulpflege zurück und erklärt: In einem konkreten Fall habe die zuständige Schulleitung am 24. November 2023 einer angestellten Person Verhaltens- und Handlungsanweisungen erteilt. Die Leitung der Schulverwaltung habe diese mitunterzeichnet. Es habe sich dabei um eine Anweisung und nicht um eine personalrechtliche Massnahme gehandelt; ein Hausverbot sei nicht ausgesprochen worden.
Diese Anweisungen seien erfolgt, nachdem die betroffene Person während einer längeren Arbeitsunfähigkeit wiederholt Kontakt mit der Schulleitung und dem Team aufgenommen und Forderungen gestellt habe. Das habe den Schulbetrieb belastet. In einem weiteren Fall sei eine Person an den Dienstweg erinnert worden, nachdem sie sich direkt an die Schulpflege gewandt habe.
Lehrpersonen und Mitarbeitende könnten sich bei personalrechtlichen Problemen unter anderem an das Volksschulamt, die Ombudsstelle des Kantons, eine externe Fachstelle gegen Mobbing und Belästigung oder – sofern Mitglied – an den Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband wenden.
In den Jahren 2024 und 2025 seien in der Schuleinheit Pünt zwei personalrechtliche Rekursverfahren eingeleitet worden. Als ein solches zählt, wenn Mitarbeitende die erste Rekursinstanz anrufen – den Bezirksrat oder die Bildungsdirektion für kantonal besoldete Lehrpersonen und Schulleitungen. Beide Verfahren seien noch hängig.
Grundsätzlich werde der Personalausschuss der Schulpflege etwa alle sechs Wochen über Personalsituationen informiert. In einem komplexen und länger dauernden Fall im Schulhaus Pünt sei ausserdem zusätzliche externe Unterstützung beigezogen worden. Für ein Gespräch sei auch die Stadtpolizei dabei gewesen, ein Polizeirapport sei nicht erforderlich gewesen.
Schulbesuche und Rekurse
Zur gesetzlichen Pflicht zu Schulbesuchen erklärt die Primarschulpflege, diese umfassten unter anderem Präsenz an Schulanlässen, Einblicke in den Unterricht, Teilnahme an Schulkonferenzen sowie Gespräche mit Schulleitung und Elternvertretungen. Pro Schuleinheit seien jeweils zwei Mitglieder der Schulpflege zuständig.
Derzeit läuft in der Schuleinheit Pünt eine Evaluation durch die kantonale Fachstelle für Schulbeurteilung. Die Ergebnisse werden gemäss Primarschulpflege im Mai 2026 erwartet und veröffentlicht.