Juso greifen nach Gemeinderatssitz: In Bubikon kommt es zur Kampfwahl
Weil sich der gesamte bisherige Gemeinderat erneut zur Wahl stellt und zusätzlich ein neuer Kandidat antritt, kommt es zu einer Kampfwahl um die sechs ordentlichen Sitze. Die Würfel fallen damit neu.
Der Angriff auf den bisherigen Bubiker Gemeinderat kommt von links. Silas Muggli bewirbt sich neu um einen Sitz in der Exekutive.
Der 25-Jährige aus Wolfhausen ist Präsident der Juso Kanton Zürich und setzt politisch Schwerpunkte bei Klima- und Wohnpolitik, sozialer Gerechtigkeit sowie der stärkeren Einbindung junger Menschen.
Gerade Letzteres ist ihm ein Anliegen: In puncto kultureller Angebote, Anbindung an den öffentlichen Verkehr und Freiräume für junge Menschen sieht Muggli Ausbaupotenzial in Bubikon. «Es braucht ein solidarisches Miteinander, von einer lebendigen Gemeinde profitieren am Schluss alle.»
Eine echte Auswahl
Zugänglichkeit zu Kommunalpolitik für die breite Bevölkerung ist für Muggli eines der Themen, die er würde angehen wollen. «Ich möchte dafür sorgen, dass Entscheide künftig gemeinsam statt an der Bevölkerung vorbei gefällt werden.»

Obschon sich Muggli bewusst ist, nicht «riesige Chancen» auf einen Sitz zu haben, versucht er sein Glück: «Mir ist es wichtig, dass die Stimmbevölkerung die Möglichkeit hat, eine echte Auswahl zu treffen.»
Unterstützt wird er von der SP Bubikon, die seit nunmehr 50 Jahren keinen Sitz im Gemeinderat mehr innehat und mit Mugglis Kandidatur einen politisch Gleichgesinnten in der Exekutive wissen will.
Ein eingespieltes Team
Da sich alle bisherigen Gemeinderäte erneut zur Wahl stellen, kommt es zwangsläufig zu einer Kampfwahl: Mindestens eine kandidierende Person wird den Einzug verpassen. Auch Gemeindepräsident Hans-Christian Angele (FDP) tritt erneut an; er ist seit 2022 im Amt und diesmal der einzige Kandidat fürs Präsidium.
Angele blickt diplomatisch auf die anstehende Kampfwahl im Gemeinderat. «Es ist erfreulich, wenn sich so junge Menschen wie Muggli für Politik interessieren und sich auch aktiv einbringen wollen. Frischer Wind würde eine neue Dynamik in den Gemeinderat bringen», sagt er.
Gleichzeitig blickt er auf die bald vergangene Amtszeit zurück, in der er mit einem eingespielten Team zusammenarbeiten konnte. «Auf der anderen Seite wäre es natürlich bedauerlich, wenn ein Kollege oder eine Kollegin aus der aktuellen Konstellation ausscheiden würde.»

Mehrere heutige Ratsmitglieder wurden wie Angele erst 2022 gewählt, als es in Bubikon zu einer spürbaren Erneuerung kam – die Gemeinde war damals mit Turbulenzen im Verwaltungsapparat und im Gemeinderat konfrontiert, mittlerweile hat sich die Lage aber laut Angele beruhigt.
Unter anderem deshalb will er die Gemeinde auch weiterhin begleiten: «Ich würde mich freuen, auch die kommenden vier Jahre mit den Bubikerinnen und Bubikern die Zukunft zu gestalten.»
Kommende Herausforderungen
Dabei beschäftigen die Bubikerinnen und Bubiker – wie beinahe überall – vor allem die Gelder der Gemeinde. Das zeigte sich auch an der vergangenen Gemeindeversammlung, an der der Projektierungskredit für Schul- und Sportanlagen im Ortsteil Bubikon gutheissen wurde. Auf dem Areal rund um das Schulhaus Mittlistberg sollen bis 2033 drei neue Gebäude entstehen. Das Vorhaben mit geschätzten Kosten von rund 67 Millionen Franken stellt eine sehr grosse Herausforderung für die Gemeindefinanzen dar.
Aufgrund dieser und zusätzlicher Investitionen, die auch weitere Infrastrukturprojekte umfassen, bleiben die Gemeindefinanzen ein zentrales Thema für die Zukunft. Nach Überschüssen in den vergangenen Jahren rechnet die Exekutive in Zukunft mit einem starken Anstieg der Nettoschulden, die aber langfristig wieder abgebaut werden können.
«Wir haben in puncto öffentlicher Bauten einiges nachzuholen – bekannte Stichworte sind Schul- und Sportanlagen, Asylunterkünfte, Werkhof», sagt Angele. Auch weitere Themen wie das stetige Wachstum, die Überalterung, aber auch der Zusammenhalt in der Gemeinde würde er in einer nächsten Amtszeit begleiten wollen.
Frischer Wind auch in der Schulpflege
Ob die Bubikerinnen und Bubiker hinter der aktuellen Konstellation im Gemeinderat stehen oder mit Muggli ein neues Gesicht in der Exekutive wissen wollen, wird sich am 8. März zeigen.
Ziemlich sicher dürften aber zumindest der Gemeindepräsident sowie die Präsidentin der Schulpflege bereits heute durchatmen. Da für beide Ämter keine Gegenkandidaturen vorliegen, gelten die Wiederwahlen von Hans-Christian Angele und Heidi Marty (FBV) als sehr wahrscheinlich.
Anders sieht es für die übrigen Sitze im Gemeinderat aus. Und auch in der Schulpflege kommt es zu einer Kampfwahl: Raffael Colombo (parteilos) will das Team ergänzen und macht damit einen der Sitze streitig, die von den bisherigen Kandidaten wieder besetzt werden wollen.
Die Kandidaten für den Gemeinderat Bubikon
Hans-Christian Angele (FDP, bisher), auch als Präsident (bisher)
Susanne Berchtold (FDP, bisher)
Seraina Billeter (SVP, bisher)
Reto Frey (GLP, bisher)
Martin Kurt (FDP, bisher)
Severin Länzlinger (FBV, bisher)
Silas Muggli (Juso, neu)