Frau mit Zigarre versus Mann mit Gemeindesong
Ruth Dettwiler und Martin Kull kennen sich aus dem Gemeinderat Wangen-Brüttisellen. Nun sind sie Rivalen im Kampf ums Präsidium. In zwei kurzen Porträts stellen wir die beiden vor.
Ruth Dettwiler (FDP) amtet seit vier Jahren als Gemeinderätin. Nun strebt die 58-Jährige das höchste Amt in der Gemeinde an.
Vor rund 40 Jahren ist Ruth Dettwiler (FDP), die in Horn am Bodensee aufgewachsen ist, im Raum Zürich gelandet. Den Dialekt hat sie auch in dieser Zeit nie abgelegt, doch sie ist in der neuen Heimat längst sesshaft geworden. 20 Jahre später ist die Mutter eines 18-jährigen Teenagers dann nach Wangen-Brüttisellen gezogen. «Ich fühle mich wohl hier», sagt die gelernte Bankkauffrau.
Weiterbildung in politischer Führung
Ihr politisches Engagement in der Gemeinde begann vor acht Jahren. Damals wurde sie in die Schulbehörde gewählt. Seither politisiert sie für die FDP, zählt sich zum bürgerlichen Lager. «Politik», erzählt die dynamische 58-Jährige, «hat mich schon in jungen Jahren interessiert.» Da hätten am Familientisch oft lebhafte Diskussionen stattgefunden.

Als vor vier Jahren ein Parteikollege nicht mehr zur Wiederwahl als Gemeinderat angetreten sei, habe sie sich zur Wahl in diese Behörde aufstellen lassen. «Ein Gemeinderatsmandat ist doch nochmals ein anderes Kaliber, und ich habe in den letzten vier Jahren viel lernen dürfen», blickt Dettwiler zurück. Gegenwärtig begleitet sie das Projekt der Schulhauserweiterung Steinacher.
Um auch auf Höhe ihrer Aufgabe als mögliche zukünftige Gemeindepräsidentin zu sein, hat sie zuletzt mehrere Weiterbildungskurse belegt, einen davon in politischer Führung.
Mit Zigarre in gemütlicher Runde
Ruth Dettwiler kennt keine Berührungsängste, geht auf die Menschen im Dorf zu. «Ich bin gewiss eine pragmatisch agierende Person, will mir Akzeptanz erarbeiten», unterstreicht sie. Sie schätze den kontroversen Austausch, doch auch dann benötige sie nicht x-Sitzungen, um zu einer Entscheidung zu kommen.
Dass ihr das Wohl der Gemeinde am Herzen liegt, ist zu spüren, der Bevölkerung will sie mit Empathie und Offenheit begegnen. «Engagement mit Herzblut» sei ihr Credo. Sie ist weltoffen, liebt gutes Essen und Geselligkeit und lässt es sich nicht nehmen, in einer gemütlichen Runde auch mal genussvoll eine Zigarre zu paffen.
Sollte sie vom Souverän am Wahltermin nicht ins höchste Behördenamt gehoben werden, sehe sie sich dennoch in der Pflicht, ihr Bestes zu geben, um bei der Bewältigung der künftigen Herausforderungen tatkräftig mitzuwirken. «Klar wäre ich enttäuscht, aber es wartet viel Arbeit auf uns», sagt die aktuelle Ressortvorsteherin Liegenschaften und Umwelt. Es stünden viele Investitionen an, und es sei vordringlich, einen soliden Finanzhaushalt sicherzustellen.
Martin Kull (Forum Wangen-Brüttisellen) scheint ein vielseitiger Mensch zu sein. Der Vater von zwei erwachsenen Kindern, ausgebildeter Jurist mit MBA und langjähriger Führungserfahrung in privaten und halbstaatlichen Betrieben, treibt leidenschaftlich gerne Sport, vor allem mit dem Rennvelo. Dazu spielt der 66-Jährige Keyboard in zwei Bands – und hat auf den bevorstehenden Wahlkampf hin einen eigenen Song über seine Herzensgemeinde Wangen-Brüttisellen komponiert. Dieser ist auf Youtube zu hören.
«Grosse Fussstapfen»
Obwohl Martin Kull erst seit einer Dekade in Wangen-Brüttisellen wohnhaft ist, kann er bereits auf acht Jahre Amtserfahrung im Gemeinderat zurückblicken. Als Ressortleiter Tiefbau, Unterhalt und Sicherheit habe er diverse Projekte begleiten dürfen, darunter auch die dringend notwendige Sanierung der Zürcherstrasse.
Nun strebt er nach dem Amt des Gemeindepräsidenten. «Es ist nicht einfach, in die Fussstapfen der langjährigen Amtsinhaberin Marlies Dürst zu treten. Sie hat unsere Gemeinde hervorragend geführt», sagt Kull.

Dennoch glaubt er, mit seiner Führungserfahrung und seinen Kompetenzen der «richtige Mann» für Dürsts Nachfolge zu sein. «Ich habe Zeit für dieses Amt, und die Entwicklung der Gemeinde liegt mir am Herzen», unterstreicht Kull. Für ihn steht die Attraktivität des Orts an oberster Stelle. «Wangen-Brüttisellen wird weiter wachsen, wir streben auf die 10’000er-Marke an Einwohnerinnen und Einwohnern zu.» Also gelte es, dieses Wachstum mit Weitsicht in allen Bereichen mitzudenken.
Die Verantwortung reizt
Martin Kull freut sich auf den bevorstehenden Wahlkampf und hofft, seine Fachkompetenz mit Beginn der kommenden Legislatur als Gemeindepräsident einbringen zu können. «Mich reizt die Verantwortung, die dieses Amt mit sich bringt», sagt er. Es gelte, als Gesamtgremium alles daranzusetzen, die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Wangen-Brüttisellen hochzuhalten. Er selber fühle sich sehr wohl in der Gemeinde.
Zentral seien gewiss auch die Bemühungen rund um den Lärmschutz für die Bevölkerung. Es gelte zudem, die Weichen so zu stellen, dass ein gesunder Gemeindehaushalt bewahrt werden könne. Kull sagt, dass er auch im Fall einer Nichtwahl zum Gemeindepräsidenten konstruktiv an der Pflege des Gemeindewohls mitarbeiten würde. Und Zeit habe er ja dafür, sagt der vital gebliebene Pensionär. Als Nebenjob lasse sich dieses Amt wohl kaum ausführen.