René Schweizer hat einen Herausforderer in Fischenthal
René Schweizer ist knapp zehn Monate im Amt als Gemeindepräsident von Fischenthal. Wie fest er im Sattel sitzt, zeigt sich am 8. März. Denn Martin Oberholzer hat ebenfalls Ambitionen.
Eine Stimme über dem absoluten Mehr reichte für René Schweizer am 18. Mai 2025 aus. Der SVP-Politiker und Inhaber der Bäckereikette Voland schaffte bei der Ersatzwahl den Sprung in den Gemeinderat – und übernahm auch die Nachfolge von Barbara Dillier (parteilos) als neuer Gemeindepräsident.
Doch nach dem Wahlkampf ist für Schweizer vor dem Wahlkampf. Bei den Erneuerungswahlen vom 8. März will sich der Unternehmer erneut gegen einen Kontrahenten durchsetzen. Statt Matthias Lutz heisst der Herausforderer dieses Mal Martin Oberholzer. Er ist wie Lutz parteilos.
Martin Oberholzer kandidiert ebenfalls für das Präsidium. «Man muss immer damit rechnen, dass es zu einer Kampfwahl kommt», meint Schweizer abgeklärt. Er schaue dem 8. März mit Respekt und Zuversicht entgegen.
Ihm ist dabei bewusst, dass er in den rund neun Monaten seit seiner Wahl noch keine grösseren Projekte umsetzen konnte. «Ich habe in dieser kurzen Zeit noch nicht allzu viel Gutes, aber auch nicht allzu viel Schlechtes gemacht», bilanziert er.
Trotzdem konnte er in seinen Augen bereits Akzente setzen. «Wir haben beispielsweise wieder einen Neujahrsapéro in der Gemeinde», zählt Schweizer auf. Das sei ein Anliegen aus dem Wahlkampf gewesen. Zudem habe er sich stets für das GZO Spital Wetzikon eingesetzt.
«Mein Ziel war auch, dass wir den Informationsfluss von der Gemeinde an die Bevölkerung verbessern können.» Dies ist seiner Meinung nach gelungen. Jedoch gebe es noch weiteres Potenzial.
Briefe statt Veranstaltung
Anders sieht dies, wenig überraschend, Herausforderer Martin Oberholzer. So hat er etwa drei längere Briefe an sämtliche Haushalte in Fischenthal geschickt – und seine Motivation dargelegt. Die Briefe sind allerdings seine einzige Form von Wahlkampf, eine Teilnahme an einer Vorstellungsrunde aller Kandidaten – organisiert von René Schweizer – lehnte er ab.
Seine Kandidatur sieht er aber nicht als direkten Angriff auf René Schweizer. «Ich habe seit Jahren das Gefühl, das Ganze plätschert einfach vor sind hin, die Gemeinde ist nicht innovativ.» Deshalb will er selber anpacken: «Ich habe die Zeit, die Fähigkeiten und die Lust», sagt der Inhaber eines Fotofachgeschäfts in Zürich.
Er sieht sich als guten Kommunikator und will Kompromisse suchen. Obwohl er – so sagt er – wisse, wie eine Gemeinde und eine Verwaltung grundsätzlich funktionierten, könne er sich kein genaues Bild davon machen, wie es sei, wenn man wirklich involviert und in einem Behördenamt tätig sei.
Er stört sich aber beispielsweise daran, dass die Gemeinde den Medianlohn der Gemeindeangestellten nicht offenlegt – und dass das Budget für Aussenstehende nur schwer verständlich ist. «Eines kann ich euch versprechen, wenn ich als Gemeindepräsident gewählt werde, wird Transparenz neu definiert», schreibt Oberholzer in seinem dritten Brief.
Darin schreibt er auch, dass er das Amt als Gemeindepräsident als Langzeitprojekt sieht. Er wolle nicht alles umkrempeln, sondern vor allem optimieren. Was er konkret verändern würde, dazu bleibt Oberholzer in den Info-Briefen vage. Er stellt viele Fragen, ohne Antworten zu liefern.
Kein teurer Schulraum
Dabei sieht er das, was auf der Gemeindeebene abläuft, gar nicht unbedingt als politisch. Politik passiert für ihn vor allem auf nationaler Ebene. «In Fischenthal geht es darum, die beste Lösung für die Gemeinde zu finden.»
Wie diese Lösungen im Einzelfall für die Gemeinde aussehen, das lässt Oberholzer offen. «Wenn ich gewählt werde, muss ich mich zuerst vertieft mit den Projekten befassen.»
Das zeigt sich am Beispiel mit der Schulraumplanung. 2024 lehnten die Fischenthaler an der Urne zwei Varianten für die Optimierung des Schulraums ab – eine Maximal- und eine Minimalvariante. Seither arbeiten Schulpflege und Gemeinderat an einer neuen Lösung. Was schwebt Oberholzer hier vor?
Eine Kompromissvariante, bei der er sich nicht vorstellen kann, dass diese 20, 30 oder 40 Millionen Franken kostet. «Sollte dies doch nötig sein, muss ein solches Projekt detailliert und offen den Bürgern vorgelegt und erläutert werden, sodass es bei einer Abstimmung Bestand hält.»
Reorganisation soll weitergehen
Laut seinem Kontrahenten René Schweizer ist die Planung für das Schulraumprojekt wieder aufgenommen worden. «Wir sind auf einem guten Weg», meint er. «Die Bedürfnisse, welchen Schulraum wir in Fischenthal für die Zukunft benötigen, werden jetzt nochmals ermittelt», sagt Schweizer. Sein Ziel ist es, die Meinung der Bevölkerung einzubinden und stetig zeitnah zu informieren.
Für ihn gibt es in den nächsten vier Jahren neben der Schulraumplanung auch noch weitere wichtige Themen in der Gemeinde. So beispielsweise die erneute Optimierung der Verwaltung.
Wir erinnern uns: Im Mai 2022 hatte der Gemeinderat eine umfassende Reorganisation der Verwaltung eingeleitet – denn vieles lag im Argen. Die Strukturen waren zu schwach, um Projekte umzusetzen. Dies ist auch in den Augen von René Schweizer gelungen. «Wir haben sehr gute Leute auf der Verwaltung», betont er. Fischenthal sei – auch dank einer offenen und zukunftsorientierten Haltung der Behörden und der Verwaltung – gut aufgestellt.
Nun gehe es darum, die aktuell zehn Abteilungen zu fünf zusammenzuführen. «Dadurch wird die Regelung von der Stellvertretung vereinfacht, und jedes Gemeinderatsmitglied hat einen Zuständigkeitsbereich», sagt der Gemeindepräsident.
Mit seinem Start in der Gemeindepolitik ist Schweizer insgesamt zufrieden. «Ich bin super aufgenommen worden und schnell in die Gänge gekommen.» Das will er nun weiterführen.