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Beständigkeit mit gewissen Blockaden

Ersetzt in Wald ein Freisinniger einen SVP-Gemeinderat – oder stösst ein SP-Mann dazu?

Was die kommende Legislatur angeht, wird sich im Walder Gemeinderat nicht allzu viel, dafür ortsbildtechnisch wohl umso mehr verändern. Vor dem 8. März stellt sich die Frage, welche politische Couleur den Sitz eines abtretenden SVP-Mannes erbt.

In Wald wird auf Kontinuität gesetzt. Dennoch versuchen zwei neue Kandidaten ihr Glück.

Foto: Seraina Boner

Ersetzt in Wald ein Freisinniger einen SVP-Gemeinderat – oder stösst ein SP-Mann dazu?

In der kommenden Legislatur wird sich in der Walder Exekutive wohl nicht allzu viel verändern, dafür aber beim Ortsbild. Vor dem 8. März stellt sich die Frage, wer die Nachfolge des abtretenden SVP-Gemeinderats antritt.

In der wohl ländlichsten Oberländer Gemeinde, die sich durch einen gewissen Zusammenhalt und eine relativ eng verknüpfte Dorfgemeinschaft auszeichnet, kommt es mit Blick auf die nächste Legislatur nur zu wenigen Rochaden und zu keinen allzu grossen Umwälzungen. So tritt der langjährige und äusserst nahbare Gemeindepräsident Ernst Kocher (SVP) unangefochten erneut an. Gleiches gilt für die Schulpräsidentin Franziska Heusser Ammann (parteilos).

Ansonsten gibt es im Gemeinderat eigentlich nur den einen frei werdenden Sitz für die Nachfolge des abtretenden Infrastrukturvorstehers Albert Hess (SVP) zu vergeben. Ob dann tatsächlich dieses Ressort zu vergeben ist, steht auf einem anderen Blatt. Zwar behalten die Bisherigen ihren Zuständigkeitsbereich meist, könnten gemäss dem Affinitätsprinzip jedoch einen allfälligen Anspruch auf ein anderes Ressort zuerst geltend machen.

Duell zwischen links und rechts

Jedenfalls wird in der eher bürgerlich geprägten Gemeinde ein «SVP-Stuhl» frei. Um diesen kämpfen der FDP-Mann und Bauingenieur Patrick Motsch sowie der ehemalige Musikdozent und bald pensionierte IT-Infrastruktur-Fachmann Victor Locher (SP), der als Neuzuzüger in Laupen auch gleich in die Politik einsteigen will. Es kommt somit zu einem «Kleinduell» zwischen links und rechts – denn die Möglichkeit einer Abwahl eines der bisherigen Exekutivmitglieder scheint doch eher gering.

Hätte sich einer der beiden schon im letzten Jahr bei der Ersatzwahl um die Nachfolge des zurückgetretenen Bauvorstehers Rico Croci (Grüne) zur Verfügung gestellt, wäre das vielleicht dessen zweite Kandidatur. Das Rennen machte stattdessen Crocis Parteikollegin Sandra Hiltebrand, die im letzten März als Einzige einen gültigen Wahlvorschlag einreichte und seit knapp einem Jahr dem Bauressort vorsteht. Für die Entwicklung jeder Gemeinde ein enorm wichtiges Ressort.

Was die – wie bereits erwähnt – eher bürgerlich geprägte Gemeinde betrifft, ist es doch eine bemerkenswerte Tatsache, dass das Bauressort seit 2007 in den Händen der Grünen liegt.

Mit Grossprojekten gefüllte Pipeline

Apropos Bau: Schon im Spätsommer 2023 wurde der Gestaltungsplan für das Walder Bahnhofareal samt den mit diesem zentralen Knotenpunkt verbundenen grossen Veränderungen festgesetzt. Seit 15 Jahren ist das Grossprojekt in Planung. In der nächsten Legislatur wird sich zeigen, wie die Gemeinde im Verbund mit den SBB bei diesem Vorhaben vorankommen wird.

Die Kosten belaufen sich auf rund 40 Millionen Franken, wobei die Gemeinde 3 bis 6 Millionen Franken aus der eigenen Kasse bezahlen wird. Aber: Die gesamte Gemeinde, sprich das lokale Gewerbe, soll im Umkehrschluss von diesem Projekt profitieren. Denn neben dem geplanten Gebäudekomplex mit Gewerbeflächen, Büros und Wohnraum sowie Parkplätzen (inklusive Tiefgarage) für Autos und Velos wird ein Grossverteiler angesiedelt, um zu verhindern, dass zu viele Einkäufe in den umliegenden Gemeinden wie Rüti, Hinwil oder Rapperswil-Jona getätigt werden.

Und dann ist da noch das Projekt, das eine Strahlkraft weit über die Grenzen von Wald hinaus besitzt: der eigentlich bewilligte Neubau für die Rehaklinik am Faltigberg – mit 400 Mitarbeitenden die grösste Arbeitgeberin in Wald und damit von grosser Bedeutung.

Schon im Herbst 2024 hätte man mit dem Bau beginnen wollen. Folglich wäre ein Umzug im kommenden Herbst wohl möglich gewesen. Gebaut ist Stand heute jedoch noch gar nichts: Anwohner blockieren das Projekt mit einem Rekurs. Sie bemängeln, dass sich der 150-Zimmer-Ersatzbau in einer Landschaftsschutzzone befindet.

Anfang 2025 überreichte die Stiftung Kliniken Valens ein überarbeitetes Baugesuch. Noch im Oktober waren auch dagegen Rekurse eingereicht worden. Somit steht fest: Ende offen. Denn der Walder Exekutive scheinen, trotz der einst freudig überreichten Baubewilligung, die Hände gebunden.

Die Kandidaten für den Gemeinderat Wald

Ernst Kocher (SVP, bisher), auch als Präsident (bisher)

Urs Cathrein (FDP, bisher)

Karin Eggenberger (FDP, bisher)

Sandra Hiltebrand (Grüne, bisher)

Andreas Odermatt (SVP, bisher)

Franziska Heusser Ammann (parteilos, bisher)

Victor Locher (SP, neu)

Patrick Motsch (FDP, neu)

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