Gestaltungsplan stösst auf Widerstand und Zustimmung
Walder im Zwiespalt bei Bahnhofsareal
Es kam zu Diskussionen und Änderungsanträgen. Dennoch stimmt die Mehrheit der Walder Bevölkerung dem Gestaltungsplan deutlich zu.
Es ist ein Vorhaben, das wohl jede in Wald wohnhafte Person tangiert. Noch im Januar präsentierte der Gemeinderat der Bevölkerung nach über zwölf Jahren Planung den Gestaltungsplan des Bahnhofsareals.
Am Dienstagabend ging es in der bis auf den letzten Platz gefüllten Kirche darum, diesen bei der zweiten Gemeindeversammlung des Jahrs festzusetzen.
Interessengebiete möglichst vereint
Den 201 Stimmberechtigten das ganze Projekt in all seinen Einzelteilen und Tücken nochmals vorzustellen, war Sache von Bauvorsteher Rico Croci (Grüne).
Er stellte zunächst nochmals klar, dass es sich um einen öffentlichen Gestaltungsplan handelt, weshalb Änderungen möglich seien. Fest stand: Wird der Gestaltungsplan angenommen, würde nur noch die Genehmigung der Baudirektion fehlen.
«Ich weiss, es dauerte sehr lange, doch Vorgaben wie der Denkmalschutz und die Gewässerraumfestlegung waren keine leichten Aufgaben», sagte Croci. Es sei wie bei einem solchen Grossprojekt üblich, die unzähligen Interessen in die Planung miteinfliessen zu lassen, was auch ab und an zu Unstimmigkeiten führen könne.
Das gilt für den Detailhandel, das Gewerbe, die SBB, die Bevölkerung, die Gastronomie, die Wohnnutzung oder die Verkehrsplanung, die alle, soweit es möglich war, berücksichtigt wurden. Zudem habe man versucht, die Erfahrungswerte vergangener Jahre mit einzubeziehen.
«Die Busstation wurde in den vergangenen zwölf Jahren oft umgestellt, doch so, wie sie jetzt ist, scheint sie optimal zu sein.» Im Gestaltungsplan sind diesbezüglich überall behindertengerechte Anlagekanten geplant. Was Croci ebenfalls ein Anliegen war: Mehr Parkplätze direkt am Bahnhof sollen die Bahnhofstrasse entlasten.

«Letztlich geht es immer um die drei Schritte: Idee, rechtliche Formulierung, Ausführung.» Also ein Richtprojekt, einen Gestaltungsplan und ein Bauprojekt. «So, wie die Planung definiert ist, ist sie sowohl für die Gemeinde als auch für die SBB gut finanzierbar», meinte Croci.
Die Gesamtkosten belaufen sich auf schätzungsweise 40 Millionen Franken, wovon die Gemeinde zwischen 3 und 6 Millionen wohl selbst aufbringen müsste.
Verschiedene Änderungsanträge
Schon im Vorfeld der Versammlung gingen beim Gemeinderat einige Änderungsanträge ein. Gemeindepräsident Ernst Kocher (SVP) stellte nochmals klar, dass nur untergeordnete Punkte im Gestaltungsplan modifiziert werden dürfen, die das Projekt in seiner Gesamtheit nicht auf den Kopf stellen.
So wurde beispielsweise verlangt, die südlich vom Areal geplante Parkplatzreihe mit einem Versickerungsbelag zu versehen und das Areal mit mehr schattenspendenden Bäumen auszustatten.
Auch ein Sockelgeschoss im Wohn- und Gewerbebereich, das sich vom übrigen Bau abhebt, wurde gefordert.
Eine passionierte Velofahrerin störte sich daran, dass die zwei für Personen angedachten Unterführungen, die wohl von 20 Prozent der Bevölkerung genutzt würden, ohne Velopassagen geplant sind. «220 Veloparkplätze sind gut, doch mir fehlt die Anbindung südlich des Bahnhofs, die zu wenig genau definiert ist.»
Dem Naturschutzverein Wald war es ein Anliegen, auf eine klimafreundliche Stadtentwicklung zu achten, sprich nach siedlungsökologischen Freiraumkonzept zu bauen. So würde beispielsweise die Reptilienvielfalt in Gebietsnähe geschützt.
Günstiger Wohnraum statt Gewerbe
Ein ehemaliger Gemeinderat und Architekt versuchte mittels eines langen Vortrags, die Stimmberechtigten davon zu überzeugen, dass bei der Tiefgarage ein weiteres Untergeschoss möglich wäre, damit man den Bahnhofplatz autofrei gestalten könnte.
«Wollen wir ein Platz mit Bäumen zum Verweilen oder einfach einen Platz voller Autos?» Er meinte, der Platz würde nie multifunktional eingesetzt (abgesehen von Markt und Chilbi).
Als Einziger stellte er einen Rückweisungsantrag für das Projekt. Der Gemeindepräsident entgegnete ihm: «Wenn wir keine Parkplätze auf einer Ebene mit dem Gewerbe bauen, wird dieses nicht mehr frequentiert.»
Eine andere Idee war es, die Gewerbefläche für einen Grossverteiler durch günstigen Wohnraum zu ersetzen.
Eindeutiger Beschluss
Diesbezüglich wiesen sowohl einige aus der Bevölkerung wie auch der Gemeinderat darauf hin, dass ein weiterer Grossverteiler-Standort neben den bereits bestehenden Filialen von Migros und Coop unumgänglich sei. Ansonsten würden zu viele an andere Orte wie Rüti, Hinwil oder Rapperswil ausweichen, was dem gesamten Gewerbe schaden täte.
Nach einer über zweistündigen Beratung kam es zu deutlichen Abstimmungsresultaten. Abgesehen von den Forderungen nach einem Sockelgeschoss und günstigem Wohnraum wurden alle Änderungsanträge deutlich angenommen. Der eine Rückweisungsantrag wurde klar zurückgewiesen.
Somit haben die Versammelten den Gestaltungsplan fürs Bahnhofsareal mit gewissen abgeänderten Formulierungen und Änderungen eindeutig beschlossen.
Beim neuen Bahnhofsareal geht es mehr um eine massive Erweiterung als um eine Erneuerung. Das Bahnhofshäuschen bleibt bestehen. Hingegen kommen drei Gebäude in einem zusammengehörigen Grosskomplex hinzu, der Wohnungen, Gewerbeflächen, Büroräume und eine Tiefgarage mit 150 Plätzen enthalten soll. Im Aussenbereich bietet der Gesamtbau 220 witterungs- und diebstahlgesicherte Veloparkplätze und weitere 50 Autoparkplätze, die beispielsweise für einen Chilbi-Markt genutzt werden könnten.