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Wer führt Illnau-Effretikon in die Zukunft?

Am Sonntag 27. März wählt Illnau-Effretikon einen neuen Stadtpräsidenten. Welche Visionen haben die drei Kandidaten? Eine Orientierungshilfe anhand eines Fragebogens.

Illnau-Effretikon wird sich in den nächsten vier Jahren massiv entwickeln. Die Frage ist einzig: Unter wessen Führung?

Archivfoto Mano Reichling

Wer führt Illnau-Effretikon in die Zukunft?

Nach elf Jahren als Stadtpräsident von Illnau-Effretikon tritt Ueli Müller (SP) in diesem Sommer von der politischen Bühne ab. Die Stimmbevölkerung hat nun die Qual der Wahl: Mit den beiden Stadträten Samuel Wüst (SP) und Marco Nuzzi (FDP) und dem Parlamentarier René Truninger (SVP) stellen sich nicht weniger als drei Kandidaten für seine Nachfolge zur Wahl. Die Positionen hinter den Köpfen.
 

Wie soll das neue Zentrum aussehen?

Samuel Wüst: Der 2019 vom Stadtrat festgesetzte Masterplan gibt einen guten Überblick über die Rahmenbedingungen der Zentrumsentwicklung. Neun Gebiete können dabei unabhängig voneinander entwickelt und umgesetzt werden. Aktuell werden fünf davon entwickelt. Beim Bahnhofplatz beginnen die Bauarbeiten in diesem Jahr, 2024 soll die Überbauung bezogen werden. Hier wird für die Bevölkerung zum ersten Mal sichtbar werden, wie sich das Zentrum entwickelt. Einerseits gibt es mehr Platz Richtung Bahnhofstrasse, andererseits werden die Gebäude höher. Diese Verdichtung im Zentrum ist sinnvoll und richtig. Im Erdgeschoss sind ein Restaurant, verschiedene Einkaufsmöglichkeiten und Dienstleistungen geplant. So soll die Attraktivität im Zentrum mit jedem neu entwickelten Gebiet gesteigert werden.

Marco Nuzzi: Unser Lebensraum im Zentrum Effretikon soll modern und lebendig gestaltet sein und sich durch qualita­tive Verdichtung auszeichnen. Der aktuelle Masterplan bietet dazu eine sehr gute Basis. Der Freiraum muss ausreichend Platz bieten für naturnahe Grünflächen, einen zum Verweilen einladenden Stadt­garten, offene Plätze, attraktive Fussgängerzonen und ein ausreichendes Angebot an Velo- sowie oberirdischen Kurzzeit-Parkplätzen. Dabei sind zukunftsgerichtet E-Ladestationen und ein intelli­gentes Parkleitsystem vorzusehen. Die Erdgeschosse der Neubauten weisen eine attraktive Raum­höhe für das lokale Gewerbe auf und bieten vielfältige Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants, Läden, Cafés und Bars.

René Truninger: Durch das stetige Bevölkerungswachstum wird in der Schweiz auch künftig weiter gebaut werden. Nicht nur Infrastruktur wie Schulhäuser, Schienen und Strassen, sondern eben auch Wohnbauten. Da Illnau-Effretikon im «goldenen Dreieck» zwischen Winterthur, Zürich und dem Oberland liegt, ist das Zentrum von Effretikon der ideale Ort, um verdichtet zu bauen. Gleichzeitig sollen aber auch Wohnquartiere und Einfamilienhausquartiere mit geringer Dichte erhalten bleiben. Ich stelle mir ein attraktives Stadtzentrum mit interessanten Einkaufsmöglichkeiten vor, wie etwa einer Metzgerei, einer Bäckerei, Ärzten etc. Der ideale Mix zwischen Stadt und Land soll erhalten werden und das Zentrum für alle attraktiv sein – auch dank einer guten Erschliessung mit dem Öffentlichen Verkehr, sicheren Velowegen und natürlich Kurzzeitparkplätzen für Autofahrer.
 

Illnau-Effretikons Finanzhaushalt ist stabil. Ist eine Steuerfuss-Senkung angezeigt?

Samuel Wüst: Seit ich 2014 in den Stadtrat kam, konnte der Steuerfuss in zwei Schritten von 115 auf 110 Prozent gesenkt und dazu noch die Verschuldung der Stadt reduziert werden. Gleichzeitig wurden in den letzten Jahren mit hohen Investitionen verschiedene Schulanlagen saniert und den aktuellen Bedürfnissen angepasst. Mit den anstehenden Investitionen von rund 100 Millionen, zum Beispiel in den Neubau des Kindergartens Rosswinkel, den Neubau der Mehrzweckanlage, der Schulraumerweiterung Eselriet und vielem mehr, stehen in den nächsten fünf Jahren grosse Bauvorhaben an. Aufgrund der aktuellen Finanzplanung ist ein konstanter Steuerfuss von 110 Prozent geplant und eine Steuerfusssenkung nicht angezeigt. Aus meiner Sicht soll der Steuerfuss grundsätzlich auf einer langfristigen Planung beruhen.

Marco Nuzzi: Aktuell nicht. Für mich hat eine vorausschauende, stabile Steuerfusspolitik Priorität. Entscheidend ist, dass der Steuerfuss in einem guten Verhältnis zwischen Steuerfranken und öffentlicher Dienstleistung steht. In den kommenden sechs Jahren erwarten uns Investitionen von mehr als 120 Millionen Franken in unsere städtische Infrastruktur. Zudem sind die Aufwertung unserer Naherholungsgebiete, intakte öffentliche Infrastrukturen, die Aktivitäten der Energiestadt, qualitativ hochwertige Schulen, ein spannendes Freizeitangebot und die hohe Erwartung an eine dienstleistungsorientierte Verwaltung nicht zum Nulltarif erhältlich. Sollte die finanzielle Situation trotz Investitionen und Ausgaben aber Raum für eine weitere mittelfristige Steuerfuss-Senkung erlauben, unterstütze ich diese natürlich.

René Truninger: Die Stadt Illnau-Effretikon hat mittlerweile ein Budget in der Höhe von knapp 120 Millionen Franken pro Jahr. Es ist wichtig, dass mit den Steuergeldern der Einwohnerinnen und Einwohner sorgsam umgegangen wird. Die SVP hat sich immer für eine Steuerfussreduktion eingesetzt und mittlerweile konnte der Steuerfuss von 115 auf 110 Prozent gesenkt werden. Im Kanton Zürich bewegen sich die Steuerfüsse zwischen 72 und 130 Prozent und das kantonale Mittel liegt bei 106,7 Prozent. Da die Stadt Illnau-Effretikon in den letzten fünf Jahren insgesamt einen Überschuss von enormen 35 Millionen Franken erzielt hat, gibt es noch genügend Luft, um den Steuerfuss dem kantonalen Mittel anzugleichen und den Steuerzahlern in Zeiten von steigenden Preisen etwas zurückzugeben.
 

Die Bevölkerung wünscht sich mehr Verkehrssicherheit. Wie wollen Sie dem entsprechen?

Samuel Wüst: Wichtig bei der Verkehrssicherheit ist das Miteinander. Alle Verkehrsteilnehmenden müssen auf die anderen Rücksicht nehmen. Hier kann eine Sensibilisierungskampagne sicher eine gute Wirkung entfalten. Ausserdem sind die vorhandenen Schwachstellen im Langsamverkehr, die mittels einer Bevölkerungsumfrage konkret benannt wurden, strukturiert auszuwerten und nach Dringlichkeit zu beheben. Soweit möglich soll der Langsamverkehr getrennt vom motorisierten Individualverkehr geführt werden, um die Konfliktpunkte zu reduzieren.

Marco Nuzzi: Verkehrssicherheit ist ein Zusammenspiel zwischen den verschiedenen Nutzenden der öffentlichen Strassen. Diese vielfältige Nutzung basiert auf übergeordneten gesetzlichen Normen und Vorschriften sowie gegenseitiger Toleranz und Respekt. Der Handlungsspielraum der Gemeinden ist bei der Umsetzung sehr begrenzt, da die Vorgaben klar definiert sind. Innerhalb dieses Rahmens muss die Stadt das Möglichste tun, um die objektive und subjektive Wahrnehmung der Sicherheit zu gewährleisten und fortlaufend zu verbessern. Der kontinuierlichen Verbesserung der Verkehrssicherheit misst auch der Stadt­rat eine hohe Priorität bei, indem er aktuell etwa eine Schwachstellenanalyse im Bereich Verkehr vornimmt. Die Ergebnisse sollen in Kürze vorliegen.

René Truninger: Die sichere Mobilität und freie Wahl des Verkehrsmittels sind wichtig und müssen sichergestellt werden. Jeder soll das am besten geeignete Verkehrsmittel wählen dürfen. Als Familienvater mit zwei schulpflichtigen Kindern ist mir die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer sehr wichtig. Im Stadtzentrum Effretikon und im Dorfzentrum Illnau soll der Langsamverkehr mit Fussgänger- und Radwegen sicherer gemacht werden. Momentan werden leider allzu oft die verschiedenen Verkehrsmittel gegeneinander ausgespielt, anstatt sich für ein Miteinander aller Verkehrsteilnehmer auf entflechteten Routen einzusetzen.
 

Welche Angelegenheit liegt Ihnen persönlich besonders am Herzen?

Samuel Wüst: Mein Ziel ist, dass unsere Stadt als attraktiv wahrgenommen und nachhaltig weiterentwickelt wird. Es sollen möglichst viele Personen am eigenen Wohnort einer Erwerbsarbeit nachgehen können. Das Einkaufsangebot soll sich so vielseitig präsentieren, dass die Bevölkerung hier vor Ort einkauft. Unsere Gemeinde erfüllt bis in 20 Jahren die Klimaziele des Bundes (Netto-Null-Emissionen bis zum Jahr 2050), damit Illnau-Effretikon auch in Zukunft eine lebenswerte, naturverbundene Stadt ist. Denn schon heute schätzen es unsere Einwohnerinnen und Einwohner genauso wie ich besonders, dass sie in drei Minuten im Grünen sind und sich dort beim Spazieren oder Velofahren entspannen können. Das soll so bleiben.

Marco Nuzzi: Eindeutig das Engagement der zahlreichen Vereine in unserer lebendigen Stadt Illnau-Effretikon. Es ist immer wieder bewundernswert, wie sich Menschen freiwillig und mit hoher Eigenmotivation für die Interessen anderer Mitmenschen einsetzen.  Das ist gelebte Kultur, stärkt die Integration aller Altersgruppen, Schichten und Ethnien und muss weiterhin gefördert werden. Den Vereinen soll durch die Stadt weiterhin eine attraktive, nutzerorientierte und zeitgerechte Infrastruktur zur Verfügung gestellt werden. Für kulturelle Anlässe soll die Stadt wie bisher eine helfende Hand bieten und diese bei Bedarf auch finanziell unterstützen. Ich werde mich persönlich dafür einsetzen, dass dies auch in Zukunft so bleibt.

René Truninger: Illnau-Effretikon braucht belebte Zentren mit einem vielfältigen Gewerbe und entsprechenden Einkaufs- und Verpflegungsmöglichkeiten. In diesem Punkt wurde aus der Sicht der Bevölkerung in der Vergangenheit leider vieles verpasst. Die Rahmenbedingungen für das einheimische Gewerbe, aber auch für Vereine und kulturelle Veranstaltungen muss verbessert werden. So soll beispielsweise die Diskussion über die «¾-Eishalle» wieder aufgenommen werden.  Kurz gesagt: Illnau-Effretikon soll interessanter werden!
 

Was wollen Sie anders machen als Ihr Vorgänger?  

Samuel Wüst: Seit 24 Jahren bin ich zusammen mit unserem allseits geschätzten Stadtpräsidenten Ueli Müller in der Lokalpolitik tätig. Wie er will ich ein offenes Ohr für alle haben, die Stadtentwicklung aktiv begleiten, das kulturelle Leben fördern und den Stadtrat umsichtig leiten. Verstärkte Aufmerksamkeit möchte ich der «Vermarktung» unserer Stadt mit ihren verschiedenen Ortsteilen schenken. Mir ist es wichtig, die Vorzüge unserer Stadt als Wohnort und als Standort für kleinere und grössere Unternehmen aufzuzeigen, und zwar nicht nur wegen ihrer optimalen Lage. In Zusammenarbeit mit unserem Wirtschaftsförderer können wir hier noch vieles bewirken.

Marco Nuzzi: Unser abtretender Stadtpräsident Ueli Müller hat sehr viel Gutes getan, das ich weiterpflegen möchte. Mein Fokus als Stadtpräsident wird in der strategischen Führung des Stadtratskollegiums und in der zielgerichteten Weiterentwicklung der nachhaltigen Strategien im Bereich der Stadtentwicklung, Energie­planung, Wirtschaftsförderung und (Vereins-)Kultur liegen. Zusätzliches Potential sehe ich in der Kom­mu­ni­kation. Unsere ländlich-urban geprägte Stadt Illnau-Effretikon geniesst mit ihrer einmaligen Lage, den hervorragenden Verkehrsanbindungen, den vielen Naherholungsgebieten und einer dienstleistungsorientierten Stadt­verwaltung einen echten Standortvorteil. Diese einzigartige Ausgangslage müssen wir zugunsten einer hohen Lebensqualität der ortsansässigen Bevölkerung nutzen.

René Truninger: Mein Ziel ist es, Politik für wirklich alle Einwohnerinnen und Einwohner von Illnau-Effretikon zu machen. Alle sollen sich in unserer Stadt wohl fühlen und niemand soll ausgeschlossen werden. Mit der Volksinitiative «Attraktives Dorfzentrum Illnau» und dem Referendum «Neubau Passerelle Girhalden» haben wir erfolgreich unsere Volksnähe bewiesen und gezeigt, warum alle wichtigen Kräfte in einer erfolgreichen Exekutive vertreten sein sollten. Ebenso wichtig für die Stadt Illnau-Effretikon ist das Gewerbe, es soll dank weniger Bürokratie und weniger Abgaben und Gebühren entlastet werden. Aber auch eine ausgewogenere Informationspolitik ist wichtig, damit das Vertrauen der Bevölkerung in die Politik wieder verbessert wird. Illnau-Effretikon verdient eine aufrichtige und ehrliche Politik.

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