Spannende Ausgangslage in Dübendorf
Eine Kampfwahl auf Augenhöhe ist das nicht. Auf der einen Seite der aktuelle Stadtpräsident André Ingold (SVP), bestens vernetzt, vielseitig engagiert und in weiten Teilen des politischen Spektrums beliebt.
Auf der anderen Patrick Jetzer, Co-Präsident der aus der Corona-Pandemie heraus entstandenen Protest-Bewegung Aufrecht Schweiz, unerfahren auf lokalpolitischer Ebene, dafür überregional in die Schlagzeilen geraten wegen seines massnahmenkritischen Engagements.
Ingold und Jetzer trafen schon vor vier Jahren bei der damaligen Kampfwahl ums Stadtpräsidium aufeinander, damals noch mit Theo Zobrist (SP) als Dritten im Bunde. Jetzer, zu jener Zeit noch Vertreter der von ihm gegründeten Ethischen Partei Schweiz (EPS), blieb mit 101 Stimmen erwartungsgemäss chancenlos, während Ingold deren 1732 Stimmen erhielt.
Für die anstehende Wahl haben sich die Vorzeichen insofern geändert, als Jetzer heute kein komplett Unbekannter mehr ist. Ob das Wählerpotenzial aus Massnahmenkritikern und Impfgegnern gross genug ist, um zumindest einen Achtungserfolg zu erzielen, muss sich allerdings erst zeigen.
Ein Sitz ist faktisch vergeben
Mit Ingold, Martin Bäumle (GLP/GEU), Dominic Müller (Die Mitte) und Hanspeter Schmid (Die Mitte) treten vier von sechs Stadträten wieder an. Bäumle hatte vor vier Jahren am meisten Stimmen erzielt. Aufgrund seiner Auftritte in überregionalen und nationalen Medien – der «Blick» hat ihn kürzlich aufgrund seiner Aussagen zu Corona «Aerosol-Papst» genannt – ist er auch denjenigen bekannt, die sich weniger mit der Lokalpolitik beschäftigen.
Der siebte Sitz in der Exekutive ist für den Präsidenten oder die Präsidentin der Primarschulpflege reserviert – und damit faktisch schon vergeben. Denn anders als 2018 tritt Susanne Hänni (GLP/GEU) diesmal ohne Konkurrenz an.
Kandidatur zurückgezogen
Nicht mehr aufstellen lässt sich Tiefbauvorstand Jürgen Besmer (FDP), der nach zwölf Jahren im Stadtrat genug hat. Ebenfalls nicht mehr auf der Kandidatenliste dabei ist Sozialvorsteherin Jacqueline Hofer (SVP), die nach lediglich einer Amtsperiode auf eine erneute Kandidatur verzichtet.
Noch im Mai 2021 hatte die SVP ihre Stadträtin für eine Wiederwahl nominiert, im November jedoch zog Hofer ihre Kandidatur aus gesundheitlichen Gründen zurück. Zuletzt geriet Hofer massiv unter Druck: Eine Untersuchung belegte eklatante Missstände in der Sozialhilfe und nannte sie eine der Hauptverantwortlichen.
Keine Frauen auf der Liste
Wenn man davon ausgeht, dass die bisherigen Stadträte wiedergewählt werden, bewerben sich also für die zwei freien Sitze fünf Männer – Frauen sucht man auf der Kandidatenliste vergebens.
Anstelle von Jacqueline Hofer hat die SVP im Herbst Daniel Griesser nominiert. Griesser war sechs Jahre im Gemeinderat, ebenso lange Präsident des Eishockeyclubs Dübendorf und stand auch dem Verein Gentlemen-Grand-Prix vor. 2018 kandidierte er erfolglos für die Primarschulpflege.
Ein politischer Senkrechtstarter ist Ivo Hasler (SP). 2018 ins Parlament gewählt, wurde der Architekt, der als Projektleiter die Überbauung Zwicky Süd mitentwickelt hat, bereits im Amtsjahr 2021/22 zum Gemeinderatspräsidenten und damit höchsten Dübendorfer gewählt.
Adrian Ineichen (FDP) sitzt seit vier Jahren in der Primarschulpflege. Er war sechs Jahre im Vorstand der FDP Dübendorf, davon vier Jahre als Präsident. Ineichen war etwa an der Volksinitiative «Hafenkräne Nein» beteiligt oder an der Petition gegen das Pedaloverbot auf dem Greifensee.
Der zweite Vertreter von Aufrecht Dübendorf neben Jetzer ist Rolf Zöbeli, der auf lokalpolitischer Ebene noch nicht in Erscheinung getreten ist.
Kampfwahl in die Primarschule
2018 musste Primarschulpräsidentin Susanne Hänni (GLP/GEU) ihren Sitz noch gegen Herausforderer Toni Lanzendörfer (SP) verteidigen. Dieses Jahr nun ist sie die einzige Bewerberin für das Amt. Neben Hänni treten nur drei Bisherige nochmals für einen Sitz in der Primarschulpflege an: Martin Eichenberger (parteilos), Olivia Kenel-Paredi (Die Mitte) und Brigitta Würsch-Fenner (Die Mitte). Neu kandidieren: Yves Alter (parteilos), Priscilla Egli (FDP), Nicolas Facincani (FDP), Marcel Kuster (SVP), Pascal Scattolin (SP) und Nina Vöhringer (Grüne) – also zehn Bewerberinnen und Bewerber für neun Sitze.
Genügend Kandidaten
Auch die Kandidierenden für die Reformierte Kirchenpflege stehen fest. Es sind dies Werner Benz (bisher, auch als Präsident), Hans Hausammann (neu), Susanne Hess (bisher), Gabriele Hüppi- Stauffer (bisher), Katharina Jauch (neu), Albert Weder (bisher) und Agnes Zenerino Stempfl (bisher).
Für die sieben Sitze der Katholischen Kirchenpflege kandidieren: Caroline Albrecht (bisher), Verena Bristot Leemann (neu), Daniel Brühwiler (neu), Gregor Freund (bisher, neu als Präsident), Antonio Spitale (neu), Lisa Stiefel (bisher) und Benjamin Volkmer (bisher).
Für die fünf Sitze in der Rechnungsprüfungskommission (RPK) der Katholischen Kirchgemeinde treten an: Jana Moser (neu), Heinz Rüegsegger (bisher), Anokina Vogt (bisher), Reto von Atzigen (bisher, auch als Präsident) und Arthur Wiederkehr.
Mitglieder bereits gewählt
Weil sich für die sieben Sitze der Sekundarschulpflege Dübendorf-Schwerzenbach nur sechs Kandidierende aufstellen liessen, wurden diese bereits in stiller Wahl gewählt. Es sind dies: Alexandra Freuler (bisher, SP), Reto Heeb (bisher, Die Mitte), Patric Iten (neu, FDP), Priska Sonderegger (neu, SVP), Benedikt Stockmann (bisher, Die Mitte) und Andreas Sturzenegger (bisher, FDP), der auch als Präsident wiedergewählt wurde. Für den siebten Sitz findet am 27. März eine Urnenwahl statt.
