Sozialdienst Pfäffikon darf dieses Mal offiziell umziehen
Abstimmungsergebnis
Zum zweiten Mal stimmte das Volk über die Zusammenlegung des Sozialdiensts des Bezirks Pfäffikon ab. Das Resultat ist das genaue Gegenteil des Entscheids von vor vier Jahren.
Eine unerwartete Wendung ereignete sich diesen Sonntag in Pfäffikon: Die Stimmberechtigten haben mit knappen 65 Prozent dem wiederkehrenden Kredit von 280’318 Franken für die Zusammenlegung des Sozialdiensts des Bezirks Pfäffikon zugestimmt.
Mit einer Stimmbeteiligung von 42,83 Prozent waren ausnahmslos alle zehn Gemeinden (Bauma, Fehraltorf, Hittnau, Illnau-Effretikon, Lindau, Pfäffikon, Russikon, Weisslingen, Wila und Wildberg) dafür.
Diese Entscheidung markiert einen Kurswechsel gegenüber der Abstimmung vom Februar 2020, bei der ein ähnlicher Vorschlag noch mit rund 70 Prozent abgelehnt wurde. Nun ist die Zentralisierung der Geschäftsstellen des Sozialdiensts an der Sophie-Guyer-Strasse 9 in Pfäffikon aber offiziell. Dort befinden sich bereits die Fachstelle Sucht, die Beratungsstelle für junge Erwachsene und die Erwachsenenschutzbehörde.
Freude beim Sozialdienst
Lukas Weiss (GP), Pfäffiker Gemeinderat und Präsident des Zweckverbands, freut sich über den Entscheid: «Wir sind sehr erleichtert, dass wir nun mit allen Mitarbeitenden an den neuen Standort ziehen können.» Die Urnenabstimmung sei eine gute Gelegenheit gewesen, der Bevölkerung den Sozialdienst näherzubringen. «Die meisten Menschen sind nicht auf den Dienst angewiesen und sind sich vielleicht nicht bewusst, wieso er so wichtig ist.»
Ausserdem würde die Zentralisierung es nicht nur für die Angestellten einfacher machen, sondern auch für die Klientinnen und Klienten, weil die Dienste nicht mehr auf drei Standorte aufgeteilt sind.
Bereits im Frühling 2025 soll es so weit sein. Doch der Umzug sei wenig problematisch. Vielmehr würde künftig den Sozialdienst die fortschreitende Digitalisierung, die personelle Stabilität und die Entwicklung der Organisation beschäftigen. «Die Abstimmung hat gezeigt, dass wir wohl auch mehr Öffentlichkeitsarbeit machen müssen», so Weiss.
Umzugsversuch 2023 gescheitert
Der Weg zur Abstimmung war von Kontroversen geprägt. Im April 2024 hatte der Bezirksrat Pfäffikon einen Beschluss des Zweckverbands zur Kreditbewilligung für einen Umzug nach Pfäffikon aufgehoben.
Nachdem es 2020 für den Sozialdienst ein klares Nein an der Urne gegeben hatte, unternahm der Zweckverband 2023 einen erneuten Versuch, seine Dienste in Pfäffikon zusammenzulegen.
Aus Platzmangel und fehlenden Alternativen bewilligte der Zweckverband mit 6 zu 4 Stimmen 67’000 Franken für einen Umzug an die Sophie-Guyer-Strasse. Das Ergebnis fiel knapp aus, da sich die Rechnungsprüfungskommission (RPK) im Vorfeld schon kritisch zum Vorhaben geäussert hatte. Sie war überhaupt der Grund, warum die erste Vorlage zur Urne kam, denn zunächst wollte der Zweckverband die Kosten als gebundene Ausgabe verbuchen.
Die damaligen 320’000 Franken überschritten jedoch den Betrag einer wiederkehrenden Summe von unter 120'000 Franken, über welche die Exekutive selbst hätte abstimmen dürfen. Deshalb wurde das Volk über den Entscheid bezüglich der 67’000 Franken für den Umzug 2023 nicht miteinbezogen worden.
Volksentscheid umgestossen?
Das war den Gegnern der Zusammenlegung – SVP und GLP – ein Dorn im Auge. Es war Daniel Huber, SVP-Fraktionspräsident in Illnau-Effretikon, der eine Stimmrechtsbeschwerde einreichte. Mit dem Umzug würden Miet- und Investitionskosten anfallen, die die Finanzkompetenz des Zweckverbands – und den Betrag von 120’000 Franken – übersteigen. Der Bezirksrat hiess die Beschwerde gut, weswegen erneut darüber abgestimmt wurde.
Bereits 2020 hatte sich die SVP gegen die Vorlage gestellt – sie sei zu teuer und zu luxuriös. Die jetzige Abstimmung war jedoch das Ergebnis einer rechtlichen Auseinandersetzung und sollte die demokratische Legitimität des Projekts sicherstellen. Denn dem Zweckverband wurde ein Umstossen des Volksentscheids vorgeworfen.
SVP hat Erwartungen
Paul von Euw, Kantonsrat und Präsident der SVP des Bezirks Pfäffikon, akzeptiert das Abstimmungsresultat: «Der Stimmbürger hat gesprochen und er hat immer recht.» Durch das Handeln der SVP sei die Vorlage etwas günstiger geworden und das Volk in der Entscheidung miteinbezogen worden. «Vielleicht fanden die Bürgerinnen und Bürger es auch mühsam, nach vier Jahren erneut darüber abzustimmen und haben deshalb Ja gesagt.»
Jetzt müsse der Sozialdienst aber den Beweis erbringen, dass sich die Zusammenlegung tatsächlich lohnt: Von Euw erwartet in Zukunft weniger Mitarbeiterwechsel, eine bessere Betreuung für die Klientinnen und Klienten, wie auch eine Effizienzsteigerung, oder anders gesagt, mittelfristig sinkende Kosten.