Politik

PV-Anlagen und Strom im Visier

Uster zwischen Klimaziel und Kapazitätsgrenze

Wie steht es um den Ustermer Weg zu Netto Null? Das wollten fünf Parlamentarier von der Stadt wissen. Nun liegen die Antworten vor.

Uster zwischen Klimaziel und Kapazitätsgrenze

PV-Anlagen und Strom im Visier

Wie steht es um den Ustermer Weg zu Netto-Null? Das wollten fünf Parlamentarier von der Stadt wissen. Nun liegen die Antworten vor.

Der Stadtrat Uster hat zwei Anfragen aus dem Gemeinderat beantwortet. Im Zentrum steht die Frage, ob die Stadt auf Kurs ist, um ihre selbst gesteckten Klimaziele zu erreichen – Netto-Null bis 2050. Beide Anfragen kommen von denselben fünf Ratsmitgliedern: Andreas Pauling und Marco Kranner (Grünliberale), Patricio Frei (Grüne) sowie Tanja Göldi und Andres Kronenberg (SP).

Die eine Anfrage nimmt den Ausbau von Solaranlagen auf städtischen Liegenschaften unter die Lupe, die andere zoomt heraus und fragt nach der Gesamtstrategie – inklusive der Rolle der Energie Uster AG, die im Versorgungsgebiet für Stromtarife und Netzkapazität zuständig ist.

Die Antworten des Stadtrats zeigen: Der Weg zu Netto-Null ist eingeschlagen, doch zu Tempo, Verbindlichkeit und Netzkapazität gibt es einige offene Fragen. Die Antworten der Stadt im Überblick.

Zwischenbilanz PV-Ausbau auf städtischen Dächern

Bereits 2021 hatte die Stadt Uster 256 Dächer ihrer Liegenschaften auf ihre Eignung für Photovoltaik geprüft und dabei 40 Dachflächen als geeignet eingestuft. Diese Zahl ist seither deutlich gesunken: Nach genauerer Prüfung im Rahmen der Projektierung sind nur noch 25 Dachflächen tatsächlich nutzbar. Der Stadtrat nennt als Gründe unter anderem ungenügende Traglast, Altlasten und die verbleibende Lebensdauer einzelner Gebäude. Von diesen 25 Flächen sind bislang erst sechs durch die Stadt selbst und fünf durch die Energie Uster AG mit Anlagen bestückt worden. Beim aktuellen Ausbautempo, so der Stadtrat, dürfte es noch 10 bis 15 Jahre dauern, bis der Grossteil der nutzbaren Dächer belegt ist.

Als grösste Hürde bei der Realisierung nennt der Stadtrat die Bausubstanz: Viele Flachdächer wurden ursprünglich nicht dafür ausgelegt, gleichzeitig eine Solaranlage und ein Gründach zu tragen, bei Schrägdächern erschweren teils Asbest-Altlasten die Sanierung. Hinzu kommt, dass zahlreiche städtische Liegenschaften unter Denkmalschutz stehen, was die Baubewilligungsverfahren zusätzlich verkompliziert.

Finanziell zeigt sich der Ausbau in den Rückvergütungszahlen: Diese sind von bescheidenen 151 Franken im Jahr 2023 auf über 10’000 Franken im Jahr 2025 gestiegen – ein Hinweis auf den zunehmenden Betrieb neuerer Anlagen.

Seit Januar 2026 bietet die Energie Uster AG zudem einen Festpreistarif als Alternative zu den variablen, gesetzlich vorgeschriebenen Rückliefertarifen an. Genutzt wird dieser bislang aber nur von rund 60 der insgesamt rund 698 im Versorgungsgebiet registrierten PV-Anlagen.

Zwischenbilanz auf dem Weg zu Netto-Null

Auch bei der übergeordneten Klimastrategie bleiben zentrale Fragen offen. Ein systematisches Monitoring der Netto-Null-Fortschritte existiert zwar, erfolgt aber nur alle vier Jahre im Rahmen des sogenannten Energiestadt-Reaudits.

Die von den Ratsmitgliedern aufgeworfene Frage, ob die Energie Uster AG künftig verbindlich in die Pflicht genommen werden soll, beantwortet der Stadtrat wie folgt: Er «erwarte» einen aktiven Beitrag des Unternehmens, formuliert aber keine einforderbare Verpflichtung. Die geplante Solarstrategie, die konkrete Ausbauziele und einen Jahrespfad bis 2050 liefern soll, existiert bislang als angekündigte Massnahme ohne konkrete Zahlen oder Zeitplan.

Konkreter wird es bei den Netzkapazitäten: Zwischen 2024 und 2025 mussten sieben von 119 Gesuchen für Wärmepumpen (5,9 Prozent) und sieben von 108 Gesuchen für Ladestationen (6,5 Prozent) abgelehnt werden. Nicht wegen fehlender Baubewilligung, sondern weil das lokale Stromnetz an seine Grenzen stösst.

Betroffen sind laut Stadtrat unter anderen die Babühlstrasse, die Denkmalstrasse, die Lindenstrasse und die Schwerzistrasse. Auch für die kommenden ein bis vier Jahre rechnet die Energie Uster AG mit weiteren Engpässen, insbesondere in Wermatswil sowie Teilen von Kirchuster, Oberuster und Nossikon.

Um dem entgegenzuwirken, sind für 2026 Investitionen von über 8 Millionen Franken in die Netzinfrastruktur vorgesehen. Bei der Frage, ob alle Gesuchstellenden gleich behandelt werden, räumt der Stadtrat ein, dass der Zeitpunkt der Gesuchseinreichung «in einzelnen Fällen von Bedeutung sein» könne. In Gebieten mit begrenzter Netzkapazität zählt also tatsächlich, wer zuerst kommt.

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