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20 Minuten unterwegs

Familien kämpften vergebens: Vierjährige aus Gutenswil müssen mit Bus zum Kindergarten

In Gutenswil müssen Vierjährige mit dem Bus in den Chindsgi nach Volketswil fahren. Eltern haben dagegen Einsprache erhoben. Doch von der Schule heisst es: «Uns sind die Hände gebunden.»

Familien kämpften vergebens: Vierjährige aus Gutenswil müssen mit Bus zum Kindergarten

In Gutenswil müssen Vierjährige mit dem Schulbus in den Chindsgi nach Volketswil fahren. Eltern haben dagegen Einsprache erhoben. Doch von der Schule heisst es: «Uns sind die Hände gebunden.»

Samuel Hangartner war alles andere als erfreut, als die Familie vor einiger Zeit den Zuteilungsbescheid der Schule Volketswil erhielt. Gemäss diesem kann sein vierjähriger Sohn nicht im nahe gelegenen Schulhaus Gutenswil in den Kindergarten gehen, sondern muss mit dem Schulbus zum gut drei Kilometer entfernten Schulhaus Feldhof gefahren werden, weil die Einschulung im Ort laut Schulpflege nicht möglich ist.

Neben den Hangartners sind sieben andere Familien im Quartier Haufland betroffen. Mehr als die Hälfte hat gegen die Zuteilung Einsprache eingereicht, welche die Schulpflege jedoch ablehnte. Eine Familie hat Gutenswil mittlerweile wieder verlassen. «Einige der betroffenen Familien sind extra wegen der nahen Schule nach Gutenswil gezogen», weiss Hangartner. Er ist empört: «So kann man doch nicht mit den Leuten umgehen.»

Wichtig für soziale Entwicklung

Wenn Mittelstufenkinder nach Volketswil zur Schule müssten, könne er das ja noch verstehen, sagt Hangartner, «aber diese Kinder sind vier Jahre alt». Da würden die Schulverantwortlichen immer darauf hinweisen, wie wichtig der Schulweg für die soziale Entwicklung und das Erlernen von Verantwortung sei, und dann nehme man ihnen diese Möglichkeit. Auch aus Sicht der Nachhaltigkeit sei es für ihn störend, dass die Kinder mit einem Bus in der Gemeinde rumgefahren würden. Und: Die Fahrt dauere am Morgen 20 Minuten, weil der Bus auch noch über Kindhausen müsse.

Effektiv hatte die Schule einst ein Containerprovisorium auf dem Gelände der Schule Gutenswil angedacht, sah aber wieder davon ab. Aus dem Protokoll eines Gesprächs von betroffenen Eltern und der Schule geht hervor, dass der Anstieg der Kinderzahlen geringer ausfällt als erwartet.

Nach einer vertieften Überprüfung der Optionen kam die Schulpflege zum Schluss, «dass die Führung einer zusätzlichen Klasse (und damit das Aufstellen eines Containers) aus schulorganisatorischen Gründen unter Berücksichtigung der gesetzlichen Vorgaben nicht möglich ist». Das Gesprächsprotokoll liegt der Redaktion vor.

Falsche Schulraumplanung?

Hangartner sieht darin nicht nur Sparmassnahmen auf Kosten der Kindergartenkinder in seinem Quartier, sondern darüber hinaus eine falsche Schulraumplanung. So verweist er auf die geplante Grossüberbauung Luegisland im Osten Gutenswils, wo gemäss Projektskizze dereinst 180 Wohnungen für 700 Personen entstehen sollen.

Der aktuelle Entscheid erwecke den Eindruck, dass kurzfristige Lösungen höher gewichtet würden als eine langfristige und vorausschauende Strategie. «Ich frage mich schon, ob die Schulpflege für die Kinder dieser Überbauung dereinst genügend Schulraum zur Verfügung stellen kann, wenn sie sich bereits mit einem provisorischen Container schwertut.»

Zu viele Kinder für zwei Klassen

Die Volketswiler Schulpräsidentin Raffaela Fehr (FDP) hat «ein gewisses Verständnis» für den Ärger der Eltern. «Man rechnet damit, dass das eigene Kind im Ort in die Schule gehen kann. Und wenn das nicht der Fall ist, ist man natürlich enttäuscht.»

Das Problem sei jedoch nicht das Containerprovisorium, sondern die Anzahl der einzuschulenden Kinder. Es seien zu viele für zwei Kindergartenklassen – der aktuelle Stand –, aber zu wenige für drei. «Und für eine Halbklasse bekommen wir vom Kanton keine Vollzeiteinheit zugeteilt.»

Die Schule wolle auch nicht, dass Kindergartenkinder in einen anderen Ortsteil gefahren werden müssten. Auf kommunaler Ebene sei man aber machtlos, da man selber keine Lehrpersonen einstellen könne. «Uns sind da die Hände gebunden.» Deshalb habe man darauf geachtet, die Kinder aus einem Quartier ins Feldhof einzuteilen. Fehr: «Die spielen auch ausserhalb der Schule miteinander und sind nun gemeinsam in einer Klasse.»

Dies wiederum bedeute auch, dass Kinder, die eigentlich in den Feldhof-Kindergarten eingeteilt worden wären, nun in einer anderen Kindergartenklasse eingeschult würden. «Es hat verschiedene Kompromisse gebraucht, insgesamt ist das aber die beste Lösung.»

Grosse Belastung für Lehrpersonen

Das Argument mit der Klassengrösse wiederum lässt Hangartner nicht gelten. Sein älterer Sohn gehe in Gutenswil in eine Kindergartenklasse mit 24 Kindern – also drei mehr als die maximale Grösse gemäss Volksschulverordnung. Er fragt sich: «In einem Jahr geht eine 24er-Klasse und im nächsten Jahr nicht mehr, wieso?»

Fehr sagt, dass auch bei zwei Klassen mit 24 Kindern noch Kindergärtler nach Volketswil hätten eingeteilt werden müssen, und damit wäre die soziale Gruppe aus dem Quartier kleiner gewesen. Dazu komme die grosse Belastung für Lehrpersonen bei grossen Klassen.

Gleichzeit wehrt sich Fehr gegen den Vorwurf, eine zu kurzfristige Schulraumplanung zu betreiben. «Wir planen immer auf fünf Jahre hinaus, und in dieser Zeit wird die Überbauung kaum realisiert sein, ansonsten werden wir rechtzeitig reagieren.» Laut Auskunft der Gemeinde erarbeitet die Eigentümerschaft aktuell ein Richtprojekt, das anschliessend in einen Gestaltungsplan überführt werden soll.

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