Wenn eine Handvoll Stimmen für den Wahlsieg reichen
In Fällanden und Volketswil wurden Personen in die Reformierte Kirchenpflege gewählt, die das Amt teils gar nicht angestrebt hatten. Die Fällander bestimmten eine Zufallswahlsiegerin mit gerade mal drei Stimmen.
Nach der ersten Runde der Erneuerungswahl der Reformierten Kirchenpflege Fällanden am 12. April blieben ein Sitz und das Präsidium vakant. Rolf Rufer (FDP), der für den zweiten Wahlgang als einziger Kandidat für das Präsidium vorgeschlagen war, wurde nun am Sonntag mit 328 Stimmen gewählt. Rufer war bereits im April als Teil der Kirchenpflege bestätigt worden. Eine Wahlempfehlung für das letzte Mitglied des siebenköpfigen Gremiums fehlte jedoch.
Weil sich niemand für das Amt positionierte, wurden viele leere und ungültige Wahlzettel eingereicht. Der Rest der Stimmen fiel auf Vereinzelte. Mit nur gerade drei Stimmen wurde Nana Mawussi gewählt.
Mawussi hat das erst nach dem Anruf dieser Redaktion mitbekommen und war entsprechend überrascht. Doch ihr Entschluss fiel rasch: «Ich kann das Amt leider nicht annehmen.» Sie habe schlicht bei der Eglise évangélique réformée zurichoise de langue française in der Stadt Zürich bereits zu viel zu tun.
Im Fällander Kirchengebäude ist sie noch nie gewesen. Woher die drei Stimmen für ihre Wahl stammen, weiss Nana Mawussi nicht. In die Pflicht genommen werden kann Mawussi nicht: Für die Kirchenpflege besteht kein Amtszwang.
Handlungsfähig trotz Vakanzen
Auf der Wahlliste der Gemeinde Fällanden sind weitere Personen mit je zwei Stimmen aufgeführt. Der abtretende Kirchenpflegepräsident Thomas Schaad geht jedoch nicht davon aus, dass diese das Amt annehmen werden. Insbesondere wenn sie bereits in anderer Funktion für die Kirchgemeinde tätig seien.
Auch Schaad selbst wäre aufgrund der erhaltenen Stimmen zu berücksichtigen. Er hält jedoch fest, dass er für eine weitere Legislatur nicht zur Verfügung steht: «Ich habe meinen Kolleginnen und Kollegen bereits vor rund eineinhalb Jahren mitgeteilt, dass dies meine letzte Amtszeit sein wird.»
Eine unterbesetzte Kirchenpflege wäre in Fällanden kein Novum. Entscheidend ist laut Schaad, dass das Präsidium besetzt ist und bei einem vorgesehenen Bestand von sieben Mitgliedern mindestens vier Personen gewählt sind, damit die Behörde handlungsfähig bleibt.
Fehlende Mitglieder könnten wie bereits in der vergangenen Amtsdauer im Verlauf der Legislatur ergänzt werden, sagt Schaad. «Wäre eine ordnungsgemässe Geschäftsführung nicht mehr sichergestellt, müsste die Landeskirche Zürich die Situation prüfen und einschreiten.»
Auch Absage in Volketswil
Auch in Volketswil musste die Wahl in die Reformierte Kirchenpflege in eine zweite Runde gehen, denn von den sieben Sitzen konnten am 8. März lediglich deren fünf besetzt werden. Für das Präsidium stellte sich nachträglich die Bisherige Christina Atland (FDP) zur Verfügung, deren Wahl letztlich nur eine Formsache war. Für die beiden vakanten Sitze erhielten Marlies Petrig und Doris Wichser je sieben Stimmen, was bereits für den Einzug in die Behörde reicht.
Auf Anfrage gibt Petrig bekannt, sie habe die designierte Kirchenpflegepräsidentin Christina Atland bereits informiert, dass sie auf das Amt verzichte. Doris Wichser konnte bis Redaktionsschluss nicht erreicht werden. Sie diente in der ablaufenden Legislatur als Vizepräsidentin, trat nun aber nicht mehr an.

