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Eine heisse Debatte

Grüningen entscheidet: Kein Knallen mehr, dafür Feuer im Saal

Die Debatte um knallendes Feuerwerk ist im Oberland nicht neu. Dennoch sorgte sie auch an der Grüninger Gemeindeversammlung für erhitzte Gemüter.

Der Gemeinderat ist gegen das Feuerwerksverbot – doch er unterliegt letztlich der Mehrheit.

Foto: Marie Fredericq

Grüningen entscheidet: Kein Knallen mehr, dafür Feuer im Saal

Eine hitzige Debatte

Die Debatte um knallendes Feuerwerk ist im Oberland nicht neu. Dennoch sorgte sie auch an der Grüninger Gemeindeversammlung für erhitzte Gemüter.

Zwei umstrittene Entscheidungen und Dutzende Wortmeldungen. Grüningen diskutierte am Dienstagabend zum einen über den Zusatzkredit fürs GZO Spital Wetzikon, zum anderen über die Abschaffung von lärmendem Feuerwerk.

Neu sind beide Diskussionen nicht. Doch die Grüninger verstehen es, an der Gemeindeversammlung ihr eigenes kleines Theater zu veranstalten.

Die Debatten werden zum Tauziehen zwischen Geld und Versorgung, zwischen Tradition und Schutz. Mittendrin steht Gemeindepräsident Carlo Wiedmer (SVP), der die Geschäfte sauber durchführen will – und letztlich selbst zwischen die Fronten gerät.

«Jetzt sitzen wir wieder hier»

Mit über 300 Anwesenden ist die Schlosskirche in der kleinen Gemeinde rappelvoll. Doch die Stimmung ist gut – und die Jahresrechnung wird gleich zu Beginn sauber durchgewinkt.

Viele Menschen in der Schlosskirche in Grüningen.
Über 300 Personen kamen zur Grüninger Gemeindeversammlung.

Das zweite Geschäft, der Zusatzkredit für das GZO Spital, stösst allerdings auf wesentlich mehr Widerstand. Nachdem Grüningen im vergangenen Jahr bereits 1,63 Millionen Franken gutsprach, soll nun ein Zusatzkredit von 150’000 Franken folgen. Und das, weil Bubikon das GZO nicht finanziell unterstützen wollte.

Die fehlenden 3,12 Millionen Franken, die Bubikon hätte beisteuern sollen, fehlen jetzt für die Rettung des Spitals. Dementsprechend müssen die anderen Aktionärsgemeinden ihren jeweiligen Anteil übernehmen: Das sind bei Grüningen 109’000 Franken, zuzüglich eines Puffers von 41’000 Franken, der nur bei Bedarf genutzt werden soll.

Doch die 150’000 Franken sind ein Sinnbild für die Grüninger. Es geht dabei nicht primär um den Betrag, wie ein Votant findet: «Es geht hier um die Glaubwürdigkeit des Gemeinderats. Vor einem Jahr hiess es, das Geschäft sei vom Tisch. Jetzt sitzen wir wieder hier und diskutieren über dieses Spital.» Er ist der Meinung, der Gemeinderat habe die Bürger «schwarz angelogen».

Schleichend kommt der Unmut

«Tatsächlich», erklärt Gemeinderätin Susanne Gutknecht (FDP), «haben wir das gesagt. Aber: Wir wollen auf die Grundversorgung nicht verzichten.» Nur mässig besänftigt das die Gemüter. «Das Geld wird wieder nicht reichen», sagt ein Anwesender frustriert. Unmut schleicht sich zwischen den Stühlen der Grüninger Gemeindeversammlung ein.

Eine Grüningerin fragt direkt, ob Bubikons Weigerung, das GZO Spital zu unterstützen, Folgen habe. «Es wird kein Schild mit ‹Bubiker unerwünscht› an die Eingangstür des Spitals gehängt», erwidert Wiedmer. Ein anderer findet, das Spital Uster würde durchaus reichen, das sei ja gar nicht so weit. «Bei einem Schlaganfall ist das dann sehr weit», wird erwidert.

Wiedmer bringt die Diskussion zurück auf den Punkt: «Wir reden heute nicht über das Sanierungskonzept oder über Bubikon. Auch nicht über die bereits gesprochenen 1,6 Millionen. Sondern über den Zusatzkredit.»

Letztlich wird dieser mit einer grossen Mehrheit angenommen. Damit ist Grüningen nach Dürnten und Fischenthal schon die dritte Gemeinde, in der die Stimmberechtigten einem Zusatzkredit zugestimmt haben.

Vom Hundertsten ins Tausendste

Nach kurzem Durchatmen setzt Wiedmer wieder an. Kurz erklärt er, worum es beim Verbot von lautem Feuerwerk geht – und dass der Gemeinderat dagegen ist. Sicherheitsvorsteherin Karin Jeber (SVP): «Wir sind der Meinung, dass in der aktuellen Verordnung der Umgang mit Feuerwerk bereits sehr zurückhaltend geregelt ist.»

Und damit beginnt die Diskussion. Lärmendes Feuerwerk sei schlecht für die Natur, störe Wild- und Haustiere und erzeuge Müll und Feinstaub, finden die Gegner. Ausserdem sei es – Obacht – laut. Dem steht der Wunsch nach Freiheit, nicht zu viel Einschränkung und nach Tradition entgegen.

«Ja, aber was ist denn mit den lärmenden Motorrädern und Autos?», fragt eine Grüningerin. Und: «Die Häuser sind doch mittlerweile wohl genügend gut gebaut, da hört man doch nichts.» Irgendwann wird weiter ausgeholt: «Hier sitzen eh nur die älteren Leute, die betrifft das doch gar nicht so!» Die Hände schnellen in die Höhe. «Und ob! Wenn ich jedes Jahr von zu Hause fliehen muss, dann betrifft mich das!»

Die Grüninger pilgern gemeinsam vom Hundertsten ins Tausendste.

Zwischen Kompromiss und Urne

Zwischen Leinenpflicht, Brauchtum und Böllertourismus beobachtet Wiedmer das Geschehen. Wie bei einem Tennismatch fliegen die Argumente hin und her. Irgendwann wird ein Gegenvorschlag – nur am 1. August Feuerwerk weiterhin zuzulassen – in die Runde geworfen.

Dass Grüningen damit eine Feuerwerksinsel inmitten von Gemeinden mit Feuerwerksverbot werden könnte, sorgt weiter für Unmut.

Es ist der Versuch, einen Kompromiss zu finden. Irgendwann zieht Wiedmer einen Schlussstrich. «Dann stimmen wir jetzt über all das ab», sagt er.

Doch der Gegenvorschlag wird abgelehnt und die Initiative deutlich angenommen – und zugleich fordert ein Bürger die Urnenabstimmung.

Es ist ein Spektakel sondergleichen. Und umso ernüchternder – zumindest für die Befürworter von lauten Böllern – das Ergebnis: Eine grosse Mehrheit der Grüningerinnen und Grüninger will kein lärmendes Feuerwerk mehr und auch keine Urnenabstimmung. Damit wird es voraussichtlich am 1. August dieses Jahrs zum letzten Mal in der Gemeinde knallen. Zumindest in puncto Feuerwerk.

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