«Genau das ist Demokratie»: Warum Grüningen alles richtig macht
Ufgschnappt
Endlose Diskussionen, polarisierende Meinungen und politische Mittel, die einem um die Ohren fliegen: Die Gemeindeversammlung in Grüningen zeigt, warum Kommunalpolitik alles andere als langweilig ist.
Mit genauso viel Leidenschaft, wie sie die Märkte bewirtschaften und ihr schönes Stedtli pflegen, diskutieren und debattieren die Grüninger auch an ihren Gemeindeversammlungen.
Wer an den halbjährlich durchgeführten Zusammentreffen ein trockenes, langwieriges Runterrattern von Traktanden erwartet, der hat seinen Plan ohne die Grüninger geschmiedet. Denn: Sie wissen, wie man ein Theater konstruiert. Und so erwartet einen zwischen alteingesessenen Grüningern und Jungspunden ein verbales Feuergefecht sondergleichen.
Feuerwerk gegen «verschissene» Waldwege
Man müsste meinen, dass die Sache mit dem Feuerwerk in der zigsten Oberländer Gemeinde ein alter Hut ist. Die Argumente liegen auf der Hand – auf der einen Seite stehen Tradition und Spass, auf der anderen Tierwohl sowie Schutz vor Lärm und Umweltverschmutzung. Am Ende gewinnt auch hier die Mehrheit: In Zukunft gibt es kein böllerndes Feuerwerk mehr in der Gemeinde.
Auch die Diskussion um den Zusatzkredit für das GZO Spital ist keine neue, haben doch Dürnten und Fischenthal bereits abgestimmt und eine Tendenz vorgegeben. Es ist klar: Die Mehrheit der Grüningerinnen und Grüninger will das GZO retten, um die Grundversorgung zu sichern. Mit ihrer Entscheidung folgt sie letztlich der Empfehlung des Gemeinderats.
Das klingt alles ganz einfach und logisch. Doch der Weg zu Entscheidungen ist in Grüningen gepflastert mit Diskussionen, in denen sich die Stimmbürger in persönlichen Geschichten verlieren, Emotionen zeigen, einander anprangern und ihre subjektiven Anliegen einbringen.
So fragt eine Bürgerin bei der Diskussion ums böllernde Feuerwerk, was denn mit den lärmenden Autos und Motorrädern sei – ein anderer will mit dem Feuerwerksverbot auch gleich einführen, dass die Tiere dann gefälligst nicht mehr die Waldwege «verscheissen».
«So läuft es eben»
Zwischen persönlichen Geschichten wie gezählten Ampeln bis zum Spital, subjektivem Groll gegen die Bubiker Zahlungsunwilligkeit, Chemotherapie, Feuerwerkslittering und Polizeianrufen um 22.10 Uhr verlieren sich die Grüninger abermals in aufgeregtem Gemurmel, tosendem Applaus und lautem Gelächter.
Gemeindepräsident Carlo Wiedmer (SVP) lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Er hält die Diskussion in einem Rahmen, lässt sie aber dennoch fliessen – es ist vielleicht eine Gelassenheit, die er sich mit seiner nun dritten Amtsperiode angeeignet hat. Am Ende sagt er lachend: «Genau das ist Demokratie. So läuft es eben.»
Die Grüninger Gemeindeversammlung, sie ist ein Spektakel, besser als jede Oper – und so nah am Leben, dass man manchmal beinahe vergisst, dass man Politik doch eigentlich langweilig und trocken finden muss.
Und auch wenn in der kleinen Gemeinde keine Jahrhundertentscheide getroffen werden, so spiegeln die Grüninger doch genau das, was Kommunalpolitik spannend macht – sie ist nah am Leben und noch viel näher an den Menschen. Nur fair, brennen sie dafür.

