Erste Gemeindeversammlung sagt Ja zum GZO-Zusatzkredit
Dürnten macht den Auftakt
Dürnten will bis zu 300’000 Franken zusätzlich für die Rettung des GZO Spitals Wetzikon bereitstellen. Die Gemeindeversammlung hat dem entsprechenden Zusatzkredit am Donnerstag zugestimmt.
Die Stuhlreihen an diesem regnerischen Donnerstagabend waren gut gefüllt, 144 Stimmberechtigte hatten sich in der Mehrzweckhalle Blatt in Tann nebst dem Dürntner Gemeinderat versammelt. Die Jahresrechnung sowie die Schaffung einer Altersfachstelle standen auf der Traktandenliste. Das wichtigste Thema war aber ein anderes: Will man in Dürnten noch mehr Geld aufwenden, um das krisengeschüttelte GZO Spital vor dem Konkurs zu bewahren?
Dass überhaupt nochmal über diese Frage debattiert und im Anschluss abgestimmt werden muss, hat einen klaren Grund: Im vergangenen November hatte sich Bubikon als einzige der zwölf Aktionärsgemeinden gegen eine Beteiligung am 50-Millionen-Kredit für das Spital entschieden. Somit blieb ein Betrag von 3,12 Millionen Franken offen – und diese Lücke muss von den übrigen elf Gemeinden gestopft werden.
Aufseiten des Gemeinderats hat man dazu eine klare Meinung: Das GZO Spital Wetzikon soll erhalten bleiben, so machte es Gemeindepräsident Peter Jäggi (FDV) in seiner Rede deutlich. «Es handelt sich um einen wichtigen Grundpfeiler in unserer Gesundheitsversorgung – vor allem im Hinblick auf die wachsende Bevölkerung im Oberland.» Bis 2050 werde diese auf 250’000 Menschen anwachsen – Stand jetzt sind es 200’000. «Ein Scheitern des Spitals hätte gravierende Folgen für uns alle.»
Im Saal herrscht grosse Einigkeit über die Zukunft des GZO
Ähnlich sah es Votant im Publikum, der im Anschluss das Wort ergriff: Dass der Kanton das Spital nicht als systemrelevant einstufe, sei absolut unverständlich. «Im Notfall können die zusätzlichen Minuten, die es braucht, um einen Patienten im Notfall in andere Spitäler zu bringen, über Leben und Tod entscheiden.»
Auch die mögliche Übernahme durch einen Investor, die erst kürzlich publik wurde, bewertete der Mann positiv. Andere Spitäler wie das Seespital in Horgen seien diesen Schritt bereits erfolgreich gegangen, die Gesundheitsversorgung des linken Züriseeufers sei für die kommenden Jahrzehnte sichergestellt.
Da niemand sonst im Saal das Wort ergriff, kam es schnell zur Abstimmung: Als Gemeindepräsident Jäggi fragte, wer sich für den Zusatzkredit ausspreche, hoben viele im Saal die Hand. Bei den Gegenstimmen meldeten sich zwar auch ein paar Handvoll, aber zu wenige, als dass sich ein genaues Auszählen wirklich gelohnt hätte: «Die Vorlage ist damit mit nur wenig Gegenstimmen angenommen.»
Somit ist Dürnten die zweite Gemeinde, die Ja zum Zusatzkredit und der Reserve sagt. In Fischenthal hatte bereits der Gemeinderat dem Vorhaben zugestimmt. In den kommenden Wochen finden weitere Abstimmungen in den übrigen Aktionärsgemeinden statt – fast immer im Rahmen einer Gemeindeversammlung, in Wetzikon entscheidet das Parlament.
Falls die 50 Millionen zusammenkommen, ist ein erster Baustein im Rettungsplan gesetzt. Dann kommen die Gläubiger ins Spiel: Sie sollen auf 70 Prozent ihres Gelds verzichten. Darüber soll an einer Gläubigerversammlung entschieden werden – der Termin steht allerdings noch nicht fest.
Zwei weitere Vorlagen werden angenommen
Bevor es zum gemeinsamen Apéro in der anderen Hälfte der Mehrzweckhalle ging, standen an diesem Abend noch zwei weitere Themen zur Abstimmung: Die Jahresrechnung, die mit einem Ertragsüberschuss von 3,3 Millionen Franken schloss, wurde ohne Gegenstimmen angenommen.
Darüber hinaus ging es um die Schaffung einer neuen Altersfachstelle: Der Gemeinderat beantragt dafür eine Erhöhung des Stellenplans um 60 Prozent sowie einen jährlich wiederkehrenden Kredit von 173’500 Franken. Die neue Fachstelle soll das überarbeitete Alterskonzept umsetzen, ältere Menschen beraten, soziale Treffpunkte aufbauen und die Freiwilligenarbeit koordinieren.
Bereits für das laufende Jahr sind Kosten von 115’000 Franken vorgesehen. Bis auf wenige Gegenstimmen wurde auch diese Vorlage von der Stimmbevölkerung angenommen.
Standing Ovations für Jäggi
Für Peter Jäggi war es die allerletzte Gemeindeversammlung als Gemeindepräsident – ab 1. Juli übernimmt die erst 32-jährige Jasmin Aeschbacher (ebenfalls FDV). In einer emotionalen Rede wurde Jäggi vom ersten Vizepräsidenten Urs Roth verabschiedet und mit der für ihn so charakteristischen Einleitung «Ja guat …» aufs Korn genommen. Im Anschluss wurde zum Apéro geladen – als Jäggi die Ankündigung macht, dass heute alles auf seine Kosten stattfindet, gibt es Standing Ovations.
