Stelleninserat für «modernen Kopfgeldjäger» in Zell wirft Fragen auf
Kreativ oder respektlos?
Die Gemeinde Zell sucht mit allen Mitteln Fachkräfte. Ein aktuelles Stelleninserat geht manchen aber zu weit. Im Gemeindehaus winkt man ab – und lenkt trotzdem ein.
«Du koordinierst gemeindeammannamtliche Geschäfte wie ein/e Dirigent/in eines leicht verrückten Orchesters», «Du meisterst schwierige Situationen mit Ruhe, Professionalität und gelegentlich schwarzem Humor» oder «Du jonglierst als moderne/r Kopfgeldjäger/in mit den dir bekannten Formularen»: Dies sind Anforderungen an die neue Person, welche den Posten Amtsleiter/in Betreibungs- und Gemeindeammmannamt und Pfändungsbeamter/in in Zell besetzen will.
Es ist zweifelsohne ein ungewohntes Jobinserat, das nicht bei allen für Schmunzeln sorgt. Wie «20 Minuten» berichtet, stört sich ein Leser sehr daran. «Gerade in einem sensiblen Bereich wie dem Betreibungswesen, in dem es oft um existenzielle Situationen von Menschen geht, erscheint diese Wortwahl aus meiner Sicht unangemessen und respektlos», kritisiert er. Auch auf anderen Plattformen hat das Inserat bereits die Runde gemacht – mit ähnlichen Reaktionen.
Die Ursache für den ungewöhnlichen Aufruf liege im Fachkräftemangel, führt Gemeindepräsidentin Regula Ehrismann auf Anfrage von «20 Minuten» aus. Ein erstes, konventionelles Inserat habe keine Bewerbungen gebracht. «Ich bin davon überzeugt, dass unsere Leute allen Klientinnen und Klienten mit grösstem Respekt begegnen», betont sie.
Da das Betreibungsamt Zell-Turbenthal mittelfristig mit einem anderen Amt zusammengelegt werden soll, ist die Stelle nur befristet ausgeschrieben, denn der Kanton Zürich strebe eine grundlegende Reorganisation an. «Jetzt sind alle verunsichert, weil sie nicht wissen, wie es weitergeht», so Ehrismann.
Sie hofft jedoch nach wie vor, erfahrene Betreibungsbeamte für die Stelle gewinnen zu können. Mittlerweile wurde das Inserat jedoch angepasst. Zwar wird immer noch jemand gesucht, der oder die «Zahlungsbefehle schneller als andere ihre Ferienpost» verschickt, «MS Office und BEA Net besser als manche ihre Streamingdienste» beherrscht und «Amtsbuchhaltung ohne einen einzigen Nervenzusammenbruch» führt. Die kritisierten Stellen sind allerdings verschwunden.