Warum die Sekundarschule Turbenthal mehr Schulraum braucht
Info-Anlass zum Erweiterungsbau
Der geplante Erweiterungsbau beim Turbenthaler Sekundarschulhaus Breiti soll Schulraum für heute und morgen sichern. Die RPK zweifelt allerdings an der finanziellen Angemessenheit beider Varianten.
Die Sekundarschulpflege Turbenthal-Wildberg lud am Montagabend zu einer Informationsveranstaltung. Die Behörde orientierte dabei über die geplante Schulraumerweiterung – deren Nutzen vom Turbenthaler Gemeinderat angezweifelt wird, doch dazu später mehr.
Das Projekt wurde in zwei Varianten angegangen. Angesichts der finanziellen Dimension des Vorhabens – der Baukredit für Variante A beläuft sich auf rund 5,7 Millionen Franken – war der Publikumsaufmarsch entsprechend gross.
Ein warmer Applaus brandete auf, als die fünf Protagonisten des Informationsanlasses, vier davon Mitglieder der Sekundarschulpflege Turbenthal-Wildberg, auf dem Podium Platz genommen hatten. Daniel Schneiter (parteilos), der Schulpflegepräsident ad interim, begrüsste ebenso eine Delegation aus Pfäffikon, die vom dort amtierenden Gemeindepräsidenten Marco Hirzel (parteilos) angeführt wurde.
Schneiter verdankte das Interesse aus der Nachbarschaft, obwohl die Zukunft der Gemeinden Wildberg und Pfäffikon in Sachen Fusionsabsichten noch nicht geklärt ist. «Das Fusionsprojekt hat jedoch keinen Einfluss auf die Schulraum-Abstimmungsvorlage, über die der Souverän am 14. Juni an der Urne zu befinden hat.»
Die Schulbehörde habe in intensiver Planungszeit zwei Varianten ausgearbeitet mit dem Ziel, das Schulraumangebot zu erweitern (siehe Box). Das sei zum einen ein mehrgeschossiger Erweiterungsbau, zum anderen eine kostengünstigere Containerlösung.
Büro im Schulhauskorridor
Liegenschaften- und Infrastrukturvorstand Jörg Fuhrer erläuterte den Anwesenden die aktuelle Schulraumsituation. Derzeit würden zehn Sekundarklassen im Schulhaus Breiti unterrichtet. «Sämtliche verfügbaren Spezialräume sind längst in Klassenzimmer umgenutzt worden», sagte er.
Es mangle an Gruppenräumen, die Schulleitung betreibe ihr «Büro» im Schulhauskorridor – «dies ist eine unsägliche Situation». Auch sei man vom aktuellen Platzangebot her nicht gewappnet für die Aufnahme weiterer Schülerinnen und Schüler. «Eine weitere Klasse muss auf das kommende Schuljahr hin eröffnet werden, ein Jahr später eine weitere.»
Jasmin Caloiero, die Verantwortliche für Schülerbelange, erläuterte in ihrem Exkurs die vom Volksschulamt eingeforderten Rahmenbedingungen, die für einen qualitativ guten Schulunterricht bereitzustellen sind. «Das Schulhaus Breiti ist vor 30 Jahren gebaut worden», brachte sie ein. «Seither hat sich in der Schullandschaft enorm viel verändert – die Schule von heute unterscheidet sich markant von der Schule von einst.» Um die Qualität des Unterrichts hochhalten zu können, müsse in die Infrastruktur investiert werden.
Auch auf die ablehnende Haltung seitens der Rechnungsprüfungskommission (RPK) ging Caloiero kurz ein. «Es wird gemutmasst, dass die Geburtenzahlen schnell wieder rückläufig würden.» Doch solche Aussagen seien nicht gesichert. «Wir benötigen jetzt zusätzlichen Schulraum.»

Evelin Kuster, die Ressortverantwortliche Finanzen, zeigte sich überzeugt, dass die Schule das Projekt tragen kann. «Das Gebäude der Variante A würde uns effektiv 3,97 Millionen Franken kosten», sagte sie. Gleichzeitig fielen in den kommenden Jahren Abschreibungen für bereits realisierte Bauten weg. «Eine Containerlösung ist hingegen keine nachhaltige Investition.»
Ein Votant wollte Auskunft darüber haben, welche weiteren grösseren Investitionen die Schule in naher Zukunft zu bewältigen habe. Schulpräsident Schneiter konnte diesbezüglich weitgehend Entwarnung geben. Einer weiteren Votantin konnte keine verlässliche Antwort darüber gegeben werden, in welchen Räumlichkeiten die elfte Sekundarklasse ab dem Schuljahr 2026/2027 unterrichtet werden soll.
Modulbau oder Containeranlage? Weshalb braucht es zwei Varianten?
Die beiden Varianten für ein Erweiterungsprojekt unterscheiden sich einerseits in den Erstellungskosten – 5,7 Millionen Franken gegenüber 2,6 Millionen Franken –, andererseits in der Wertschöpfung. Die Schulbehörde empfiehlt den Anwesenden eine Zustimmung zur Variante A, dem viergeschossigen Modulbau mit flexibler Raumnutzung. Die Behörde sieht in der zweigeschossig angedachten Containeranlage keine wirklich taugliche Lösung. «Doch wir planen letztlich lieber mit einer Containerlösung als mit einem abgewiesenen teureren Bauprojekt», entgegnete Schulpräsident Daniel Schneiter (parteilos) auf die Frage eines Votanten, weshalb die Schule überhaupt zwei Varianten ausgearbeitet habe.
Der Turbenthaler Souverän hat an der Urnenabstimmung vom 14. Juni nicht nur über die Schulraumerweiterung zu befinden. Es sind weitere Fragen zu beantworten, etwa zur Änderung der Gemeindeordnung der Sekundarschulgemeinde und zur damit einhergehenden Verkleinerung der aktuellen Sekundarschule Turbenthal-Wildberg zur Sekundarschule Turbenthal. Diese Anpassung ist bedeutend, damit Turbenthal mit Blick auf die Bildung einer Einheitsgemeinde oder alternativ einer Kreisschule den weiteren Prozess anstossen kann.
Die Gemeinde Wildberg delegiert die Aufgaben der Sekundarschule Wildberg mit einem Anschlussvertrag auch künftig an die Sekundarschule Turbenthal. Wildbergs noch amtierender Gemeindepräsident Dölf Conrad (SVP) führte aus, dass aufgrund der geplanten Verkleinerung der Sekundarschulgemeinde Turbenthal-Wildberg zu einer Sekundarschulgemeinde Turbenthal auch Wildberg seine Gemeindeordnung anzupassen habe. «Es gilt, dass die Schülerinnen und Schüler im Zentrum stehen, dazu geht es um die Zukunftsperspektiven der beiden Gemeinden und nicht zuletzt auch um eine faire Finanzierung», führte Conrad aus. (mav)