Gemeinderat Turbenthal will keinen Schulhausausbau – ein Affront
Knatsch zwischen Gemeinderat und Sekundarschule
Der Gemeinderat Turbenthal lehnt den geplanten Ausbau der Schulanlage Breiti ab – die Sekundarschulgemeinde findet den Ausbau wichtig. Gespräche konnten nicht helfen.
Die Sekundarschulgemeinde Turbenthal-Wildberg will den Stimmberechtigten im Juni einen Baukredit von rund 5,7 Millionen Franken für den Ausbau der Schulanlage Breiti vorlegen. Das Projekt umfasst einen südlichen Anbau mit drei Klassenzimmern, sieben Gruppenräumen und zusätzlichen WC-Anlagen.
Der Turbenthaler Gemeinderat stellt sich jedoch gegen das Vorhaben und zweifelt den Nutzen der Investition angesichts der erwarteten Entwicklung der Schülerzahlen an. Dies schreibt er in einem Verhandlungsbericht und stellt sich dabei öffentlich gegen die Sekundarschulgemeinde.
Schulpräsident Daniel Schneiter (parteilos) empfindet dies als Affront: «Für mich wirkt das Vorgehen schon etwas merkwürdig, dass der Gemeinderat das Projekt nun öffentlich ablehnt.» Er geht davon aus, dass die mögliche Fusion zwischen Pfäffikon und Wildberg bei diesen Überlegungen und Sparmassnahmen mit hineinspielt: «Offenbar wird nun die Schulkasse plötzlich zur Gemeindekasse.»

Diese Sorge scheint bei Gemeindepräsident René Gubler (FDP) tatsächlich eine Rolle einzunehmen. «Wir befürchten, dass wir mit dem Ausbau eine überdimensionierte Lösung schaffen, die nur wenige Jahre benötigt wird, die Steuerzahlenden aber über Jahrzehnte belastet.» Da die Folgekosten auch den Gesamtsteuerfuss von Turbenthal beeinflussen könnten, macht der Gemeinderat seine ablehnende Haltung nun öffentlich.
Weniger Schüler?
Als zentrales Argument nennt Gubler eine Auswertung des Statistischen Amts des Kantons Zürich. Demnach dürfte die Zahl der Sekundarschüler in Turbenthal und Wildberg in vier oder fünf Jahren ihren Höhepunkt erreichen. Danach sei mit einem moderaten, aber kontinuierlichen Rückgang zu rechnen. Auch die Geburtenzahlen seien in Turbenthal gesunken – von 53 im Jahr 2020 auf 32 im Jahr 2025.

Schneiter kontert: «Zwar könnten die Schülerzahlen in einigen Jahren leicht zurückgehen, doch dies hängt nicht nur von den Geburtenraten ab, sondern auch von Zuzügern.» Diese dürfe man nicht vergessen. In Turbenthal sind derzeit rund 70 Neubauwohnungen im Bau, weitere werden folgen.
Schule sieht akuten Platzmangel
Zudem gehe es vor allem um Gruppenräume, die heute in den Klassenzimmern fehlten. Das Schulhaus wurde vor 30 Jahren gebaut, da habe man noch ganz anders Schule gegeben. «Solche Räume werden für den Unterricht dringend benötigt», sagt Schneiter. Zudem reiche der Platz schon heute nicht mehr aus. Man brauche zusätzliche Räume und auch eine Erweiterung der WC-Anlagen.
Die Schule hält deshalb am Projekt fest – auch wenn der Gemeinderat in seiner Medienmitteilung von einer «Luxuslösung» spricht.
Schneiter weist diesen Vorwurf zurück: «Leider ist Bauen heutzutage nicht günstig, eine Luxuslösung ist es aber nicht.» Die Kosten enthielten unter anderem Reserven von mehr als 600’000 Franken sowie Ausgaben für Möblierung und eine Photovoltaikanlage, die wegen der Bauvorschriften nötig sei. Das Projekt, das im Juni an die Urne kommt, sei bereits die siebte Variante. Seit Herbst 2024 sei man an dem Projekt dran. «Bei der Planung wurde stark auf die Kosten geachtet.»
Containerlösung sorgt für Diskussion
Statt eines Erweiterungsbaus schlägt der Gemeinderat eine pragmatischere Lösung vor: temporäre Schulräume, etwa Container auf Mietbasis. Als Beispiel nennt er die Gemeinde Dinhard, die während einer Schulhaussanierung mit einer Containeranlage mit sechs Schulzimmern arbeite. Die jährlichen Kosten lägen dort bei rund 290’000 Franken.
Für Schneiter ist das keine überzeugende Alternative. «Eine Containerlösung wäre befristet und wurde auch schon geprüft», sagt er. So viel günstiger würde das auch nicht kommen, wenn man alles einberechne. «Zudem wird die Problematik der fehlenden Gruppenräume mit provisorischen Containern nicht gelöst.»
Folgen einer möglichen Fusion
Gleichzeitig mit der Abstimmung über den Erweiterungsbau kommt auch ein Anschlussvertrag zwischen Wildberg und Turbenthal an die Urne. Er regelt, dass Schülerinnen und Schüler aus Wildberg weiterhin die Sekundarschule in Turbenthal besuchen können.
Der Hintergrund ist eine mögliche Fusion von Wildberg mit Pfäffikon. «Das dürfte frühestens in etwa 15 Jahren Auswirkungen haben», ordnet der Schulpflegepräsident ein.
Denn der Vertrag wäre unbefristet und könnte frühestens per 31. Juli 2038 gekündigt werden – mit einer Frist von vier Jahren. «Die betroffenen Schülerinnen und Schüler dürften ihr laufendes Schuljahr in Turbenthal dann noch abschliessen.»
Zudem ist der Anschlussvertrag mit einer Anpassung der Schulgemeindeordnung verknüpft: aus der Schulgemeinde Turbenthal-Wildberg würde eine Schulgemeinde Turbenthal. «Wird der Vertrag an der Urne abgelehnt, kann Wildberg nicht mit Pfäffikon fusionieren.»