Ustermer Stadtrat erklärt Stopper-Initiative zu Bäumen teilweise für ungültig
Der Stadtrat streicht in seinem Entscheid zentrale Forderungen aus dem Text der Initianten um Paul Stopper. Nun muss das Parlament entscheiden. Ein Überblick über den bisherigen Verlauf.
Die Diskussion um die Bäume auf dem Ustermer Zeughausareal beschäftigt Politik und Bevölkerung seit Monaten. Nun hat der Stadtrat entschieden: Die Initiative «Rettet unsere Bäume auf dem Zeughausareal» ist nur teilweise gültig.
Das ist bisher passiert
Im August 2025 wurde die Initiative «Rettet unsere Bäume auf dem Zeughausareal» von Initiant und Gemeinderat Paul Stopper von der BPU Uster bei der Stadtkanzlei von Uster zur Vorprüfung eingereicht. Das Ziel: die zweireihige Baumallee entlang der Berchtoldstrasse auf dem Zeughausareal dauerhaft zu schützen.
Im Fokus steht die Sorge, dass das geplante Bauprojekt auf dem Areal die Platanen vor Ort gefährden könnte. Stopper verlangte deshalb unter anderem Anpassungen am Gestaltungsplan und am Bauprojekt. Der Stadtrat solle alles unternehmen – etwa durch eine Änderung des Gestaltungsplans oder des Bauprojekts –, damit die Baumallee vollständig erhalten bleibt.
Zudem solle verhindert werden, dass neue ober- oder unterirdische Bauten die Bäume im Kronen- oder Wurzelbereich gefährden.
Das steht im Beschluss des Stadtrats
Der Stadtrat prüfte in der Folge die Initiative rechtlich und politisch und erstellte eine Weisung an den Gemeinderat. Das Ergebnis: Die Initiative wurde in zwei Punkten für teilweise ungültig erklärt und damit von der Behörde abgelehnt.
Dies, weil der bis zur Abstimmung geforderte Baustopp gemäss Stadtrat gegen übergeordnetes Recht verstosse. Darüber hinaus sei die Änderung des Gestaltungsplans nicht umsetzbar. Ausserdem sei bereits in vergangenen Volksentscheiden ausdrücklich für das Projekt gestimmt worden.
Bäume sind unverzichtbar für das Stadtklima, die Biodiversität und das Stadtbild.
Beschluss des Stadtrats
Die Behörde hebt in ihrem Beschluss hervor, den Wert von Bäumen als Schattenspender und Lebensraum für weitere Pflanzen und Tiere anzuerkennen. «Sie sind unverzichtbar für das Stadtklima, die Biodiversität und das Stadtbild.» Dennoch käme die Intiative zur «Unzeit», da bereits eine Baubewilligung und eine Genehmigung des Baukredits vorliege.
Das sieht der Gegenvorschlag vor
Der Stadtrat schlägt deshalb als Gegenvorschlag vor, den südlichen Teil der zweireihigen Baumallee ökologisch aufzuwerten und die Allee zu ergänzen. Dieser Teil gehörte ursprünglich nicht zum Perimeter des Bauprojekts. Für die Umsetzung würde ein zweckgebundener Kredit von 500’000 Franken gesprochen werden.
Ohne dieses zusätzliche Budget wären lediglich minimale Anpassungen geplant gewesen, während der Asphalt bestehen bliebe. Ein Baumgutachten hätte jedoch gezeigt, dass die Allee ökologisch verbessert werden könne – etwa durch Jungbäume, die Nutzung gefällter Bäume als Totholz sowie eine teilweise Entsiegelung der Fläche nach dem Schwammstadt-Prinzip. Dadurch würden Wurzelraum und Biodiversität verbessert und ein naturnaher Aufenthaltsraum entstehen.
Die Fällung von drei Bäumen, zwei Platanen und eine Rosskastanie, könne aber aus «terminlichen und formellen Gründen nicht verhindert werden». Ihr Erhalt würde zudem unverhältnismässig hohe Kosten verursachen. Zudem seien die drei betroffenen Bäume ohnehin in einem schlechten Zustand.
Das sagt Paul Stopper zum Entscheid
Mitinitiant Paul Stopper zeigt sich wenig begeistert vom Gegenvorschlag des Stadtrats: «Das einzig Gute daran ist, dass die Stadt die Initiative so rasch behandelt.» Ansonsten sei alles darin wenig hilfreich. «Die Lobeshymne auf die Wichtigkeit von Bäumen innerhalb der Stadt hätten wir nicht besser formulieren können – aber leider straft der Stadtrat seinen eigenen Worten Lügen.»

Die Anpflanzung von Jungbäumen irgendwo weit neben der heutigen Allee sei wenig zielführend, denn Bäume könnten erst ab einem gewissen Alter grosse Mengen an Wasser verdunsten lassen. «Es geht hier ja gar nicht nur um ein paar Käfer und Singvögel.»
Ohnehin verstehe er nicht, warum das geplante, noch lange nicht gebaute Kinogebäude nicht einfach ein Stück verschoben werden kann. «Das ist mit Sicherheit günstiger als die 500’000 Franken, die der Stadtrat allein für die neuen Bäume und die ökologische Aufwertung bereitstellen will.»
Auch das Argument, man könne den Baustart nicht weiter nach hinten verschieben, lässt der ehemalige Ingenieur nicht gelten: «Für dieses Jahr ist im Budget der Stadt Uster kein einziger Franken für das Bauprojekt vorgesehen.» Genauso wenig stimme es, dass die Bäume krank seien. «Dieses Argument wird immer standardmässig bemüht, wenn man Bäume fällen will.»
Das passiert als Nächstes
Als Nächstes befasst sich das Ustermer Parlament mit der Vorlage. Es entscheidet, ob er der vom Stadtrat beantragten Teilungültigkeit der Initiative folgt und welche Teile des Begehrens gültig bleiben.
Gleichzeitig legt das Parlament fest, ob es die Initiative unterstützt oder ablehnt und ob es dem von der Stadtregierung vorgeschlagenen Gegenvorschlag folgen will. Lehnt der Gemeinderat die Initiative ab, kommt sie – allenfalls zusammen mit dem Gegenvorschlag – vors Volk. Die Stimmberechtigten der Stadt Uster hätten dann das letzte Wort.