Bahnhof Uster: Mehr Platz für Busse – weniger Platz für Autos
Am Montag debattierte der Gemeinderat Uster über Pläne für den neuen Bushof, den Bahnhofplatz, Veloparkplätze und Unterführungen.
Mit dem Bus oder dem Zug zur Arbeit oder in die Schule pendeln, schnell abgesetzt werden, im Kiosk einkaufen, innehalten, begrüssen, verabschieden: Ein Bahnhof hat verschiedene Funktionen. Er ist Bahnhalt, Bushof, Veloständer, Begegnungsort, Versorgungszentrum, Aufenthaltsort, und als zentraler Zugang in die Stadt steht er im Brennpunkt verschiedener Aktivitäten. So auch in Uster.
Um die erforderliche Infrastruktur an diesem zentralen Ort auch in Zukunft bereitzustellen, hat der Stadtrat bereits 2019 das Projekt «Bahnhofzentrum» lanciert. Am Montag war nun während mehr als anderthalb Stunden die erarbeitete Auslegeordnung mit mehreren Teilprojekten endlich das zentrale Thema im Parlament.
Das wurde entschieden
Der Gemeinderat hat einen Kredit in Höhe von 650’000 Franken gesprochen, um das Teilprojekt «Bushof und Bahnhofplatz Süd» detaillierter auszuarbeiten. Das Projekt umfasst eine Umgestaltung des heutigen Bushofs, um ein behindertengerechtes Ein- und Aussteigen – wie seit Ende 2023 gemäss Behindertengleichstellungsgesetz gefordert – zu ermöglichen. Für den Busbetrieb ist die Mischung aus durchgehenden 22-Zentimeter‑Kanten und sogenannten Kissen entscheidend – sie erlaubt Hindernisfreiheit. Auch für Autofahrende bleibt der Bahnhof erreichbar, wenn auch über andere Wege: Der zentrale Abschnitt der Bankstrasse wird zum Platz.
Für die Nordseite des Bahnhofs bei der Industriestrasse soll eine Vorstudie erarbeitet werden, um zusätzliche Veloparkplätze zu schaffen und den Vorplatz zu einem «attraktiven Ankunftsort» zu gestalten. Um das Areal langfristig zu entwickeln, soll der Stadtrat das dafür notwendige Land kaufen.
Die Idee, die Unterführung Ost auszubauen mit Rampe in der Brunnenstrasse, also beim «Porter House» auf der einen und in der Bankstrasse auf der anderen Seite, wird nicht weiterverfolgt. Stattdessen soll ein Ausbau der Personenunterführung Mitte als langfristige Option weiterverfolgt werden. Das Parlament folgte hier mit knappem Mehr einem Antrag von Josua Graf (GLP).
Das Abstellen von Velos im südöstlichen Teil des Bahnhofs soll weiterhin möglich sein. Das Grundstück gehört allerdings den SBB. Diese könnten allenfalls ein Hochhaus an der betreffenden Stelle bauen. In Verhandlungen mit den SBB soll der Stadtrat den Veloparkplatz langfristig sichern und auf zirka 1100 Abstellplätze, ober- und unterirdische, ausbauen.
Die geschätzten Grobkosten für die Teilprojekte «Bushof und Bahnhofplatz Süd» sowie «Bahnhof Nord, Industriestrasse» liegen Stand heute bei 15,1 Millionen Franken. Die Kostenabweichung liegt allerdings bei plus/minus 30 Prozent.
Das ändert sich für die Bevölkerung
Der bestehende Bushof hat neun Haltekanten, in Zukunft sollen es zwölf hindernisfreie sein, plus zwei Standplätze für einen Zusatz- und einen Dispobus. Zusatzbusse sind im Fahrplan integriert, Dispobusse sind Einsatzbusse, die gebraucht werden, um einen stabilen Fahrplan zu ermöglichen. Neu sind die Halteorte nicht nur am heutigen Mitteldock, sondern auch an der Bankstrasse.
Weil damit Hunderte Busreisende von den neu geschaffenen Kanten her die Bankstrasse überqueren, muss diese sicherer gemacht werden. Das passiert mit einem geänderten Verkehrsregime. Für den technisch beschriebenen «motorisierten Individualverkehr» – also Autos – wird die Bankstrasse auf dem Abschnitt Poststrasse bis Amtsstrasse gesperrt.
Aus östlicher Richtung bleibt die Zufahrt bis zur und in die Poststrasse gewährleistet. An der Kreuzung Bankstrasse/Poststrasse ist zusätzlich eine Wendemöglichkeit für die Wegfahrt Richtung Bahnhofstrasse vorgesehen.
26 Parkplätze entfallen, Taxistandplätze und Flächen für Kiss-and-Ride werden östlich der Poststrasse und westlich der Amtsstrasse angeordnet. Die Umgestaltung des Bahnhofs Nord mit Vorplatz und Veloparkplatz wird erst noch detaillierter ausgearbeitet. Das Vorprojekt soll aufzeigen, in welchen Etappen 400 zusätzliche Stellplätze für Velos und ein Ankunftsort nördlich der Gleise entstehen können.
Ungefähr gleich konkret sieht es für die letzten beiden Teilprojekte, den Ausbau der Personenunterführung Mitte und den Veloparkplatz Südost, aus. Einen Zeitplan, wann es hier für die Ustermer Bevölkerung zu spürbaren Änderungen kommt, gibt es noch nicht.
Darüber wurde politisch gestritten
Ist die Fokussierung auf einen Bushof richtig, oder braucht es deren zwei, im Süden und im Norden? Und sind die Kosten für einen möglichen Bushof im Norden etwa künstlich in die Höhe getrieben? Was ist mit all den Autofahrern, die zum Bahnhof, zum umliegenden Gewerbe oder zur Gastronomie wollen?
Vor allem das bürgerliche Lager störte sich an dem Nichteinbeziehen der Automobilisten und der lokalen Konsumenten in die Gesamtschau des Stadtrats. «Herausgekommen ist eine Lösung, welche nur auf die Bedürfnisse des ÖV zugeschnitten ist», gab die Fraktion FDP/Die Mitte zu Protokoll. Und auch aus den Reihen der SVP war von einseitiger Planung die Rede. Die rot-grüne Seite betonte hingegen, wie wichtig der längst überfällige behindertengerechte Umbau des Bushofs sei.
Während sowohl die Fraktion FDP/Die Mitte als auch Paul Stopper (BPU) mit ihren Anliegen auf Rückweisung, sprich: die Gesamtschau zurück an den Absender zu schicken, keine Chance hatten, entzweite sich die GLP/EVP-Fraktion. Und zwar über die Frage, welche Unterführung weiterverfolgt werden soll. Die Fraktion, die in vielen Abstimmungen in den letzten Jahren immer wieder das Zünglein an der Waage spielte, war sich uneins, ob es die Unterführung Brunnenstrasse oder den Ausbau der Personenunterführung Mitte braucht.
Der Entscheid sollte auf Letzteren fallen, was die SP wiederum in Rage versetzte. Dies, weil damit Widersprüche zum im Herbst vom Parlament verabschiedeten Richtplan – der wegen eines Referendums aber im Juni vors Volk kommt – geschaffen würden.
So war es plötzlich die SP, die den Passus der Unterführungen nun komplett streichen wollte. Ein Ansinnen, das eigentlich von der vorberatenden, bürgerlich dominierten Kommission für Planung und Bau (KPB) vorgebracht worden war. Und wer bis hierhin dem Treiben aufmerksam gefolgt ist, dem dürfte längst klar sein, dass dieser KPB-Antrag dann keine Mehrheit fand. Weil die Bürgerlichen ihr Ziel mit dem Antrag Grafs als erledigt sahen.
Weiter hat der Gemeinderat …
… ein Postulat zur Hauptsammelstelle Dammstrasse mit grosser Mehrheit an den Stadtrat überwiesen. Der Stadtrat muss nun überprüfen, wie die Kapazitäten der Entsorgungsstelle weiter erhöht werden können.
… eine Motion aus dem Jahr 2017 abgeschrieben, also für hinfällig erklärt. Der Vorstoss befasste sich ebenfalls mit der Planung rund um den Bahnhof und forderte einen Erhalt der Veloparkplätze beim Bahnhof Ost, den der Stadtrat dann aber in die Gesamtschau Bahnhofzentrum miteinbezogen hat.
… den Geschäftsbericht 2024 sowie die überarbeitete Eigentümerstrategie und Indikatoren der Energie Uster AG zur Kenntnis genommen. Vor allem die Eigentümerstrategie wurde im Parlament sowohl von bürgerlicher (zu umfassend, zu enges Korsett) als auch von rot-grüner Seite (zu wenig konkret, aus Klimasicht enttäuschend) kritisiert.