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Pilotversuch

Erhält auch Turbenthal ein Ruftaxi?

Der Gemeinderat von Turbenthal möchte elektrische Ruftaxis testen. Im Juni wird die Gemeindeversammlung über einen dreijährigen Pilotversuch befinden.

Mybuxi setzt elektrische Ruftaxis als Ergänzung zu öffentlichen Verkehrsmitteln wie Zug und Bus ein.

Foto: Mybuxi

Erhält auch Turbenthal ein Ruftaxi?

Pilotversuch

Der Gemeinderat von Turbenthal möchte elektrische Ruftaxis testen. Im Juni wird die Gemeindeversammlung über einen dreijährigen Pilotversuch befinden.

Flächenmässig ist Turbenthal die zehntgrösste Gemeinde im Kanton Zürich. 5300 Menschen verteilen sich auf 25 Quadratkilometern. Rund zwei Drittel wohnen im Dorfteil Turbenthal, der Rest in einer der zahlreichen Aussenwachten.

Ein grosser Teil davon ist nicht oder nur schlecht an den öffentlichen Verkehr angebunden. Diese mangelhafte Erschliessung war einer der Punkte, die an der Zukunftswerkstatt im Juni 2025 diskutiert wurden. Rund 60 Turbenthalerinnen und Turbenthaler hatten zahlreiche Ideen zusammengetragen, wie sich ihre Gemeinde weiterentwickeln soll.

Ein Thema war dabei die Mobilität, und hier wurde wiederholt der Wunsch nach einem Ortsbus respektive einem Rufbus oder Ruftaxi geäussert. Eine Arbeitsgruppe und der Anbieter Mybuxi haben daraufhin ein Konzept erarbeitet und die erwarteten Kosten berechnet.

Was ist Mybuxi?

Mybuxi – ein Kofferwort aus Bus und Taxi – ist ein neues Angebot für den ländlichen Raum. Es ergänzt den öffentlichen Verkehr, indem es den Transport zum und vom Bahnhof oder zu und von der Bushaltestelle übernimmt. Es kann aber auch für Fahrten innerhalb von Gemeinden genutzt werden.

Die von Mybuxi eingesetzten Minibusse sind elektrisch angetrieben und verfügen über sieben Sitzplätze. Die Betriebszeiten orientieren sich am Zugfahrplan und decken etwa die Zeiten von 6 bis 24 Uhr ab. Bestellt werden die Fahrzeuge über eine App, bei genügend grossem Bedarf kann auch eine telefonische Bestellmöglichkeit angeboten werden. (sco)

Die Kosten für den dreijährigen Versuch belaufen sich auf insgesamt 587’500 Franken. Sie bestehen aus einmaligen Aufwendungen von 47’500 Franken und jährlich wiederkehrenden Kosten von 180’000 Franken.

Am 15. Juni wird die Gemeindeversammlung über den Pilotversuch befinden. Dieser soll zeigen, ob die Dienstleistung einem genügend grossen Bedürfnis entspricht und ob die Fahrgastzahlen einen Weiterbetrieb rechtfertigen. Fällt die Beurteilung positiv aus, soll die Gemeindeversammlung im Juni 2029 über die definitive Einführung entscheiden. Dies soll vor Ablauf des Versuchs geschehen, um einen unterbruchsfreien Weiterbetrieb zu gewährleisten.

Ein Mybuxi-Ruftaxi steht auf einem Parkplatz. Im Hintergrund Wiesland und ein Dorf.
Die Gemeindeversammlung von Turbenthal stimmt am 15. Juni über den Pilotversuch mit Mybuxi ab.

Während die Kosten für die dreijährige Versuchsphase definiert sind, können die Einnahmen nicht im Voraus beziffert werden. «Aufgrund von Erfahrungen in anderen Regionen dürfen die Einnahmen mit zunehmender Betriebsdauer einen namhaften Anteil der Ausgaben decken», schreibt der Turbenthaler Gemeinderat.

Die Erfahrungen in Maur

Maur war die erste Gemeinde im Kanton, die auf Mybuxi setzte. Seit Ende Juni 2025 transportiert der Taxibus die Menschen von A nach B. Es handelt sich um einen Pilotversuch, der noch bis Ende Jahr andauert. Für den Dienst bezahlt die Gemeinde jährlich 9 Franken pro Einwohnerin und Einwohner, also rund 100’000 Franken. Die Gemeindeversammlung wird voraussichtlich im Dezember über die definitive Einführung des Fahrdiensts befinden müssen.

Wie die ersten Erfahrungen zeigen, wird das Angebot rege genutzt. Im ersten Monat waren es bereits 157 Passagiere, bis Ende 2025 gar 2200 Personen. In der App registriert haben sich über 800 Personen – Tendenz steigend.

Der zuständige Gemeinderat Thomas Hügli (GLP) blickt positiv zurück: «Die Fahrten finden zwischen allen fünf Dörfern der Gemeinde Maur statt, womit sich das Ziel des Gemeinderats, die Verbindungen zwischen den Orten zu intensivieren, erfüllt.»

Der am stärksten genutzte Haltepunkt sei der Bahnhof Forch. «Er hat sich damit als Dreh- und Angelpunkt für das neue Angebot etabliert.» Mybuxi fahre vor allem Querverbindungen zu den Linien des öffentlichen Verkehrs, wo dieser kaum oder gar nicht existiere.

Über Gemeindegrenzen hinaus?

Nun hofft der Gemeinderat, dass auch andere auf den Fahrdienst setzen werden. «Der Zusammenschluss mehrerer Gemeinden erhöht den Nutzen für die Fahrgäste», erklärt der Ressortvorsteher Sicherheit und Kultur. «Wir freuen uns deshalb über jede Gemeinde, die Interesse an einer Zusammenarbeit mit Mybuxi über Maur hinaus hat.»

So sei auch schon die Nachbargemeinde Küsnacht auf das Angebot aufmerksam geworden. Würden die beiden Gemeinden eine Partnerschaft eingehen, liesse sich beispielsweise eine Querverbindung vom Zürichsee über den Pfannenstiel an den Greifensee realisieren.

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