Gehen Sie wählen!
Die Erneuerungswahlen vom 8. März – in einigen Gemeinden am 12. April – entscheiden darüber, wie das Oberland den Herausforderungen der nächsten Jahre begegnet. Nur wer jetzt wählt, gestaltet mit.
Kommunale Wahlen sind die wichtigsten Wahlen. In wenigen Wochen bestimmen die Stimmberechtigten, wer ihre Gemeinde durch die kommenden vier Jahre führen soll – eine Zeit, in der viel Arbeit auf die Gewählten zukommen wird. Während nationale Debatten oft die Aufmerksamkeit dominieren, werden viele der Entscheidungen, die unseren Alltag unmittelbar betreffen, auf Gemeindeebene gefällt. Genau darum verdienen diese Wahlen unsere volle Beachtung.
Herausforderungen für Politik und Alltag
Das Zürcher Oberland wächst. Die Zuwanderung verändert Gemeinden und Quartiere, bringt Chancen, aber auch Spannungen mit sich. Der Druck auf den Wohnungsmarkt steigt: Viele Familien, Alleinstehende und ältere Menschen kämpfen um bezahlbaren Wohnraum, der zunehmend knapp wird.
Auch im Verkehr stossen wir an Grenzen: Stau auf den Hauptachsen, überlastete ÖV‑Verbindungen und der wachsende Bedarf an sicheren Velowegen zeigen, dass die Infrastruktur mit dem Tempo der Entwicklung nicht überall Schritt hält. Dazu kommt der finanzielle Balanceakt der Gemeinden: investieren, wo nötig – aber mit Augenmass, damit Steuerfuss und Verschuldung stabil bleiben.
Warum lokale Politik mehr ist als Verwaltung
Auf Gemeindeebene ist Politik konkret, spürbar und oft überraschend direkt. Hier wird entschieden, wo Schulen erweitert, Strassen saniert oder neue Quartiere geplant werden. Es geht nicht um abstrakte Grundsatzfragen, sondern um praktische Lösungen für den Alltag. Es braucht Verantwortung, Realismus und Verhältnismässigkeit: Wachstum ermöglichen, ohne Lebensqualität aufs Spiel zu setzen. Infrastruktur ausbauen, aber solide finanzieren. Entwicklung gestalten, statt ihr nur hinterherzulaufen. Und alle diese Probleme packen die Gemeinden zuweilen sehr unterschiedlich an.
Die Wahlbeteiligung als Schwachstelle
Gerade weil lokale Entscheidungen so wichtig sind, ist die schwache Wahlbeteiligung problematisch. Zu viele überlassen das Entscheiden anderen – oft aus Bequemlichkeit oder dem Gefühl heraus, die eigene Stimme zähle nicht. Doch auf kommunaler Ebene wirkt jede Stimme besonders stark. Sie kann darüber entscheiden, ob wichtige Projekte realisiert oder aufgeschoben werden, ob Investitionen möglich sind oder ob eine Gemeinde stehen bleibt.
Exekutivbehörden wie Schulpflegen, Stadt- und Gemeinderäte werden im Majorzwahlverfahren gewählt. Legislativbehörden wie Gemeinde- und Stadtparlamente werden nach dem Proporzwahlverfahren gewählt. Dieses erlaubt es den Stimmberechtigten, ihre Stimmen gezielt zu verteilen – durch kumulieren und panaschieren. Beides stärkt die persönliche Auswahl und ermöglicht eine differenzierte Stimmabgabe.
Das Wahlsystem
Auf dem amtlichen Wahlzettel stehen so viele Linien zur Verfügung, wie Sitze in einer Behörde zu vergeben sind. Jede ausgefüllte Linie gilt als Stimme. Der Wahlzettel kann unverändert eingereicht, angepasst oder vollständig neu ausgefüllt werden. Leere Linien vermindern die Parteistimmen, beeinflussen jedoch nicht die Gültigkeit der übrigen Stimmen.
Kumulieren: Eine Person doppelt unterstützen
Beim Kumulieren wird eine Kandidatin oder ein Kandidat zweimal auf dem Stimmzettel aufgeführt. Dies verleiht der betreffenden Person eine zusätzliche Stimme und kann deren Chancen im Rennen um einen Sitz erhöhen. Ein Name darf höchstens zweimal eingetragen werden; dreifache Nennungen machen die betreffenden Stimmen ungültig. Kumulieren stärkt somit gezielt einzelne Persönlichkeiten.
Panaschieren: Namen verschiedener Listen mischen
Panaschieren bedeutet, Kandidierende unterschiedlicher Listen auf demselben Wahlzettel zu kombinieren. Stimmberechtigte können vorgedruckte Namen streichen und Personen anderer Parteien oder Parteilose hinzufügen. Entscheidend ist, dass die Gesamtzahl der ausgefüllten Linien die Zahl der zu vergebenden Sitze nicht übersteigt. Panaschieren ermöglicht eine parteiunabhängige Stimmabgabe und fördert Kandidierende über Listen hinweg.
Korrekte Anwendung auf dem Wahlzettel
Bei Proporzwahlen können Listen sowohl verändert als auch neu zusammengestellt werden. Namen dürfen gestrichen, ersetzt oder doppelt aufgeführt werden, solange die zulässige Maximalzahl an Stimmen eingehalten wird. Die Kombination von Kumulieren und Panaschieren ist zulässig. Ungültig wird ein Wahlzettel dann, wenn mehr Namen als erlaubt eingetragen sind oder Kandidierende mehr als zweimal erscheinen.
Eine lebendige Demokratie lebt nicht nur von Rechten, sondern vor allem auch vom Willen, sie auszuüben. Wer nicht abstimmt, überlässt anderen die Gestaltung der eigenen Gemeinde. Die Wahlbeteiligung vor vier Jahren lag zwischen 30 und 40 Prozent. Sollte es nicht mehr Menschen interessieren, was in unserem Dorf, in unserer Stadt, mit unseren Strassen passiert?
Verantwortung übernehmen statt zuschauen
Die Gesamterneuerungswahlen sind eine Chance, unsere Gemeinden bewusst in die Zukunft zu führen. Ob ein Ort attraktiv bleibt für Familien, ob er Unternehmen anzieht, ob er beim Verkehr mit der Entwicklung mithält – all das hängt von den Menschen ab, die wir jetzt wählen. Wer möchte, dass sich seine Gemeinde gesund entwickelt, sollte sich nicht an den Rand stellen. Demokratie verlangt Beteiligung, nicht nur Zustimmung. Jede Stimme prägt die Zukunft unserer Gemeinden.
Die kommenden Wochen bieten die Gelegenheit, Verantwortung zu übernehmen – für die eigene Gemeinde und für die ganze Region. Die Herausforderungen sind gross, die Erwartungen ebenso. Aber die Lösungen entstehen vor Ort, durch jene, die wir am 8. März und am 12. April wählen.
Darum: Gehen Sie wählen. Prüfen Sie die Kandidierenden. Nehmen Sie Einfluss. Die Zukunft des Oberlands wird nicht irgendwo entschieden – sondern genau hier. Und jede Stimme zählt. Auch Ihre.
In einer früheren Version dieses Artikels stand in der Box fälschlicherweise, dass Poltische Behörden wie Gemeinderäte oder Schulpflegen nach dem Proporzsystem gewählt werden. Sie werden jedoch im Majorzsystem gewählt.
