Politik

Tempo-Debatte in Dübendorf

Bekommen die Gfenner nur eine abgespeckte 30er-Zone?

Die Gfenner wollen Tempo 30 im gesamten Ortsteil, die wichtigste Kommission des Dübendorfer Gemeinderats hingegen besteht auf eine Ausnahme. Das ärgert den Erstunterzeichner der Petition, denn er sieht die Sicherheit der Kinder gefährdet.

Über die Gfennstrasse läuft ein Grossteil des Verkehrs im Quartier.

Foto: Thomas Bacher

Bekommen die Gfenner nur eine abgespeckte 30er-Zone?

Die Gfenner wollen Tempo 30 im gesamten Ortsteil, die wichtigste Kommission des Dübendorfer Gemeinderats hingegen besteht auf eine Ausnahme. Das ärgert den Erstunterzeichner der Petition, denn er sieht die Sicherheit der Kinder gefährdet.

Vor ziemlich genau zwei Jahren reichten die Gfenner eine Petition für Tempo 30 in ihrem Ortsteil ein – unterzeichnet von 221 Personen. Nun liegt der Beschluss der Geschäfts- und Rechnungsprüfungskommission (GRPK) vor – und damit ist jetzt klar: Ein Spaziergang wird das nicht.

Denn für das Anliegen gibt es von der GRPK zwar ein Ja – allerdings mit einem ziemlich grossen Aber. Denn die Kommission will die Gfennstrasse, über die ein Grossteil der Erschliessung des Quartiers abläuft, von einer Temporeduktion ausnehmen und Tempo 50 belassen. Für Gesprächsstoff ist also gesorgt, wenn der Gemeinderat an seiner nächsten Sitzungen am 2. Februar über das Geschäft berät.

«Autofahrer geben Gas»

Erstunterzeichner Jakob Eggenberger ärgert sich über den Entscheid der Dübendorfer Geschäfts- und Rechnungsprüfer. Vor allem für die Schulkinder sei die pfeilgerade Strasse sehr gefährlich. «Die Autofahrer geben dort Gas, gleichzeitig fehlen Zebrastreifen, und es gibt mehrere unübersichtliche Stellen, die nur durch eine Temporeduktion entschärft werden könnten.»

Das Problem werde sich noch verschlimmern, wenn dereinst im Schulhaus ein Kindergarten eröffnet werde, sagt Eggenberger. «Es macht überhaupt keinen Sinn, ausgerechnet bei der Gfennstrasse eine Ausnahme zu machen. Ansonsten müssten für eine sichere Überquerung zwingend an mehreren Orten Fussgängerstreifen angebracht werden.»

Eggenberger argumentiert weiter, dass der Aufwand für die 30er-Zone deutlich höher würde, sollte die Temporeduktion nicht im ganzen Ortsteil gelten. Denn dann müsse bei jeder Quartierstrasse, die von der Gfennstrasse wegführt, separat Tempo 30 signalisiert werden – mit entsprechenden Kostenfolgen.

«Diverse Sicherheitsdefizite»

Im Gegensatz zur GRPK beantragt der Stadtrat Tempo 30 für das ganze Gfenn. Er stützt sich dabei auf ein Gutachten. So macht das beauftragte Ingenieurbüro «diverse Sicherheitsdefizite» im betreffenden Gebiet aus. Problematisch sei insbesondere der fehlende Fussgängerschutz in Kombination mit einer «für ein Quartier eher hohen Tempolimite» von 50 km/h.

Das Gutachten schliesst mit der Empfehlung für eine flächendeckende Tempo-30-Zone im Gfenn. Die Massnahme sei kostengünstig und einfach umsetzbar, verbessere die Verkehrssicherheit für alle Verkehrsteilnehmer und erhöhe die Lebensqualität im gesamten Quartier.

Das Ausklammern der Gfennstrasse mache hingegen aus verkehrstechnischer Sicht keinen Sinn. Dies nicht zuletzt, weil es auf der Strasse keine Fussgängerstreifen gebe, was insbesondere für Schulkinder, Senioren und Leute mit einer Gehbehinderung relevant sei.

Neu entscheidet der Gemeinderat

Dass die Tempo-30-Zone im Gfenn überhaupt in den Gemeinderat kommt, liegt an der Volksinitiative «Mitbestimmen bei Temporeduktionen», die im Mai letzten Jahrs deutlich an der Urne angenommen wurde. Damit hat nun das Parlament das letzte Wort – beziehungsweise im Falle eines Referendums das Stimmvolk. Früher konnte der Stadtrat eigenständig über Tempo-30-Zonen bestimmen, solange die Umsetzung nicht mehr als 300’000 Franken kostete.

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