Rüti setzt auf Langsamverkehr und massvolle Verdichtung
Ortsplanungsrevision
An einem Info-Anlass orientierte der Rütner Gemeinderat über Elemente der Richt- und Nutzungsplanung. In der Vernehmlassung konnten zahlreiche Einwendungen berücksichtigt werden.
Der Gemeinderat Rüti lud am Montagabend zu einer Informationsveranstaltung. Gegen 60 Interessierte fanden sich im Amthaus-Saal ein, um sich mit den angedachten Änderungen der Ortsplanung vertraut zu machen. Die beiden Planungsinstrumente Bau- und Zonenordnung sowie Verkehrsrichtplan sind einer Teilrevision unterzogen worden.
Gemeinderat Peter Weidinger (Die Mitte) erläuterte in seiner Rolle als Gastgeber einleitend die Beweggründe für die Ortsplanungsrevision. Im Rahmen der vor rund einem Jahr lancierten Vernehmlassung seien zahlreiche Rückmeldungen aus der Bevölkerung eingegangen.
«Der Gemeinderat konnte doch beachtlich viele Anliegen berücksichtigen und ins Werk einfliessen lassen», resümierte er. Sein Fazit: «Wir befinden uns auf der Zielgeraden, und zwar mit der Aussicht, keine Überregulierung zu haben.»
Sven Hegi, Leiter Abteilung Bau, erläuterte die wesentlichen Parameter des Verkehrsrichtplans. Vordringliches Ziel sei, dass die Verkehrsführung durch das Dorf ortsbildverträglich geplant werde. «Damit das gelingen kann, braucht es ein zuverlässiges ÖV- und Fussgängernetz», unterstrich er.
Fussgänger und Veloverkehr im Fokus
Eine gute Anbindung an den Bahnhof mit einer gut organisierten Busbevorzugung sei ebenso wichtig wie Anstrengungen beim Schliessen von Lücken im Fusswegnetz. Planungsschwerpunkte sollen demnach im Joweid-Areal, rund ums ehemalige Spital und beim Sportplatz Schützenwiese gesetzt werden.
Ein eigentliches Herzstück im revidierten Verkehrsrichtplan bilde das neu definierte Velonetz, führte Hegi aus. «Es ist uns wichtig, dass Menschen, die mit dem Velo unterwegs sind, abseits der stark frequentierten Verkehrsachsen ums Zentrum herum fahren können», betonte er. Neue Velowegabschnitte könnten bei Annahme der Vorlage schon bald realisiert werden.
Ausbau des Parkplatzangebots
Eines der Projekte der Zukunft könne sein, die bestehenden Parkierungsanlagen zu optimieren. Ein Parkareal habe erst dann öffentliche Bedeutung, wenn dieses mindestens zehn Parkplätze umfasse. Die Gemeinde strebe an, beim Krematorium und bei der Bandwies Süd ein grösseres Parkplatzangebot zu realisieren.
Hegi liess die Anwesenden wissen, dass geprüft worden sei, an welchen Orten in Rüti es Sinn mache, E-Ladestationen zu installieren. Ebenso sei es wichtig, das Thema von Tempo 30 weiter im Auge zu behalten, selbst wenn in Rüti bereits eine gute Abdeckung vorhanden sei. Hegi: «Die Gemeinde prüft derzeit, ob die Einführung einer Tempo-30-Zone auch entlang der Breitenhofstrasse möglich wäre.» Die Absicht sei, Ausweichverkehr zu vermeiden. Es müsse zudem ein Ziel sein, auch in Schulhausnähe auf verkehrsberuhigte Strassen zu setzen.
Aus dem Publikum kamen einige Verständnisfragen. Ein Votant wollte wissen, ob die neuen angedachten Parkanlagen auch realisiert würden. Peter Weidinger erklärte, dass beim Friedhof schon heute Parkplätze genutzt werden könnten, diese aber keinen geeigneten Zugang für gehbehinderte Personen böten. «Die Gemeinde will hier bessere Bedingungen schaffen», sagte er.
Eine Votantin begrüsste das Bestreben der Gemeinde, weitere Begegnungszonen zu schaffen, doch sie bezweifelte, ob dies in der Umsetzung realistisch sei. Weidinger führte aus, dass vor allem im Umfeld von Schulanlagen solche Akzente gesetzt werden müssten. Die Gemeinde sei zuversichtlich, die angedachten Projekte realisieren zu können.
«Bauen ja, aber massvoll»
Bei der Präsentation der angepassten Elemente der teilrevidierten Nutzungsplanung stellten die Referenten fest, «dass es rund um die Bau- und Zonenordnung kaum einschneidende Änderungen» gegeben habe.
Sven Hegi kommentierte einige konkrete Beispiele von veränderten Vorgaben.
Da sei zum einen eine auf 3,3 Meter erhöhte Fassadenhöhe. «Dies geschieht darum, weil wir nicht einfach mehr bauen lassen wollen, sondern vielmehr den heute geltenden Anforderungen gerecht werden wollen. Uns sind funktionale und energetisch wirksame Gebäude wichtig», unterstrich der Referent.
Auch die qualitativ gute Dachstockgestaltung mit besserer Nutzung sei ein wichtiges Element. Präzisierende Zonenvorschriften sollen ebenfalls für Bebauungen in der Zentrums- und der Erholungszone gelten, zum Beispiel für künftige Bauten auf dem Joweid- oder dem Schützenwiese-Areal.
Aufzonungen sollen entlang der Rapperswiler- und der Walderstrasse möglich sein, dies für eine massvolle Verdichtung. Peter Weidinger führte aus, dass man allfälligen Bauherren damit ein gewisses Potenzial bieten wolle.
Mehrere Votanten wollten wissen, wie viele Arbeitsplätze im Joweid-Areal verloren gehen könnten, falls dort mehr Wohnraum entstehe. Weidinger entgegnete, dass es nicht geplant sei, dass Arbeitsplätze verloren gingen. Ganz im Gegenteil sollen mehr Arbeitsplätze entstehen, dies parallel zu mehr Wohnraum.
Zahlreiche Anliegen und Einwände berücksichtigt
An der Info-Veranstaltung orientierten die Referenten auch über die eingegangenen Einwendungen im Rahmen der Vernehmlassung im Frühjahr 2025. Rund ein Drittel der Rückmeldungen habe man ins teilrevidierte Werk einfliessen lassen können.
Rund 40 Prozent der Einwendungen hätten, zumeist wegen des übergeordneten Rechts, nicht berücksichtigt werden können. Die detaillierten Berichte über die Vernehmlassung können auf der Website www.rueti.ch eingesehen werden.
Die Rütner Stimmberechtigten sind in einem nächsten Schritt dazu eingeladen, an der Gemeindeversammlung vom 16. März die Ortsplanungsrevision zu beraten und zu verabschieden. Gemeinderat Peter Weidinger (Die Mitte) betonte, dass bei Annahme des Vorhabens eine Umsetzung konkreter Ideen nicht rasch erfolgen werde, sondern in einem Projektmodus sei. Gemäss Kanton sei die vorliegende Richt- und Nutzungsplanung genehmigungsfähig und könne bereits Anfang 2027 in Kraft treten. (mav)