Parkplatz-Ärger am Tössufer: Warum Autos hier unerwünscht sind
Aufgefallen im Tösstal
Am Tössufer zwischen Weisslingen und Kollbrunn sind Autos unerwünscht. Der Kanton hat den Parkplatz bereits letztes Jahr aufgehoben. Weil er bis vor Kurzem Teil einer Baustelle war, fällt die Änderung aber erst jetzt auf.
Ob mit oder ohne Vierbeiner: Wer zwischen Kollbrunn und Weisslingen am Tössufer spazieren gehen will, fand auf der Weisslinger Seite des Ufers bislang einen günstig gelegenen – und erst noch kostenlosen – Parkplatz. Doch seit der Verkehr auf der Tössbrücke unweit davon wieder regulär fliesst, ist der Parkplatz einer Verbotszone gewichen.
Das ist auch Leserin Gabi Mathys aus Turbenthal aufgefallen, die sich bei der Redaktion gemeldet hat. «Den Parkplatz benutze ich zum Wenden und manchmal für eine Pause oder einen Spaziergang», schildert Mathys, die jeweils im Auftrag der Gemeinde Zell unterwegs ist, um Info-Tafeln zu bestücken. Passanten hätten sie auf die Veränderung angesprochen.
Denn bei der Einfahrt zum Parkplatz steht seit vergangenem Jahr eine Verbotstafel, Baumstämme blockieren die einstigen Parkfelder. Auf dem Schild heisst es: «Widerrechtlich abgestellte Fahrzeuge werden ab dem 8. April 2024 kostenpflichtig abgeschleppt.»
Nur: Wieso fällt das erst jetzt auf? Der Kanton, dem das Grundstück gehört, hat den Platz während der Arbeiten an der Tössbrücke als Installationsplatz benutzt. Nach Abschluss der Arbeiten im August ging die Brücke wieder auf – nur der Parkplatz daneben blieb zu. «Es wird als provokative Aktion wahrgenommen», schreibt Mathys dazu.
Auf Anfrage klärt die Baudirektion die Situation auf. Der Kanton hat den Parkplatz nach Abschluss der Bauphase vor vier Monaten aufgehoben – dauerhaft. Der Grund: Für den Parkplatz gibt es keine Rechtsgrundlage. «Parkplätze auf Waldareal sind raumplanungs- und forstrechtlich nicht bewilligungsfähig», sagt Mediensprecher Thomas Maag auf Anfrage.
Littering und Wildcamping
Der Waldparkplatz schien dem Kanton schon länger ein Dorn im Auge zu sein. Seit 2001 gebe es ihn, auf Antrag der Gemeinde Weisslingen sei er provisorisch für fünf Jahre bewilligt worden.
«Das Provisorium wurde im Lauf der Jahre schleichend zu einem Providurium», sagt Maag. «Es gab immer öfter Probleme mit Littering und abgestellten, herrenlosen, gestohlenen oder nicht betriebssicheren Fahrzeugen. Und dies im Wald und im Grundwasserbereich der Töss.»
Schliesslich nutzten nicht nur Spaziergänger und Ausflügler den provisorischen Abstellplatz, sondern auch Pendler als eine Art inoffizielles Park-and-Rail-Angebot. Laut Maag wurden auch Wohnmobile, Mulden und Anhänger dort abgestellt.
Das Problem: Der Kanton als Wald- und Grundeigentümer benötigt den Platz zum Lagern von Holz. Das sei stets schwieriger geworden, «da immer öfter Fahrzeuge auch über Tage hinweg parkiert worden sind».
Mit der Baustelle an der Tössbrücke tat sich für den Kanton ein Fenster auf, diesen rechtswidrigen Zustand zu beheben. Der Parkplatz bleibt zu – Ausnahmen gibt es keine. Wer am Tössufer Erholung sucht, muss künftig wohl oder übel einen etwas ausgedehnteren Spaziergang unternehmen.

