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Zündstoff in Volketswil

Die Feuerwerksgegner kamen in Scharen

Es war ein beispielloser Andrang zur Gemeindeversammlung in Volketswil. Die Initiative für ein Verbot von lärmigem Feuerwerk sorgte am Freitagabend für emotionale Bekenntnisse und Seitenhiebe.

Lärmendes Feuerwerk gerät in der Region immer mehr unter Beschuss.

Foto: Unsplash/Bearbeitung: Thomas Bacher

Die Feuerwerksgegner kamen in Scharen

Zündstoff an der Gemeindeversammlung in Volketswil

Es war ein beispielloser Andrang zur Gemeindeversammlung in Volketswil. Die Initiative für ein Verbot von lärmigem Feuerwerk sorgte am Freitagabend für emotionale Bekenntnisse und Seitenhiebe.

Es war ein Wirrwarr ohnegleichen am Freitagabend im Kultur- und Sportzentrum Gries in Volketswil. Das Geschwätz Hunderter Stimmen füllte den Raum, Gemeindemitarbeiter schleppten unermüdlich Türme von Stühlen heran, um zusätzliche Sitzreihen aufzustellen, Sätze wie «Ich habe keinen Parkplatz gefunden!» oder «Ich gehe ja eigentlich nie an die Gemeindeversammlung, aber…» waren zu hören. An einen pünktlichen Beginn der Versammlung war nicht zu denken.

419 Stimmberechtigte plus rund 20 Zuschauer waren an diesem Abend erschienen. Über 300 Personen mehr als am gleichen Anlass im Juni. Gemeindepräsident Jean-Philippe Pinto (Die Mitte) schien es zu freuen. Mit einem «Das ist gelebte Demokratie!» eröffnete er die Sitzung. Ohne zu ahnen, dass genau diese an dem Abend noch hinterfragt werden würde.

Tradition oder Qual?

Das erste Traktandum war die Initiative von Michael Grüebler, der für die nächste Amtsperiode als grüner Gemeinderat kandidiert. Sein Anliegen war zweifellos der Grund für das zahlreiche Erscheinen der Bevölkerung.

Er reichte die Initiative im April dieses Jahrs ein, mit dem Ziel eines generellen Verbots von lärmigem Feuerwerk in der Gemeinde (mit Ausnahmen durch Bewilligung des Gemeinderats). Der Initiant begründete sein Anliegen in einem kurzen Plädoyer durch die Verursachung von Stress für ältere, kranke und lärmempfindliche Menschen, aber auch für Haus- und Wildtiere sowie die Umweltbelastung durch Feinstaub, chemischen Rückständen und Abfall.

Der Gemeinderat erklärte diese Initiative zwar für gültig, stellte sich aber dagegen. Sicherheitsvorstand Thomas Brauch (SVP) begründete: «Ein Verbot wäre in der Praxis nur schwer durchsetzbar. Die Polizei kann weder flächendeckend kontrollieren noch präzise intervenieren.» Zudem erwähnte er die fehlende verbindliche Definition des Begriffs «lärmendes Feuerwerk», die Feuerwerkstradition als einen Ausdruck der Freiheit und die wirtschaftlichen Auswirkungen eines Verbots. Er schloss ab mit: «Bei lediglich zwei Anlässen im Jahr halten wir die Beibehaltung von lärmigem Feuerwerk für vertretbar. Tierhalter und Betroffene können sich auf diese beiden Tage gezielt vorbereiten.»

Aufgeheizte Stimmung im Saal

Als Grüebler wieder ans Mikrofon trat, schwang viel Leidenschaft in seiner Stimme mit. «Ihr sagt, es fehlt eine Definition von lärmigem Feuerwerk. Kein Problem – arbeiten wir gemeinsam eine aus!» Weiter argumentierte er: «Wahre Tradition an den Festtagen sind grosse Feuer, Lampions und das Feiern mit der Familie. Billige Feuerwerke aus China gehören nicht dazu.» Und bezüglich der Vorbereitung von Betroffenen sagte er: «Erklären Sie mir: Wie soll sich ein Reh oder Ihre 85-jährige Nachbarin mit Herzproblemen auf lärmiges Feuerwerk vorbereiten?»

Trotz der Bitte des Gemeindepräsidenten, nicht nach jeder Wortmeldung zu klatschen, brach Applaus im Publikum aus. Zustimmende Rufe waren aus allen Ecken zu hören. Ein schwerer Stand für Brauch: «Ich merke, die Meinung ist gemacht, jetzt ist nur noch die Frage, wer wie viele Leute mobilisieren konnte.»

Die Polizei könne die Lautstärke der Böller nicht messen, Beweise zu sichern, sei oft unmöglich. Und zum Thema Wild sagte Brauch: «Die Tiere sind sich durch die Jagd an Knallgeräusche gewöhnt. Der Lärm ist somit für sie nicht neu.»

Auf seine Argumentation folgten einige Wortmeldungen aus der Bevölkerung. Ein Votant erzählte, wie er in den vergangenen Jahren bei Spaziergängen mit seinem Hund mehrere Tage vor oder nach den Festtagen von knallenden Feuerwerken überrascht wurde. «Letztes Jahr im Dezember hat es drei Wochen lang geknallt.»

Rolf Kunz, der Initiant der Petition «Feuerwerksverbot in Volketswil», für die er im Frühjahr rund 700 Unterschriften gesammelt hatte, unterstützte ihn. «Letztes Jahr wurde an Silvester bei dichtem Nebel stundenlang geböllert. Das hat nichts mit Tradition zu tun.» Eine Volketswilerin ergänzte: «Ich hatte als Kind Spass an Feuerwerken. Aber was heute passiert, ist Krieg.»

Eine andere Votantin erzählte, wie die Feuerwerke in ihrer Nachbarschaft schon mehrmals Schäden an Dächern und Solarpanels verursacht hätten. Verängstigte Katzen, Abfall und Vandalismus mit Feuerwerk wurden von anderen Stimmberechtigten ins Feld geführt.

Der Entscheid ist gefallen – oder doch nicht?

Ein Votant hielt dagegen: «Diese Aufzählungen zeigen, dass das Gesetz heute schon nicht eingehalten wird. Eine weitere Verschärfung würde nur zu mehr Ausgaben führen.» Zudem könne er als Biologe bestätigen, dass Rehe wegen zwei Festtagen mit lauten Feuerwerken keinen bleibenden Schaden davontragen würden.

Erst als jemand einen Antrag auf Beendigung der Diskussion stellte, der deutlich gutgeheissen wurde, fand der Schlagabtausch ein Ende. Die Initiative wurde schliesslich mit 323 zu 77 Stimmen klar angenommen. Kaum wurde das Ergebnis verkündet, erhoben sich mehrere Dutzend Leute und verliessen den Raum.

Sie verpassten, dass eine Volketswilerin einen Antrag auf eine Urnenabstimmung stellte. «Ich will, dass das ganze Dorf abstimmen darf und nicht nur die Mehrheit, die durch die Befürworter der Initiative mobilisiert wurde.»

Doch die verbliebenen 397 Stimmberechtigten lehnten den Antrag mit 317 Gegenstimmen entschieden ab. Somit wird in Volketswil in Zukunft lärmendes Feuerwerk verboten sein. Wann die Gesetzesänderung in Kraft treten wird, ist noch nicht bekannt.

Geld für Landschaftsarchitektur wirft Fragen auf

Weiter waren an der Gemeindeversammlung der private Gestaltungsplan Chappelistrasse im Ortsteil Hegnau wie auch das Budget 2026 der Politischen und der Schulgemeinde sowie der unveränderte Steuerfuss von 101 Prozent traktandiert. Der Voranschlag weist bei einem Aufwand von 130,029 Millionen ein kleines Plus von 22’700 Franken auf. Alle drei Traktanden wurden mit nur wenigen Wortmeldungen und Gegenstimmen angenommen.

Anlass zur Diskussion gab es erst wieder bei der Schulgemeindeversammlung: Der Projektierungskredit von 2,17 Millionen für die Planung des Neubaus der Heilpädagogischen Schule Volketswil erschien vielen Bürgern als zu hoch. Besonders die budgetierten 90’000 Franken für die Landschaftsarchitektur warf bei mehreren Bürgern Fragen auf.

Trotz der Skepsis wurde der Kredit wie auch das Traktandum zur Überführung des Projekts «Begabungs- und Begabtenförderung in den Normalbetrieb» mit nur vereinzelten Gegenstimmen angenommen.

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