Gemeindepräsident ruft zu mehr Anstand in Mönchaltorf auf
Grossaufmarsch in der Turnhalle
An der Mönchaltorfer Gemeindeversammlung vom Montagabend waren die Traktanden schnell erledigt. Für Emotionen sorgte das Schlusswort von Urs Graf.
480 Gramm wiegt der beleuchtende Bericht zur Mönchaltorfer Gemeindeversammlung, der am Montagabend für die Stimmberechtigten auflag. Ein dickes Buch an Zahlen, Reglementen und Artikeln, das viel Potenzial für Meinungsverschiedenheiten hätte bieten können.
Denn auf der Traktandenliste standen neben dem Budget 2026 auch die Genehmigung des revidierten Entschädigungsreglements für die Gemeindebehörden und eine Teilrevision der Bau- und Zonenordnung (BZO). So hatte der Gemeinderat als Durchführungsort der Versammlung denn auch die Turnhalle Rietwis statt den platzmässig begrenzten Mönchhof bestimmt.
Mit 135 Mönchaltorferinnen und Mönchaltorfern fanden tatsächlich viele Personen den Weg an die Gemeindeversammlung, doch waren sie an diesem Abend nicht in der Stimmung für grosse Diskussionen. Das Budget 2026 weist bei einem Aufwand von rund 33,5 Millionen Franken und einem Ertrag von rund 33,56 Millionen Franken ein Plus von 62’100 Franken aus und wurde mit nur zwei Gegenstimmen genehmigt.
Entschädigung nicht gleich Lohn
Beim Antrag des Gemeinderats, das Entschädigungsreglement für Gemeindebehörden analog dem Staats- und Gemeindepersonal im Kanton Zürich der aufgelaufenen Teuerung anzupassen, stellte die Rechnungsprüfungskommission (RPK) jedoch einen Antrag. Zwar stehe sie hinter der einmaligen Erhöhung um 10 Prozent per 1. Januar 2027, führte RPK-Präsident Patrick Scheidegger (FDP) aus. «Nur ist die Entschädigung für ein freiwilliges Engagement nicht einem Lohn gleichzusetzen.»
Die RPK sehe darum die vom Gemeinderat geplante automatische Teuerungszulage kritisch. «Lieber soll die Gemeindeversammlung regelmässig über allfällige Erhöhungen abstimmen.» Der Antrag stiess bei der Versammlung auf Gehör und wurde mit 63 Ja-Stimmen zu 50 Nein-Stimmen angenommen, im Anschluss mit nur einer Gegenstimme ebenso die Anpassung des Reglements.
Zur Teilrevision der BZO waren im Vorfeld 72 Einwendungen eingegangen, wobei es sich bei 70 davon um HEV-Standardbriefe handelte. Und obwohl speziell die Einführung einer Grünflächenziffer in anderen Gemeinden zu heissen Diskussionen geführt hatte, blieben die Wortmeldungen in Mönchaltorf – abgesehen von einer Verständnisfrage – komplett aus. Die Teilrevision der BZO wurde mit nur acht Gegenstimmen deutlich genehmigt.
Sicherheitsbedenken wegen Zufahrt
Doch damit war die Versammlung nach 90 Minuten noch nicht ganz zu Ende. Gemeindepräsident Urs Graf (FDP) verlas eine Anfrage zur Zufahrt Deponie Leerüti, die im Vorfeld eingegangen war. Darin erkundigte sich die IG Brand unter anderem, ob der Gemeinderat den im Sommer gefällten Zufahrtsentscheid juristisch bekämpfen wolle. Graf führte aus, dass der Gemeinderat nach wie vor beabsichtige, eine Anfechtung der Zufahrten im Rahmen des vorliegenden Gestaltungsplans einzuleiten.
Der Gemeinderat gehe gleichzeitig davon aus, dass die vorgesehenen Fahrverbote, Lastwageneinschränkungen und Verkehrsumleitungen «grundsätzlich geeignet sind, die Sicherheit der Anwohnerinnen und Anwohner sowie der Schulkinder entlang der Brandstrasse zu gewährleisten». Ansonsten würde der Gemeinderat weitere Massnahmen ergreifen.
Anfragesteller Enrico Grob führte im Namen der 22-köpfigen IG Brand aus, dass man lieber im Vorfeld Probleme lösen solle, statt im Nachhinein Bussen zu verteilen. Für die IG wäre eine Schranke mit automatischer Nummernerkennung für Anwohner die beste Lösung.
«Schimpfis» vom Gemeindepräsidenten
In seinem Schlusswort wurde Gemeindepräsident Urs Graf ungewöhnlich persönlich. «Sie wissen, dass das nicht typisch ist für mich.» Trotzdem sei es an der Zeit, Klartext zu reden. «Man könnte sagen, bisher war die Welt in Mönchaltorf noch in Ordnung, Anstand und Respekt galten etwas.» Doch in letzter Zeit habe er eine «Verrohung der Sitten» festgestellt.
Besonders in den sozialen Medien, speziell auf Facebook, habe er im Nachgang der Abstimmung über das neue Gemeinde- und Wohnhaus Kommentare gelesen, die ihn nachdenklich gestimmt hätten. «Nur no Tubelimönchaltorfer», habe dort einer der Kommentare zum Abstimmungsergebnis gelautet.
Sein Wunsch zu Weihnachten sei die Rückkehr zu einer Kultur von gegenseitigem Respekt und Anstand. «Wir haben eine gute Bevölkerung, und Politik in Mönchaltorf zu machen, macht Spass», sagte Graf abschliessend. «Diese Meinung lasse ich mir nicht nehmen.» (lcm)
