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Hochwasserschutz im Tösstal

Huebbach-Ausbau in Wila kommt an die Urne – ein Überblick

Nach langer Planung stimmen die Wilemerinnen und Wilemer am 30. November über den Vollausbau des Huebbachs ab. Was die Gemeinde vorhat – und weshalb es so lange dauerte.

In seinem aktuellen Zustand bedeutet der Huebbach eine dauernde Gefahr für Wila. Ein Vollausbau soll die Lösung bringen. (Archiv)

Foto: Annabarbara Kiliani

Huebbach-Ausbau in Wila kommt an die Urne – ein Überblick

Hochwasserschutz im Tösstal

Nach langer Planung stimmen die Wilemerinnen und Wilemer am 30. November über den Vollausbau des Huebbachs ab. Was die Gemeinde vorhat – und weshalb es so lange dauerte.

Er ist klein, aber heimtückisch: der Huebbach in Wila. Obwohl man ihn an manchen Stellen regelrecht suchen muss, geht von ihm eine erhebliche Gefahr aus. Konkret ist er im Dorf der grösste Gefahrenherd, wenn es um Hochwasser geht.

Wirft man einen Blick in die Naturgefahrenkarte des Kantons, so erkennt man schnell: Kommt es zu einem Hochwasser, das statistisch gesehen alle 100 Jahre auftritt, tritt der Bach gleich an mehreren Stellen über die Ufer. Die Gemeinde rechnete bereits einmal vor, dass bei einem entsprechenden Ereignis gegen 200 Gebäude betroffen wären.

Huebbach
Heute ein lauschiges, aber tückisches Bächlein, wird der Huebbach künftig mehr Platz einnehmen – und dadurch sicherer. (Archiv)

Dass es ein Schutzprojekt braucht, ist offensichtlich. Nach langer Planung kommt dieses – Herzstück ist ein Kredit von 4,6 Millionen Franken – am 30. November an die Urne. Die zuständige Gemeinderätin Maya Berwert (SVP) ist zuversichtlich. «Für die Mehrheit ist klar, dass man den Hochwasserschutz jetzt realisieren muss.» Die Überschwemmungen in Zell seien ein gutes Beispiel dafür, wie schnell es gehen könne. «Viele haben das noch im Hinterkopf.»

Die Vorgeschichte

Der Plan, den Huebbach hochwassersicher zu machen, existiert schon lange. Seit fast 20 Jahren wird über mögliche Lösungen diskutiert.

Zunächst fasste der Gemeinderat eine Umlegung des Bachs ins Auge. Er sollte nicht mehr durchs Dorf fliessen. Ein erstes Vorprojekt aus dem Jahr 2016 sah vor, ihn auf Höhe der Tösstalstrasse umzuleiten, damit er in einer Rechtskurve an der Agrola-Tankstelle vorbeifliessen kann. Oberhalb des Sekundarschulhauses Schweissrüti wäre er dann in die Töss gemündet.

Pläne des Kantons, die Töss in Wila zu revitalisieren, setzten dem Vorhaben jedoch ein Ende. Denn man wollte Synergien nutzen und das Huebbach-Vorhaben mit der Töss-Revitalisierung abstimmen. Doch die kantonalen Mühlen mahlen bekanntlich langsam – zu langsam für den Wilemer Gemeinderat.

Bereits vor der Sistierung des Töss-Projekts im Februar 2024 nahm er das Zepter wieder selber in die Hand. «Wir müssen den Weg der 15-jährigen Planungsphase endlich abschliessen», sagte Gemeindepräsident Simon Mösch (Die Mitte) an einer Informationsveranstaltung im Sommer 2023. Damals brachte der Gemeinderat eine neue Variante ins Spiel: den Vollausbau des Huebbachs.

Im September 2023 sprachen sich die Wilemerinnen und Wilemer in einer Umfrage dafür aus, diesem den Vorzug zu geben. Der Gemeinderat bemühte sich, die dabei eingegangenen Anliegen und Bemerkungen zu berücksichtigen.

Laut Berwert ging es dabei vor allem um Landerwerb. «Das ist immer ein emotionales Thema», sagt sie. Da die Böschungen von Gewässern im Einklang mit kantonalem Recht neu flacher und breiter ausfallen sollen, mussten einige Anstösser mehr Land abtreten, als ursprünglich geplant war.

Man habe mit allen Eigentümern konstruktive Gespräche geführt und sei im Rahmen der Möglichkeiten und Vorgaben auf ihre individuellen Wünsche eingegangen. Trotzdem brauche es Kompromisse. «Wir sind der Meinung, eine für alle Seiten faire Lösung erarbeitet zu haben», sagt Berwert. «Ob jemand den Rechtsweg beschreitet, kann ich derzeit aber nicht abschätzen.»

Das Projekt

Mit dem Hochwasserschutzprojekt will die Gemeinde nicht nur die Sicherheit, sondern auch den Erholungsfaktor und die Gewässerökologie verbessern. Ziel beim Vollausbau ist es, den Bach von oberhalb des Siedlungsgebiets bis zur Mündung in die Töss tiefer und breiter zu machen.

Erreicht werden soll das mit lokalen Verbreiterungen des Gerinnes und einer Absenkung der Bachsohle. Über den ganzen Projektperimeter wird diese um rund einen Meter tiefergelegt.

Nicht nur wegen des breiteren Bachlaufs wirkt der Huebbach künftig optisch grösser, sondern auch wegen der flacher und stellenweise bis zu drei Meter breit ausfallenden Böschungen. «Diese neuen Dimensionen konnten nicht alle auf Anhieb nachvollziehen», sagt Berwert. Sie seien aber nötig, damit der Bach auch starke Niederschlagsmengen schlucken könne.

Man sieht den Projektplan eines Hochwasserschutzvorhabens.
Im Mündungsbereich soll der Bach mehr Platz erhalten. Möglich macht das unter anderem der Abriss eines alten Schuppens.

Besonders ins Auge fällt im Projekt die Vorinvestition Schochenstrasse. Die Bachsanierung und die später im Quartierplanverfahren vorgesehene Umlegung der Strasse sollen aufeinander abgestimmt werden. Daher will die Gemeinde die erste Etappe der neuen Erschliessungsstrasse bereits in diesem Projekt umsetzen.

Aufgewertet wird auch der Mündungsbereich des Huebbachs. Da er auf einer Parzelle liegt, die dem Kanton gehört, darf die Gemeinde den Platz für die Umgestaltung nutzen. Weil in den oberen Abschnitten des Bachs der Hochwasserschutz im Fokus steht, soll der unterste Abschnitt vor allem naturnaher und zugänglicher werden.

Die eigentliche Mündung befindet sich künftig etwas weiter flussaufwärts und wird flacher, was Fischen zugutekommt. Um mehr Platz für den Huebbach zu schaffen, wird die alte Dammbrücke ersetzt und ein ungenutzter Schuppen abgerissen.

Zudem bleibt der alte Bachlauf erhalten und wird in eine Art Mini-Feuchtgebiet umgewandelt. Sitzsteine und ein naturnaher Zugang sollen den Bach erlebbar machen. «Je mehr Renaturierung und Naherholung im Projekt eingeplant sind, desto höher fallen die Fördergelder von Bund und Kanton aus», so Berwert.

Die Kosten

Stand 2023 war die Gemeinde von Kosten in Höhe von 3,7 Millionen Franken ausgegangen. Mittlerweile beläuft sich der Projektkredit auf 4,6 Millionen Franken. Die Verteuerung begründet Berwert vor allem mit dem Landerwerb, der vor der konkreten Ausarbeitung des Bauprojekts nicht genau beziffert werden konnte. Ausserdem war dort die Vorinvestition für die Schochenstrasse noch nicht enthalten. Beide Posten belaufen sich zusammen auf gut 800’000 Franken. Die Gemeinde rechnet für das Vorhaben mit Subventionsbeiträgen von Bund und Kanton in Höhe von rund 2 Millionen Franken.

Der Zeitplan

Wäre alles nach Plan verlaufen, hätte die Wilemer Bevölkerung bereits im Herbst vor einem Jahr über das Projekt abstimmen können. Doch Differenzen mit den SBB machten dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung. Denn die Stelle, an der der Huebbach unter der Bahnlinie hindurchfliesst, ist in ihrem Hoheitsgebiet. Diesen Durchlass anzupassen, erfordert ein eigenes Vorprojekt, das die Bundesbahnen zu prüfen haben.

War ursprünglich vom Neubau des Durchlasses die Rede, konnte man nach Gesprächen eine einfachere Lösung finden. Der Bach wird im Bereich der Bahnlinie ebenfalls um gut einen Meter tiefergelegt. Ein neues, spezielles Bauwerk, eine sogenannte Einlaufschürze, sorgt zusätzlich dafür, dass sich das Wasser vor dem Durchlass staut.

Durch den so entstehenden Druck bahnt sich der Bach seinen Weg, ohne die Umgebung zu überschwemmen. Die Gemeinde hat diese Variante im Frühjahr den SBB zur Prüfung eingereicht. «Vor Kurzem haben wir einen ersten positiven Bescheid erhalten», sagt die Gemeinderätin. Ein schriftlicher Entscheid steht aber noch aus.

Geklärt werden müssen zudem betriebliche Fragen. Also ob der Umbau während des laufenden Bahnbetriebs stattfinden kann oder ob es dazu eine Vollsperrung braucht. In letzterem Fall sollen Synergien mit bereits geplanten SBB-Baustellen genutzt werden.

Das Gesamtprojekt wird aktuell von den Fachstellen des Amts für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) geprüft. Heissen die Stimmberechtigten den Kredit an der Urne gut, ist das Vorhaben einen wichtigen Schritt weiter. Dann kann sich die Gemeinde mit der Umsetzung beschäftigen. Im kommenden Herbst sollen die Bauarbeiten starten, eine Fertigstellung ist aktuell für Herbst 2028 geplant.

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