SVP greift den Sitz von Gemeindepräsident Jörg Kündig an
Kampfwahl in Gossau
Der langjährige Gemeindepräsident Jörg Kündig (FDP) will sein Amt für weitere vier Jahre behalten. Diesen Plan versucht nun die SVP Gossau zu durchkreuzen.
Gemeinderat seit 1994 und Gemeindepräsident von Gossau seit 2002. Jörg Kündig (FDP) ist in der Gemeinde eine feste Politgrösse. Über mehrere Jahrzehnte leitete er die Gemeinde. Doch schon bald könnte damit Schluss sein. Denn die SVP will mit einem neuen Kandidaten die Karten neu mischen.
Daniel Wäfler (SVP) will Kündig das Gemeindepräsidium streitig machen, wie «Zürioberland24» zuerst berichtete. Selbst war Wäfler vor über 20 Jahren bereits in der Sozialbehörde Gossaus tätig. Politisch aktiv ist er heute als Kantonsrat, in dem er seit 2015 einen Sitz innehält.
Eine Alternative
Was veranlasste den Politiker dazu, ausgerechnet jetzt zu kandidieren? Auf Nachfrage sagt Wäfler: «Die Gemeinde steht vor einem grossen Strauss an Herausforderungen, die es anzupacken gilt.» Damit gemeint sind unter anderem die steigenden Ausgaben bei der Bildung oder im sozialen Bereich.
Aber auch die Abstimmung Ende November über die Aktienkapitalerhöhung für das GZO Spital könnte den Finanzhaushalt künftig stark belasten – in Gossau geht es um einen Betrag von 4,9 Millionen Franken. «Es ist Zeit für einen Wechsel. Früher liefen die Dinge noch rund, heute sieht das anders aus», sagt Wäfler.
Sein Kontrahent hat mit dem GZO zudem eine Vorgeschichte. Denn unter der Obhut von Jörg Kündig als Verwaltungsratspräsident geriet das Spital ins finanzielle Debakel. Hängt die Kandidatur von Daniel Wäfler also auch damit zusammen? «Wir möchten ihm wegen des GZO Spitals keine Schuld zuweisen, aber als langjähriger Verwaltungsratspräsident trägt er die Verantwortung», sagt der 46-Jährige.
Allerdings ist Wäfler davon überzeugt, dass es bei den anstehenden Erneuerungswahlen eine Alternative braucht. «Ich will, dass eine demokratische Wahl auch durch eine echte Auswahl stattfinden kann.» Mit seiner Kandidatur könne die Bevölkerung nun zwischen zwei Personen für das Präsidium aussuchen.
Der richtige Zeitpunkt
Zurzeit investiert Wäfler nicht nur Zeit in das Amt als Kantonsrat. Er arbeitet auch als Bauführer sowie als Landwirt. Gelingt ihm der direkte Sprung ins Gemeindepräsidium, würde er voraussichtlich als Bauführer etwas kürzertreten. Das politische Amt als Kantonsrat würde er allerdings weiterhin behalten. «Das Wissen aus dem Exekutivamt der Gemeinde könnte ich dann zusätzlich in den Kantonsrat einbringen.»
Aus familiärer Sicht sei der Zeitpunkt für eine neue Aufgabe zudem günstig. Denn seine drei Kinder sind mittlerweile erwachsen, er befinde sich also in einer «Zwischenphase». Mit Blick auf die bevorstehenden Wahlen sagt er: «Es ist wichtig, dass der Gemeinderat eine enkeltaugliche Politik macht, welche die Bedürfnisse aller Generationen abdeckt.» Und als 46-jähriger Vater und Landwirt würde er ideal in den Gemeinderat passen.
SVP will zweiten Sitz im Gemeinderat
Die amtierende SVP-Gemeinderätin Elisabeth Pflugshaupt hat sich dazu entschieden, sich nicht mehr zur Wahl zu stellen. Für die SVP treten dafür gleich zwei neue Kandidaten an. Neben Daniel Wäfler, der gleich den Sitz des Gemeindepräsidenten anstrebt, hat sich auch Markus Weidmann für eine Kandidatur entschieden. Die Partei erhofft sich dadurch einen zusätzlichen Sitz im Gemeinderat.
Mittlerweile hat sich das Kandidatenfeld, welches um einen Gemeinderatssitz kämpft, erweitert. So stellt sich auch Jason Banyer von der von ihm gegründeten BKP (Büezer- und KMU-Partei) zur Wahl. (jgu)
