Kopfschütteln in Dübendorf wegen Sparmassnahmen des Regierungsrats
Der Regierungsrat schiebt die Verlängerung der Glattalbahn auf die lange Bank. Das kommt in Dübendorf gar nicht gut an. Denn die Zeit drängt.
Die Verlängerung der Glattalbahn galt stets als unverzichtbar für die Erschliessung des Dübendorfer Innovationsparks mit dem öffentlichen Verkehr. Mit dem Tram soll das Areal mit seinen dereinst mehr als 10’000 Arbeitsplätzen ab zirka 2040 an die Bahnhöfe Dübendorf, Stettbach und Dietlikon angebunden werden.
Doch der Zürcher Regierungsrat hat es nicht eilig, die Projektierung an die Hand zu nehmen: Das Vorhaben wurde erneut nicht in die Entwicklungs- und Finanzplanung aufgenommen. Diese legt die Ziele der Kantonsregierung für die kommenden vier Jahre fest und wird jährlich erstellt.
Verbindliche Zahlen
Der Grund für den Entscheid: Der Regierungsrat will sparen und stellte deshalb diverse Infrastrukturprojekte zurück – oder strich sie gleich ganz. Betroffen sind auch weitere Vorhaben in Dübendorf (siehe Box).

Im Stadthaus kommt die Verzögerung gar nicht gut an. «Die Verlängerung der Glattalbahn ist essenziel für die Entwicklung des Innovationsparks», sagt Stadtpräsident André Ingold (SVP). Ohne dieses Projekt sei es nicht möglich, dass das Areal zu mindestens 60 Prozent mit dem öffentlichen Verkehr erschlossen werde.
Diese Zahl geben sowohl zwei kantonale Gestaltungspläne wie auch die regionale Richtplanung vor, sie ist deshalb verbindlich. Ingold: «Die Glattalbahn war auch für den Stadtrat immer ein beruhigendes Argument, wenn aus der Bevölkerung Ängste vor einem Verkehrskollaps geäussert wurden.»
Kantonsrat hat letztes Wort
Noch weiss Ingold nicht, wie der Stadtrat auf die Budgetplanung des Regierungsrats reagieren wird. Eines aber sei sicher: «Es wird eine Reaktion geben.»
In trockenen Tüchern ist das regierungsrätliche Streichkonzert noch nicht, denn im Dezember wird der Kantonsrat über das Budget diskutieren. Und diese Debatte wird hitzig werden.
Sanierung der Memphis-Kreuzung gestrichen
Von den Sparmassnahmen des Regierungsrats sind auch mehrere Kantonsschulprojekte betroffen – eines davon in Dübendorf. Die Stadt bekommt auf dem Areal der Empa und des Innovationsparks zwar zwei Kanti-Provisorien mit Platz für je 650 Schüler. Eigentlich wäre aber ein grosser Neubau geplant gewesen. Doch der ist nun ebenfalls zurückgestellt. Für Stadtpräsident André Ingold (SVP) aktuell kein Grund zur Sorge: «Die beiden Provisorien sind auf eine Betriebsdauer von 10 bis 20 Jahren ausgelegt.»
Komplett aus der Planung gestrichen ist die Sanierung der Memphis-Kreuzung und der Überlandstrasse bis zum Kreisel Bahnhof Nord. Hierfür wollte der Kanton ursprünglich 12,6 Millionen Franken investieren.
Ingold hat Verständnis für den Schritt: «Es macht keinen Sinn, wenn man jetzt alles umbaut und dann, wenn die Glattalbahn kommt, nochmals von vorne anfängt.» (tba)