Auf Teilen der Oberlandautobahn dürfte zu Stosszeiten bald Tempo 80 gelten
Langsamer fahren und dafür schneller sein? Was auf den ersten Blick vielleicht unlogisch klingt, ist ein bereits funktionierendes Konzept. Und dieses dürfte bald auch im Oberland greifen.
Nach der Arbeit schnell über die Autobahn nach Hause – das ist vielerorts mehr Theorie als Praxis, vor allem zu Stosszeiten. Nun will der Bund auf vielen 120er-Strecken die Geschwindigkeit zu ebendiesen Zeiten drosseln.
Auch die Oberlandautobahn dürfte von dieser Geschwindigkeitsharmonisierung betroffen sein, wie der «Blick» berichtet. Eine Karte zeigt, dass auf der wichtigen Schnellstrasse durch das Oberland Tempo 80 in Planung ist – zumindest auf Teilen davon.
So wird etwa die Temporeduktion zwischen Uster Nord und Uster Ost sowie zwischen Rüti und Eschenbach SG greifen. Für Autofahrende in Richtung Winterthur dürfte in Zukunft Tempo 120 zu Stosszeiten Geschichte sein – denn die gesamte Strecke zwischen Dietikon und Winterthur ist gemäss dem Bundesamt für Strassen (Astra) auf dem Plan der Harmonisierung.
Ausnutzung der höchsten Kapazität
Es soll zwar langsamer gefahren werden, dafür aber schneller vorangehen. Denn gemäss Astra wird bei Tempo 80 die höchste Kapazität erreicht. Das bedeutet weniger Spurwechsel und Bremsmanöver, was einen stabileren Verkehrsfluss und letztlich auch ein schnelleres Vorankommen ermöglicht.
Heute sind es bereits über 500 der insgesamt knapp 2250 Kilometer des Nationalstrassennetzes in der Schweiz, auf denen das Tempo zu Stosszeiten angepasst wird. Geplant sei die mögliche Drosselung respektive der Einsatz von elektronischen Tempotafeln auf rund der Hälfte der Schweizer Autobahnkilometer.
Das entspricht mehr als einer Verdoppelung der Abschnitte, auf denen bereits heute bei Bedarf die Geschwindigkeit angepasst werden kann.
Nicht nur mühsam, sondern auch teuer
Es ist eine Massnahme, die dem «Stautrend» entgegenwirken soll. So hatte es gemäss Astra noch nie so viele Staustunden auf dem Nationalstrassennetz gegeben wie 2024.
Ganze 55’500 Stunden zählte das Bundesamt für das vergangene Jahr – eine Zahl, die sich seit 2019 verdoppelt hat. Und dafür greift die Schweiz ganz schön tief ins Portemonnaie: Das Astra geht von Kosten aus, die sich um die drei Milliarden Franken bewegen.
Neben der Tempodrosselung soll zugunsten eines besseren Verkehrsflusses auch auf weitere Massnahmen zurückgegriffen werden, wie beispielsweise die zusätzliche Nutzung des Pannenstreifens.
