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BZO Revision

Diesmal sind die Schwerzenbacher mit dem Wachstum einverstanden

Die Schwerzenbacher zeigten sich an der Gemeindeversammlung aufgeschlossen gegenüber neuen, grösseren Bauten. Schon fast euphorisch wurden neue siebenstöckige Wohnhäuser gutgeheissen. Die sind allerdings noch nicht in trockenen Tüchern.

In der Teilrevision der BZO in Schwerzenbach ist das Zimikerriet eines der fokussierten Gebiete. Neben der Bahnlinie könnten siebengeschossige Häuser gebaut werden.

Foto: David Marti

Diesmal sind die Schwerzenbacher mit dem Wachstum einverstanden

Die Schwerzenbacher zeigten sich an der Gemeindeversammlung aufgeschlossen gegenüber neuen, grösseren Bauten. Schon fast euphorisch wurden neue, siebenstöckige Wohnhäuser gutgeheissen. Die sind allerdings noch nicht in trockenen Tüchern.

Die Bau- und Zonenordnung (BZO) lockte am Dienstagabend 169 Stimmberechtigte und einige Zuschauer in die Turnhalle Schwerzenbach. Das grosse Interesse in der kleinen Gemeinde war wenig überraschend: Die Vorlage, die an der Gemeindeversammlung traktandiert war, hat es in sich.

Bereits im Frühling 2022 hatte der Souverän eine erste überarbeitete Version der Bau- und Zonenordnung zurückgewiesen. Nun versuchte es der Gemeinderat mit einer neuen, die sich nur noch auf drei Gebiete konzentrierte: Bahnhof, Langä Blätz sowie das Zimikerriet.

Doch auch zur neuen, entschlackten Bau- und Zonenordnung gab es Opposition. Davon zeugen die 75 Einwendungen aus der Bevölkerung, die der Gemeinderat im Vorfeld entgegennahm. Einige davon hatte er berücksichtigt, den Grossteil allerdings nicht.

Entsprechend versuchten einige Schwerzenbacherinnen und Schwerzenbacher, ihre Absichten mit Anträgen doch noch durchzusetzen.

Das Zimikerriet und der «Riegel»

Anlass zur Diskussion gab das Zimikerriet. Dort soll die heutige Industriezone in eine Wohnzone mit Gewerbeanteil und öffentlicher Nutzung umgezont werden. Somit könnten im Zimikerriet fünfstöckige Gebäude gebaut werden, entlang der Bahnlinie wären sogar sieben Stockwerke zulässig.

Ein Schwerzenbacher wollte dies verhindern und beantragte, das Gebiet als Industriezone zu belassen. Ihm behagte das zusätzliche Bevölkerungswachstum nicht, und er befürchtete Mehrverkehr und Lärm.

Einige im Saal widersprachen dieser Ansicht. Mehrmals wurden die siebenstöckigen Bauten an der Bahnlinie als Vorteil angesehen.

«Durch diesen Riegel gewinnen wir enorm an Wohnqualität», meinte ein Schwerzenbacher, der in der Nähe wohnt. Es brauche diese hohen Gebäude, die die ganze Länge einnehmen, um den Lärm der Bahn, des Fussballplatzes und des Recyclingcenters Schneider in Volketswil abzuschirmen.

Letztlich blieb jedoch sowohl der Antrag zur Streichung als auch die Redimensionierung auf lediglich fünfgeschossige Bauten chancenlos und somit die ursprüngliche Variante des Gemeinderats bestehen.

Die Sache mit dem Sexclub

Erfolgreich war hingegen ein Antrag, einen weiteren Teil des Bahnhofsgebiets zur BZO hinzuzufügen. Ein Schwerzenbacher wollte die Parzelle, auf der sich der Sexclub Globe befindet – der Mann erwähnte diese Liegenschaft nicht explizit –, in die revidierte Fassung aufnehmen.

Damit solle es möglich werden, das Dorfzentrum mit einer «schönen Wohnüberbauung», aufzuwerten, meinte er. «Heute empfinde ich das als hässliches Industriegebiet – ein Schandfleck.»

Seinen Antrag zog er danach zugunsten eines anderen zurück, der noch weiter ging: Ein Stimmberechtigter schlug vor, das gesamte Gebiet Ifang – also auch die Parzelle des «Globe» – umzuzonen, was deutlich angenommen wurde.

Ein Gebäude aus der Luft.
Der Sexclub Globe steht am Rand des Areals Ifang in Schwerzenbach.

Somit wird das Areal Teil des eingezonten Bahnhofsgebiet, wo gemäss den Plänen des Gemeinderats Platz für modernen Wohn- und Arbeitsraum entstehen soll. Pikant ist, dass der Besitzer des Globe bereits seit Jahren gerichtlich gegen eine Wohnüberbauung auf dem Ifang-Areal kämpft. Derzeit sind deswegen die Pläne auf Eis gelegt.

Für das Globe hat die Umzonung erstmal keine Folgen, der Club hat eine Bestandesgarantie. Anders wäre es bei einem Neubau. Dann würden die neu geltenden Auflagen für Gewerbe und Wohnnutzung gelten. Immer vorausgesetzt, dass die BZO überhaupt an der Urne durchkommt.  

Mit dem Änderungsantrag kann der Gemeinderat offenbar gut leben. Martin Hermann sagte: «Es ist wirklich nicht der schönste Ort von Schwerzenbach.» Das Gebiet müsse entwickelt werden. Bedenken äusserte Hermann allerdings zum Zeitpunkt. Die Erschliessung durch die Kantonsstrassen sei heute nicht gut und müsse zusammen mit Volketswil geplant werden, was viel Zeit brauche.

Der Langä Blätz bekommt lange Häuser

Ein Änderungswunsch betraf auch den Langä Blätz. Eine Stimmberechtigte wollte das Gebiet aus der BZO rausnehmen und die Vorgaben so belassen, wie sie aktuell sind. Der Langä Blätz soll von einer eingeschossigen Wohnzone in eine dreigeschossige mit grosszügigen Grünflächen überführt werden.

Mich stört es, dass jeder, der nach Schwerzenbach zieht, so dargestellt wird, als einer, der nur Lärm macht und Verkehr mit sich zieht.»

Martin Hermann (FDP)

Gemeindepräsident Schwerzenbach

Mit dem neu geplanten Wohnraum für 330 Personen sei «das tägliche Verkehrschaos» vorprogrammiert, sagte die Schwerzenbacherin. Ihr Antrag wurde aber deutlich abgelehnt. Ebenso ihr Versuch, zu verhindern, dass neu 40 Meter lange Gebäude auf dem Langä Blätz zugelassen werden sollen.

Eine Wiese
Auf dem Areal Langä Blätz könnten bald Wohnungen stehen.

Ausser dem Areal Ifang, welches nun ebenfalls Teil der neuen BZO ist, und ein paar kleinen, meist formellen Änderungen, bleibt die ursprüngliche Version des Gemeinderats intakt.

Pro und Contra mehr Bevölkerung

Der grosse Aufschrei, wie es ihn noch im Frühling 2022 beim ersten Revisionsversuch unter dem früheren Gemeinderat gab, blieb diesmal aus. Doch auch am Dienstag monierten einige Anwesende, die Neuauflage erziele ein zu grosses Bevölkerungswachstum, was entsprechende Nachteile mit sich bringe.

Martin Hermann trat einer solchen Aussage entgegen und sagte: «Mich stört es, dass jeder, der nach Schwerzenbach zieht, so dargestellt wird, als einer, der nur Lärm macht und Verkehr mit sich zieht.»

Ein Mann stiess ins gleiche Horn. Er sagte, er sei in der privilegierten Situation, in Schwerzenbach wohnen zu dürfen. «Ich fände es toll, wenn andere diese Möglichkeit auch hätten. Das können Leute von ausserhalb, aber auch unsere eigenen Kinder sein.»

Mit 103 Ja- zu 20 Nein-Stimmen verabschiedete die Gemeindeversammlung schliesslich das Geschäft zuhanden der Urnenabstimmung am 30. November. Wird die neue Bau- und Zonenordnung dann angenommen, tritt sie laut Gemeinde im zweiten Quartal 2026 in Kraft.

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