Rüti prüft Schritte gegen zusätzlichen Lastwagenverkehr
Neue Chance für Deponie-Gegner
Die nahe bei Rüti, aber ennet der Kantonsgrenze geplante Deponie Sonnenfeld in der Gemeinde Eschenbach wird erneut geprüft. Ein erstes Mitwirkungsverfahren muss wiederholt werden.
2019 hat Eschenbach bei der Planung der Deponie Sonnenfeld in der Aussenwacht Ermenswil bereits ein öffentliches Mitwirkungsverfahren durchgeführt. Die seit den 1970er Jahren dort betriebene Kiesgrube, die auf St. Galler Boden, aber nur 400 Meter von der Grenze zum Kanton Zürich entfernt liegt, soll ausgedehnt werden. Und anschliessend sollen die Löcher mit unverschmutztem Aushubmaterial sowie leicht belasteten Bauabfällen wieder aufgefüllt werden.
Jener Verfahrensschritt muss nun aber wiederholt werden. Der Grund: Im Rekursverfahren zu einer anderen Deponie hat sich laut dem Kanton St. Gallen gezeigt, dass für Abbaustellen und Deponien von überregionaler Bedeutung aus rechtlichen Gründen anstelle des kommunalen ein kantonales Verfahren durchgeführt werden muss. «Damit liegt die Zuständigkeit beim Kanton, der einen kantonalen Sondernutzungsplan erlässt», heisst es aus St. Gallen. Der Kanton sei deshalb auch für die öffentliche Mitwirkung zuständig.
Und diese hat er im Juni auch lanciert. Noch bis zum 17. August können Rückmeldungen und Anregungen auf der kantonalen Mitwirkungsplattform (sg.e-mitwirkung.ch) abgegeben werden.
19’500 Fahrten pro Jahr
Rund 170 Personen beteiligten sich 2019 an der ersten Mitwirkung. Diese können jetzt einfach bestätigen, dass sie an ihrer damaligen Eingabe festhalten. Bereits über die Bühne gegangen ist vor einem Monat eine weitere Informationsveranstaltung. Und dort hat sich gezeigt, dass der Widerstand gegen die Deponie nicht kleiner geworden ist.
Laut «Linth-Zeitung» beschäftigten die rund 50 Besucher der Informationsveranstaltung Fragen zu den möglichen Folgen des Deponiebetriebs für Asthmakranke, die Ökologie, den Lärm, auch zur Anzahl Lastwagenfahrten oder zu Entschädigungen. Zur Rede stellen konnten sie Vertreter des Kantons sowie Stephan Jud, ein Geschäftsleitungsmitglied der Firma JMS, welche die Deponie realisieren will.
Im Zentrum der Kritik steht die Anzahl Kilometer pro Lastwagen respektive die maximale Zahl der Fahrten. Gerechnet wird mit 19’500 Lastwagenbewegungen. Auf die Betriebstage heruntergerechnet macht das 81 Hin- und Wegfahrten täglich.
Mehr Lastwagen durch Rüti
Weil für den Kiesabbau schon heute viele Lastwagen unterwegs sind, beträgt der Mehrverkehr fürs Auffüllen der Gruben im Sonnenfeld 33 Fahrten pro Betriebstag. Letztlich sollen die Kiesgruben mit 246’000 Kubikmeter unverschmutztem Aushub und 558’000 Kubikmeter Inertstoffen wieder aufgefüllt werden. Somit ist das Vorhaben identisch mit jenem, welches 2022 öffentlich aufgelegen hatte.
Jenes Projekt löste mehrere Einsprachen aus – darunter eine Sammeleinsprache mit 36 Beteiligten. Und auch die Gemeinde Rüti wehrte sich. Denn fast die Hälfte des Lastwagenverkehrs rollt bereits heute durch Rüti. Und künftig könnten es pro Tag sogar 37 Fahrten sein.


Die 2022 von Rüti gegen den Sondernutzungsplan eingereichte Einsprache bezog sich vor allem auf die Verkehrssituation und deren negative Auswirkungen aufs Dorf. Noch ist nicht klar, wie sich die Gemeinde Rüti diesmal verhält. Laut ihrem Kommunikationsverantwortlichen Christoph Zuppinger laufen zurzeit noch Abklärungen beim Kanton. Erst wenn die Antworten dazu vorlägen, werde die Gemeinde offiziell Stellung nehmen.
Zusätzlicher Lärm unter Wahrnehmbarkeitsgrenze
Ob eine Intervention Rütis Auswirkungen auf das Sonnenfeld-Projekt hätte, bleibt offen. Wenn auf den Umweltverträglichkeitsbericht abgestützt wird, dürfte der Deponieverkehr jedenfalls keine relevanten Auswirkungen haben.
Die Fachleute gestehen darin zwar ein, dass die Streckenabschnitte Sonnenfeld–Rüti und Sonnenfeld–Eschenbach–Neuhaus den Lastwagenverkehr am stärksten zu spüren bekämen. Doch der von den Transporten verursachte Lärm mache maximal 0,3 Dezibel an den Strassenlärmemissionen aus. «Er liegt somit unter der Wahrnehmbarkeitsgrenze», kommen die Fachleute zum Schluss.

Dass das Vorhaben aber auch von Rüti genau unter die Lupe genommen wird, ist verständlich. Immerhin handelt es sich bei der Deponie um ein Jahrhundertvorhaben. Über 25 Jahre hinweg soll die Deponie in drei Etappen betrieben werden. Für langjährigen Verkehr ist damit also gesorgt.
