Schnelle E-Bikes auf dem Töss-Radweg? Möglich wäre das
Ein Leser wünscht sich, dass E-Bikes mit gelber Nummer trotz Verbot auf dem Töss-Radweg fahren dürfen. Dank neuen Regeln geht das – doch die Gemeinden haben sich noch nicht damit befasst.
Für viele ist ein E-Bike nicht nur ein trendiges Freizeitgerät, das Velotouren erträglicher macht. Sondern auch eine klima- und gesundheitsschonende Alternative zu Auto oder Töff.
Wer ein Elektrovelo zum Pendeln nutzt, greift oftmals zum schnellen E-Bike mit dem gelben Nummernschild, das eine Tretunterstützung bis 45 Kilometer pro Stunde bietet. Doch: Wie Leser Matthias Koch aus Turbenthal berichtet, unterschätzen Autofahrer das Tempo der E-Velos oft.
Die Folge sind brenzlige Situationen und gefährliche Überholmanöver. «Schon mehrfach habe ich erlebt, dass meine Geschwindigkeit unterschätzt wurde und das überholende Fahrzeug mich bei einer Strasseninsel an den rechten Rand gedrängt hat», schreibt Koch in einem Leserbrief im «Tössthaler».
Der Turbenthaler, der schon seit sieben Jahren ein schnelles E-Bike besitzt, hat eine Idee: Warum nicht den Radweg entlang der Töss auch für schnelle Elektrovelos öffnen?
Neue Regeln seit Anfang Juli
Weil schnelle E-Bikes, anders als ihre langsameren Pendants, unter das Mofasymbol fallen, müssen sie Stand heute gemeinsam mit Benzinmofas auf der Tösstalstrasse fahren. Seit dem 1. Juli können schnelle E-Bikes auf solchen Wegen erlaubt – und damit gegenüber umweltschädlichen Töffli bevorzugt – werden.
Dafür braucht es eine neue Zusatztafel mit der Aufschrift «E-Bike gestattet». Diese kann zum Beispiel bei den dreigeteilten Verbotsschildern – Verbot für Autos, Töffs und Mofas – zum Einsatz kommen. Solche Schilder findet man auch auf dem Töss-Radweg zwischen Sennhof und Wila.
Bei einer dreiteiligen Verbotstafel sind schnelle Elektrovelos also nur erlaubt, wenn eine Zusatztafel angebracht ist. Anders ist dies bei den blauen Velowegtafeln. Diese Velowege sind neu für alle Arten von Velos und E-Bikes obligatorisch, also auch für diejenigen mit gelber Nummer.


Es sei denn, sie werden explizit mit der zusätzlichen Tafel «Mofa verboten» ausgeschlossen. Oder es kommt das Zusatzschild «Mofa freiwillig» zum Einsatz. Dann bleibt Fahrern von schnellen Elektrovelos die Wahl, ob sie auf der Strasse oder dem Veloweg fahren wollen.
Was heisst das also für den Töss-Radweg? Würde man die Idee von Matthias Koch umsetzen wollen, bräuchte es neben dem dreigeteilten Verbotsschild die Zusatztafel «E-Bike gestattet». Nötig wäre also eine Signalisationsänderung.
Schild hängt im Kanton noch nirgends
Wie die Kantonspolizei auf Anfrage erklärt, können Gemeinden eine solche beantragen. «Solche Anträge werden von der Kantonspolizei geprüft und allenfalls bewilligt», sagt Sprecher Alexander Renner. Dabei wird die betroffene Gemeinde in die Entscheidung einbezogen.
Da es das Schild erst seit Anfang Juli gibt, hängt es, Stand heute, im Kanton Zürich noch nirgends. Die Kapo prüfe derzeit, wo das neue Signal zum Tragen kommen könnte.
Bemühungen vonseiten der Gemeinden, schnelle E-Bikes künftig auf dem Radweg am Tössufer zu erlauben, gibt es aktuell nicht. Der Gemeinderat Wila schreibt, er habe sich noch nicht mit der Thematik befasst. In Zell sieht man aktuell keinen Anlass, etwas zu unternehmen. Die Gemeinde Turbenthal hat auf eine Anfrage bislang nicht reagiert.
Pro Velo kritisiert neue Regeln
Der Velo-Dachverband Pro Velo hat die neuen Regeln für E-Bikes Ende Juni in einem Communiqué als mangelhaft kritisiert. Sie würden mehr Verwirrung als Klarheit schaffen. «Aus Sicht von Pro Velo ist die Verständlichkeit der Bestimmungen für die Nutzerinnen und Nutzer von Elektrovelos stark erschwert worden», schreibt der Verband. Gemeinden und Kantone müssten Wege neu signalisieren – es drohe ein Flickenteppich.
Eine Zusammenfassung der neuen Regeln stellt der Verband auf seiner Website zur Verfügung.