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Nach jahrelanger Kritik

Tut sich noch was beim Chilbiplatz und bei der Tiefgarage in Egg?

Im Dorfzentrum von Egg ist der Chilbiplatz für die Bevölkerung von besonderer Bedeutung. Dieser wurde fast zeitgleich mit einer Tiefgarage erstellt. Doch die Kritik hallt bis heute nach.

Der Chilbiplatz und die sich darunter befindende Garage waren bisher viel Kritik ausgesetzt.

Foto: Simon Grässle

Tut sich noch was beim Chilbiplatz und bei der Tiefgarage in Egg?

Nach jahrelanger Kritik

Im Dorfzentrum von Egg ist der Chilbiplatz für die Bevölkerung von besonderer Bedeutung. Dieser wurde fast zeitgleich mit einer Tiefgarage erstellt. Doch die Kritik hallt bis heute nach.

Im Zentrum von Egg befindet sich seit sieben Jahren ein neuer Treffpunkt: der Chilbiplatz. Es sollte ein Ort sein, welcher der Bevölkerung zugutekommt, zum Verweilen einlädt und für Anlässe als Veranstaltungsort dient. Kurz zuvor baute die Gemeinde unter dem Platz zudem eine Tiefgarage. Doch die beiden Projekte waren zahlreicher Kritik ausgesetzt.

Die Stimmen des Unmuts sind zwar etwas leiser geworden, doch ist in Gesprächen mit Eggerinnen und Eggern immer noch eine gewisse Unzufriedenheit über die Entwicklung des Dorfzentrums zu vernehmen. Es stellt sich also die Frage: Hat sich die Situation mittlerweile nicht verbessert?

Ein Chilbiplatz für die Bevölkerung

Die Pläne für den Chilbiplatz wurden zu einer ähnlichen Zeit wie diejenigen der Tiefgarage ausgearbeitet. Im Frühjahr 2015 gab der Gemeinderat das Siegerprojekt für den Chilbiplatz bekannt. Die Ziele damals waren eine vielseitige Nutzung sowie ein attraktiver Aufenthalts- und Begegnungsort für die Bevölkerung. Der Platz sollte zudem nicht öde und leer wirken, wenn mal keine Veranstaltung stattfindet.

Herbst 2015: Die Gemüter der Stimmberechtigten erhitzten sich, als sie sich an der Gemeindeversammlung mit dem Baukredit auseinandersetzten. Aus der Bevölkerung kam mehrfach die Rückmeldung, dass der geplante Chilbiplatz zu stark auf einzelne Veranstaltungen ausgerichtet sei – eine eigentliche Begegnungszone sei er hingegen nicht.

Die Rechnungsprüfungskommission (RPK) stellte sich gegen den Kredit in Höhe von knapp 2 Millionen Franken. Aus ihrer Sicht hätten die Eggerinnen und Egger an der Urne über das gesamte Projekt abstimmen müssen – also den Gestaltungsplan sowie die Kredite für die Tiefgarage und den Chilbiplatz. Letztlich stimmten zwei Drittel der Versammlung dem Baukredit zu. Ein Antrag auf Urnenabstimmung wurde nur knapp abgelehnt.

Ein Pavillon steht auf einem Platz.
Der Pavillon sollte ohnehin auf dem Chilbiplatz zu stehen kommen. Die WC-Anlage schaffte es aber erst im zweiten Anlauf.

Am selben Abend stellte sich die Versammlung dafür gegen das Vorhaben, im Dorfzentrum für 240’000 Franken eine WC-Anlage zu bauen. Nur zwei Jahre später fand das Ansinnen dann doch noch Zustimmung.

Der Chilbiplatz – ein Hitzehotspot

Kritik an der Gestaltung des Chilbiplatzes ploppte auch nach der offiziellen Einweihung im Mai 2018 auf. So bezeichnete ein Bürger an einer Gemeindeversammlung vor über fünf Jahren das Zentrum als «lieblosen, kahlen Teerplatz». Ein anderer Einwohner sagte: «Was ist der Unterschied zwischen Moskau und Egg? Moskau hat einen Roten Platz, und Egg hat einen toten Platz

Zu denken gab ausserdem – was heute noch der Fall ist – die Hitze. Es wurden für die Sonnenschirme beim Café nebenan zwar Löcher in den Boden gebohrt. Und auch drei Trompetenbäume spenden seither am Rand des Platzes etwas Schatten. Nichtsdestotrotz heizt sich der Platz im Sommer stark auf und lädt kaum zum Verweilen ein.

Eine Arbeitsgruppe setzte sich deshalb mit der Optimierung der öffentlichen Plätze auseinander. 2021 war es dann so weit. Je sechs Kübel mit Pflanzen und einem Baum inklusive Holzbänken kamen auf dem Platz zu stehen.

«Mit der Bepflanzung wurde das Problem mit der Hitze etwas verbessert», sagt Gemeindeschreiber Tobias Zerobin. Allerdings sei es schwierig gewesen, eine passende Lösung zu finden. So stand auf dem Chilbiplatz zeitweise ein mobiles Wasserspiel. «Da gab es aber Kritik, dass es Wasserverschwendung sei.»

Pläne, das Dorfzentrum weiter aufzuwerten, gibt es zurzeit keine. «Das Hauptziel ist, den Platz mehr zu beleben», stellt Zerobin in Aussicht. Gemeint sind Anlässe, die auf dem Chilbiplatz stattfinden. Diese nahmen über die Jahre stetig zu. Mittlerweile gibt es Veranstaltungen wie die Chilbi, den Weihnachtszauber mit Glühweinhäuschen und Kerzenziehen im Winter und bald die 1.-August-Feier. Zudem standen für sportliche Aktivitäten bereits eine Pumptrack-Anlage und ein Unihockeyfeld auf dem Platz.

Eine teure Tiefgarage für wen?

Das zweite Projekt und zugleich der zweite Aufreger verbirgt sich unter dem Chilbiplatz. Wir blicken über zehn Jahre zurück, als der Entscheid gefällt wurde, auf dem einstigen Areal der Landi-Tankstelle eine Tiefgarage zu bauen.

Den Baukredit in Höhe von rund 4,3 Millionen Franken genehmigte die Gemeindeversammlung nach einer hitzigen Debatte im Herbst 2014. Damals empfahl die RPK den Antrag zur Ablehnung. Das Bedürfnis nach neuen Parkplätzen in Egg sei zu klein, um eine so hohe Investitionssumme zu rechtfertigen. Zudem sei der Selbstfinanzierungsgrad mit 30 Prozent zu gering. «Was wir nicht finanzieren können, muss die kommende Generation übernehmen.»

Ein Egger fragte sich derweil, für wen die Tiefgarage gebaut wird: Für die eigene Bevölkerung oder für Auswärtige? Der damalige Gemeindepräsident argumentierte, dass es auch viele Aussenwachten gebe, die von der Garage profitieren würden. Letztlich würden aber alle bezahlen, um zu parkieren.

Feierlich eingeweiht wurde die Tiefgarage Ende 2017. Gekostet hatte das Projekt letztlich 3,4 Millionen Franken. Denn die Gemeinde erhielt eine Entschädigung von rund einer Million Franken für den Mehrwert der Erstellung privater Wohnbauten auf dem Rietwis-Areal. Mit diesem Betrag wurde bereits zuvor gerechnet.

Viele Parkmöglichkeiten

Mittlerweile wird die Tiefgarage von diversen Anspruchsgruppen genutzt. Dazu gehören gemäss Zerobin – abgesehen von Cafébesuchern und Einkaufenden – auch Mitarbeitende der Gemeinde. Aber auch bei Grossanlässen oder dann, wenn bei privaten Tiefgaragen Sanierungen anstünden, würden die Menschen ihre Autos in der Garage abstellen.

Platz hätte es allerdings für noch mehr. «Bei der Auslastung der Tiefgarage gibt es noch Luft nach oben.» Schaut man sich in der näheren Umgebung um, findet man bereits viele Abstellmöglichkeiten. Keine 100 Meter entfernt befindet sich eine Filiale der Migros und der Rhyner Haushalt Multimedia AG – inklusive Parkplätzen. Ausserdem stehen Besucherparkplätze von Mehrfamilienhäusern und blaue Zonen zur Verfügung.

Aussenansicht der Migros in Egg.
Rund um die Tiefgarage gibt es bereits viele Parkmöglichkeiten. (Archiv)

Aber wen will man denn mit der Tiefgarage ansprechen? «Das Ziel damals war, die Parkplätze von oben in den Untergrund zu bringen. Dies wurde auch erreicht», erklärt Zerobin. Eine Zielgruppe im klassischen Sinne gebe es nicht. «Der Mix im Zentrum ist gut», schätzt der Gemeindeschreiber die Situation ein. Zumindest hätten die Verwaltung keine negativen Rückmeldungen erreicht.

Mehr Kosten als Einnahmen

Eine Reaktion eines unzufriedenen Bürgers war erst noch im letzten Herbst zu vernehmen. Dieser erkundigte sich beim Gemeinderat über eine schriftliche Anfrage zu den Kosten, Einnahmen und zur Auslastung der Tiefgarage. Wie der Antwort zu entnehmen ist, beliefen sich die Ausgaben für die Reinigung, den Liftservice und die Stromkosten 2023 auf 40’000 Franken. Eingebracht hatten die Parkgebühren aber lediglich 10’000 Franken.

Auf Anfrage gibt die Gemeinde die neusten Daten für das Jahr 2024 an. Einnahmen von 15’000 Franken stehen Ausgaben von 40’000 Franken gegenüber. Der Unterhalt der Tiefgarage kostet im Umkehrschluss also mehr, als sie einbringt.

Zufahrt zu einer Tiefgarage in Egg.
Diese Tiefgarage kostete die Gemeinde Egg letztes Jahr 25’000 Franken.

Gemeindeschreiber Tobias Zerobin sagt dazu: «Bei einer Vollkostenrechnung kann keine schwarze Null dabei herausschauen.» Im Idealfall sollten allerdings die Kosten für den Unterhalt gedeckt werden können. Massnahmen für eine bessere Auslastung der Tiefgarage sind aber keine geplant.

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