Kassenklingeln und Satzzeichen-Krimi: So lief die Gemeindeversammlung in Turbenthal
Die Turbenthaler Bevölkerung kann sich über ein solides finanzielles Fundament freuen. Warum es an der Gemeindeversammlung doch noch kleinere Diskussionen gab.
«Ich will Sie nicht langweilen mit Zahlen, die Sie nachher von den einzelnen Behördenmitgliedern sowieso detailliert hören werden», eröffnete Gemeindepräsident René Gubler (FDP) die Turbenthaler Gemeindeversammlung vom Montag vor 52 Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern.
Er deutete schon zu Beginn an, dass man von einer speditiven Sitzung ausgehen könne. Wer an diesem Abend einen Skandal erwartet hätte, wäre denn auch enttäuscht worden.
Für unerwartete Spannung sorgte ein Antrag eines Bürgers bezüglich der Siedlungsentwässerungsverordnung. Die vom Gemeinderat zur Abstimmung vorliegenden Anpassungen und Ergänzungen sehen unter anderem vor, dass Dachwasser seit geraumer Zeit nicht mehr direkt in die Kanalisation geleitet werden darf.
Dem Bürger ging es bei seinem Antrag um nicht mehr und nicht weniger als zwei Satzzeichen: Er wollte in einer neuen Textpassage eine Klammer in ein «und» ändern. In Verordnungen und Gesetzen sollten seiner Meinung nach keine Klammern verwendet werden, «sie stehen dafür, dass etwas auch weggelassen werden könnte, und das trifft in diesem Fall nicht zu».
Der Souverän folgte sowohl der Empfehlung des Antragstellers für das «und» als auch der des Gemeinderats für die Änderungen insgesamt und hiess diese einstimmig gut.
Sanfter Gegenwind bei Feuerwehrdepot-Bau
Ein kurzes Aufbegehren regte sich dann doch noch bei der Bevölkerung: nämlich als es um die Bauabrechnung für den Neubau des Feuerwehrgebäudes in Schmidrüti ging. Der Kredit wurde um 28’000 Franken überschritten. Grund dafür war der Bau einer Photovoltaikanlage auf dem Dach des Gebäudes.
«Warum hat der Gemeinderat keinen Nachtragskredit für die Photovoltaikanlage auf dem Dach beantragt?», lautete die kritische Frage eines Einwohners. «Dies war beim Glasfaseranschluss ja auch der Fall.»
Gemeindeschreiber Jürg Schenkel antwortete, dass der Glasfaseranschluss durch die Überwachungskamera des Werkdiensts erforderlich geworden sei. «Deshalb konnten die Kosten nicht dem Baukredit des Feuerwehrgebäudes belastet werden.»
Auch von der Rechnungsprüfungskommission (RPK) wurde das korrekte Vorgehen bestätigt. Mit nur einer Gegenstimme konnte das Geschäft dann aber problemlos durchgewinkt werden.
Positive Bilanz bei den Schulen …
Der Rest des Abends war geprägt von «eitel Sonnenschein». Denn die Jahresrechnungen waren durchs Band tiefschwarz – sowohl bei der Politischen als auch bei den beiden Schulgemeinden.
Besonders für die Primarschule ist dies ein grosser Erfolg. «Wir konnten zuletzt im Jahr 2013 ein positives Ergebnis ausweisen», sagte Primarschulpräsident Ueli Laib (parteilos) sichtlich erfreut. «Unsere strenge Kostenkontrolle scheint Früchte zu tragen.» Die Rechnung schliesst bei einem Aufwand von 16,3 Millionen Franken und einem Ertrag von 16,7 Millionen Franken mit einem Plus von 460’000 Franken ab.
Auch die Sekundarschule darf sich über einen Gewinn freuen: Bei einem Aufwand von 5,9 Millionen Franken und einem Ertrag von rund 6 Millionen Franken erwirtschaftete die Schule einen Ertragsüberschuss von gut 100’000 Franken.
… und der Politischen Gemeinde
«Wir konnten das Jahr einmal mehr gut abschliessen», verkündete ein stolzer Gemeindepräsident, als er die Zahlen der Politischen Gemeinde präsentierte. Einem Aufwand von gut 33 Millionen Franken steht ein Ertrag von 34,4 Millionen Franken gegenüber. Damit weist die Rechnung ein Plus von knapp 1,4 Millionen Franken aus.
Dieses erfreuliche Ergebnis sei wiederum vor allem den hohen Grundstückgewinnsteuern geschuldet. «Im Moment füllt das rege Bauen unser ‹Kässeli›, doch irgendwann ist alles bebaut», mahnte René Gubler zur Vorsicht. Turbenthal schwimme nicht im Geld, «wir müssen auch weiterhin investieren und Projekte planen, um eine attraktive Gemeinde zu bleiben». Die drei Rechnungen wurden alle einstimmig angenommen.
Dass die von ihm als «Perle im Tösstal» betitelte Gemeinde einiges zu bieten hat, stellte der Gemeindepräsident abschliessend unter Beweis. Er kündigte nicht nur die Festivitäten zur 1200-Jahr-Feier Turbenthals an. Auch für die am Samstag bevorstehende Zukunftswerkstatt «Turbi 2040» rührte er die Werbetrommel. Dort können sich die Einwohnerinnen und Einwohner mit Ideen einbringen, wie ihre Gemeinde in Zukunft aussehen soll.