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Frauenstreik – wer geht hin?

Darum demonstrieren diese Oberländerinnen am Frauenstreik in Zürich

Aus dem Oberland an den feministischen Streik nach Zürich: Wir haben Demo-Teilnehmerinnen gefragt, für welche Anliegen sie auf die Strasse gehen.

Mit klaren Forderungen unterwegs: Nina Diem (links) und Yael mit ihren Schildern für den feministischen Streik.

Fotos: Eleanor Rutman/Bettina Schnider

Am Samstag gingen in der ganzen Schweiz Frauen für ihre Rechte auf die Strasse. Wir haben Demo-Teilnehmerinnen in Uster und Wetzikon am Bahnhof abgefangen und gefragt, wofür sie kämpfen, wenn es um Feminismus geht.

Autorinnen: Eleanor Rutman und Bettina Schnider

Nicht nur in Zürich, auch im Zürcher Oberland war der feministische Streik 2025 sichtbar. In Wetzikon und Uster waren an den Bahnhöfen Frauen, die violette Tücher oder Taschen trugen und klare Botschaften hatten: Für faire Löhne, bessere Betreuungsangebote oder für die Selbstbestimmung über den eigenen Körper.

All diese Menschen waren unterwegs an die Demonstration zum 14. Juni in Zürich, die auf der Rudolf-Brun-Brücke begann. Rund 10’000 Menschen zog es für die Rechte der Frauen auf die Strasse, wie der «Tages-Anzeiger» vermeldet.

Demonstration
Rund zehntausend Teilnehmerinnen – und einige Teilnehmer – sind bei der Frauendemo durch die Innenstadt gezogen.

Am Bahnhof Uster und Bahnhof Wetzikon haben wir Teilnehmerinnen nach ihren Beweggründen gefragt. Ihre Antworten zeigen: Feminismus ist kein städtisches Elitenthema – er betrifft den Alltag in der Region genauso wie in den grossen Städten.

Der Internationale Frauentag wird am 8. März gefeiert. In der Schweiz ist aber der 14. Juni von grösserer Bedeutung. Am 14. Juni 1981 wurde ein Gegenvorschlag zur Gleichberechtigungsinitiative angenommen. Der Grundsatz der Gleichstellung von Frauen und Männern ist seither in der Verfassung verankert. Zehn Jahre später, am 14. Juni 1991, fand ein erster landesweiter Frauenstreik statt. Die Teilnehmenden protestierten damit gegen die zögerliche Umsetzung des Verfassungsartikels. Der Streik 1991 war die grösste öffentliche Mobilisierung seit dem Landesstreik 1918. Auch 2019 sorgte der Frauenstreik mit schweizweit über einer halben Million Teilnehmenden für grosses öffentliches Aufsehen. (bes)

Ob Psychologin, Sozialarbeiterin oder Schülerin – sie alle fordern Gerechtigkeit. Denn alle sind sich einig: Von Gleichstellung ist man in der Schweiz noch weit entfernt.

«Wir wollen ernst genommen werden»

Zwei junge Frauen in rosarot und pink.
Denya Cantore (l.) und Nina Diem gefällt der «Vibe» am Feminstischen Streik: Er sei stark und sicher.

Die beiden Ustermerinnen Nina Diem und Denya Cantore strahlen über beide Ohren, sie freuen sich auf den Nachmittag unter den Demonstrierenden an der prallen Sonne. «Ich mag den Vibe und das Zugehörigkeitsgefühl.» Beim Streik mitzulaufen fühle sich für Cantore befreiend an. Für ihre Kollegin Diem gibt es keinen Grund, gegen den Feminismus zu sein.

Cantore sagt, dass sie bei ihrer Arbeitstelle als Sozialarbeiterin viele Frauen gibt, welche auf eine gute Art führten. «Aus meiner Sicht arbeiten die Frauen einfach effizienter», das sage sogar der Bereichsleiter, der ein Mann sei.

«Frauen sehen einfach schneller, was zu tun ist», ergänzt Diem. Sie hingegen wünscht sich, mit den Männern endlich auf Augenhöhe zu stehen, sprich allgemein von den Männern ernster genommen zu werden und dass Männer den Frauen auch einmal zuhörten. Sie führt ein Plakat mit sich, auf dem steht «Frau: Ich bin für Gleichbere … – Mann: Denn gönd doch zerscht Mal is Militär.»

«Nicht nur für Frauen in der Schweiz»

Man sieht zwei junge Frauen mit Protestschildern.
Yael (links) und Shanti haben ihre Schilder für die Demonstration in der Schule hergestellt.

Yael war letztes Jahr bereits am feministischen Streik dabei. «Ich will, dass alle die gleichen Rechte haben», sagt die 18-jährige Schülerin. «Nicht nur Frauen in der Schweiz, sondern in allen Ländern.» Ihr ist es wichtig, darauf aufmerksam zu machen, dass es immer noch grosse Ungleichheiten gibt.

Auf dem Weg nach Zürich ist Yael mit ihrer Kollegin Shanti. Die beiden haben zwei Demo-Schilder dabei, die sie in der Schule gemalt haben. Darauf steht in violetten Buchstaben: «No uterus, no opinion» (Deutsch: Keine Gebärmutter, keine Meinung) und der Slogan «My body, my choice» (Deutsch: Mein Körper, meine Entscheidung).

«Auch Schuldgefühle spielen eine Rolle»

Annemarie Horat, eine Frau mit roten Lippen, mittleren Alters.
Annemarie Horat geht jedes Jahr mit ihren Nichten an den Frauenstreik.

Annemarie Horat weiss noch nicht, wie lange sie am Streik bleiben wird dieses Jahr, denn die Hitze macht ihr etwas zu schaffen. Dennoch freut sie sich auf den Anlass und findet es wichtig, ein Zeichen zu setzen. «Vor allem für faire Löhne und Anstellungsbedingungen – aber auch für genügend und bezahlbare Kitas.»

Die Ustermerin geht seit vielen Jahren mit ihren Nichten an den feministischen Streik. Für sie ist es ein Anliegen, dass vor allem junge Mütter unterstützt werden. «Ich sehe einfach, dass die Hauptlast bei jungen Familien immer noch oft bei den Frauen liegt.» Da spiele der Druck in der Gesellschaft, die bei Frauen oft Schuldgefühle auslösten, eine grosse Rolle. «Wir haben sicher schon einiges erreicht, aber es darf noch mehr gehen.»

«Vielen Frauen fehlt das Geld im Alter»

Die 69-Jährige Franziska empfindet die Situation noch als überhaupt nicht fair, wenn man Löhne, Pensionskasse und Care-Arbeit anschaue. Sie arbeitet als Psychologin – auch über das Pensionsalter hinaus noch freiwillig weiter.

«Ich sehe Frauen rundherum, die mit ihrer Pensionskasse nicht durchkommen», sagt sie. Zudem hat sie eine Tochter, die nun selber kürzlich Mutter geworden ist «Das Geld, das sie in ihrer Teilzeitstelle verdient, ist für die Kita gleich wieder ausgegeben.» Das, während zur gleichen Zeit der Mann bei der Geburt des Nachwuchses befördert worden sei. «Frauen arbeiten auch voll und streng – meistens wird dies einfach nicht gesehen, weil es sich um Care-Arbeit Zuhause handelt.» Dafür sei noch keine gerechte Lösung da.

«Ich hoffe, es bleibt friedlich»

Zum ersten Mal beim feministischen Streik dabei ist Mina. Auf ihrer Bauchtasche hat sie aber bereit einen Button mit der Aufschrift 14. Juni. «Den habe ich im Brocki gefunden», sagt sie mit Freude.

Die 16-jährige Oberländerin wird sich in Zürich mit Kolleginnen treffen, um gemeinsam die Demo zu besuchen. Ein besonderes Anliegen für den Streik hat Mina nicht. Alle Themen könne sie unterstützen. «Ich finde es einfach wichtig, dabei zu sein.»

Was sie in Zürich erwartet, weiss sie dank ihrer Kolleginnen. Etwas ist ihr dabei ganz wichtig: «Ich hoffe natürlich, es bleibt friedlich.»

«Männer bekommen immer mehr als Frauen»

Diese Frauen gehen nach Zürich an den Streik.
Heidi Baltensperger fährt fast jedes Jahr nach Zürich, um an der Demo mitzulaufen.

Heidi Baltensperger hält sich kurz und knapp: «Ich finde den Frauenstreik eine gute Sache.» Die 82-Jährige aus Uster geht fast jedes Jahr hin. Sie ist motiviert und hat gegen die Hitze sogar einen kleinen Ventilator mitgebracht. Sie will ein Zeichen setzen für die Gleichberechtigung, vor allem was Löhne betrifft: «Männer bekommen immer mehr als Frauen. Das muss sich jetzt ändern.»

«Es ist noch nicht so, wie wir es gerne hätten»

Am 14. Juni an die Demonstration nach Zürich zu fahren, ist für Andrea fast schon eine Tradition. Meistens nimmt sie am Protest mit Arbeitskolleginnen teil.

Die Oberländerin ist im Bildungsbereich tätig. «In meinem Alltag sehe ich oft, wie festgefahrene Muster das Verhalten von uns allen prägen.» Es ist ihr ein grosses Anliegen, dass alte Rollenmuster aufgebrochen werden. Gleichzeitig geht es für sie auch um Solidarität. «Ich in meinem Alltag habe nicht viele Gründe, für mich Dinge einzufordern. Aber gesamtgesellschaftlich ist es einfach noch nicht so, wie wir es gerne hätten.»

Der feministische Streik ist für sie aber auch immer ein sehr starker Moment. «Männer erleben das vielleicht häufiger», meint sie, «aber für uns Frauen gibt es wenige Orte, wo wir in grosser Zahl zusammenkommen und zusammen laut sind.»

Anmerkung: Nicht alle befragten Demo-Teilnehmerinnen wollten ihren Nachnamen preisgeben oder auf einem Foto erscheinen. Deshalb steht bei einigen Frauen nur der Vorname.

Diese Accessoires durften bei der Hitze nicht fehlen

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