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Politik

Energiepolitik im Tösstal

Zu teuer: Gemeinde Zell gibt Energiestadt-Label ab

Nach über 10 Jahren legt die Gemeinde Zell das Energiestadt-Label ab. Sie ist nicht die einzige Gemeinde, in der dieses kritisch beäugt wird.

Dieses Schild hängt nicht mehr lange: Die Gemeinde Zell will künftig keine Energiestadt mehr sein.

Foto: Noah Salvetti

Zu teuer: Gemeinde Zell gibt Energiestadt-Label ab

Seit über zehn Jahren trägt die Gemeinde Zell das Energiestadt-Label. Nun steigt sie aus dem Programm aus – und das, obwohl sie noch bis 2027 zertifiziert wäre.

Subtil und doch einprägsam begrüsst es einen an so manchem Ortseingang: das Energiestadt-Schild. Damit schmücken dürfen sich Gemeinden, die Teil des Trägervereins Energiestadt sind und alle vier Jahre eine Überprüfung in verschiedenen Bereichen durchlaufen – so auch Zell.

Das Label zeichnet Gemeinden aus, die «überdurchschnittliche Anstrengungen in der kommunalen Energie- und Klimapolitik» unternehmen. Zell mit seinen 6800 Einwohnern gehört ab Ende Jahr nicht mehr zu den Trägerinnen des Labels. Das hat der Gemeinderat kürzlich bekannt gegeben.

Er begründet den Austritt mit dem Kosten-Nutzen-Verhältnis. «Der verbundene Aufwand ist im Verhältnis zum tatsächlichen Nutzen unverhältnismässig», schreibt er. Zum Programm gehören etwa ein Angebot an Informationen, Beratungen und Veranstaltungen rund um Energiefragen.

In den Jahren 2021 bis 2024 kostete das Label die Gemeinden zwischen rund 6500 und knapp 23’000 Franken – Tendenz steigend. Am teuersten war es 2023, als die letzte Überprüfung stattfand – sie allein schlug mit rund 18’500 Franken zu Buche.

Noch nicht eingerechnet ist in diesen Zahlen der interne Personalaufwand. Dieser fällt laut dem zuständigen Gemeinderat Emil Ott (parteilos) für die Datenerhebungen im Rahmen der Zertifizierung an.

Einen weiteren Grund für den Austritt sieht die Gemeinde im veränderten Verhalten ihrer Einwohner: Das Informationsbedürfnis habe sich stark verändert, und es bestehe kaum noch ein Bedürfnis nach energiebezogener Beratung vonseiten der Gemeinde. Stattdessen informieren sich Interessierte selbst, etwa übers Internet.

Keine Angst vor Imageschaden

In Energiestädten gibt es Arbeitsgruppen oder Kommissionen, die für die Aktivitäten im Rahmen des Programms verantwortlich sind. In Zell solle die aktuell fünfköpfige Energiekommission «zahlenmässig reduziert» und mit der Umweltkommission zusammengeführt werden, erklärt Ott auf Anfrage, «sodass auch in dieser Hinsicht Ressourcen eingespart werden können». Voraussetzung dafür ist, dass die Gemeindeversammlung dem zustimmt.

Mit dem Austritt endet eine kleine Ära – seit 2008 war Zell Mitglied des Trägervereins, seit 2011 Energiestadt. Emil Ott erklärt es so: «Der Beitritt erfolgte vor allem mit dem Ziel, den gemeindeeigenen Energiehaushalt in ein besseres zukunftsorientiertes Lot zu bringen.»

E-Ladestationen im Zürcher Oberland.
Turbenthal ist die einzige verbleibende Energiestadt-Gemeinde im Tösstal. Hier gibt es etwa die bisher einzige Schnellladestation im Tal.

Zwischenzeitlich habe sich die Gemeinde energie- und ressourcenbewusst so ausgerichtet, dass dies nun auch unabhängig vom Energiestadt-Label funktioniere. Befürchtungen, dass Zell ohne den Titel Energiestadt an Attraktivität einbüsst – mit dem Imagegewinn wirbt immerhin auch der Trägerverein –, hält Ott für unbegründet.

Ähnlich sehen das die Nachbardörfer. Abgesehen von Gold-Mitglied Turbenthal trägt keine Tösstaler Gemeinde das Label. So hat man sich etwa in Wila schon mehrmals gegen einen Beitritt entschieden – des Geldes wegen. Und der Wildberger Gemeindepräsident Dölf Conrad (SVP) bezeichnete das Prädikat in der Vergangenheit als «Papiertiger». Auch in anderen Gemeinden gab es bereits Kritik an dem Label.

Als Energiestadt wird sich die Gemeinde Zell nun – trotz Zertifizierung bis 2027 – noch bis Ende Jahr bezeichnen. Danach wird sie auch die Schilder an den Ortseingängen abmontieren.

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