Das Wachstum bereitet Volketswilern mehr Sorgen als Hoffnung
Die Gemeinde Volketswil informierte am Montag über zwei neue kommunale Richtpläne. Besonders die Themen Schule und Verkehr wurden von den Anwesenden kritisch hinterfragt – jeweils mit Blick auf das zunehmende Wachstum.
2023 erstellte Volketswil ein neues Gesamtverkehrskonzept. Darauf aufbauend haben nun zwei Arbeitsgruppen einen neuen Verkehrs- sowie einen neuen Siedlungs- und Landschaftsrichtplan erarbeitet. Letzterer lag bereits öffentlich auf, der Richtplan Verkehr tut dies nun seit vorletzter Woche.
Am Montag informierten die Verantwortlichen über beide neuen Richtpläne. Ziel war es, die Fortschritte vorzustellen. Stephan Schubert von der Planpartner AG erläuterte einige wichtige Punkte der Revision des Richtplans Siedlung und Landschaft. Er sagte: «Es war schwierig, eine Balance zwischen Siedlungserweiterung und Verdichtung zu finden.» Als Beispiele nannte er Kindhausen und Gutenswil, wo es aufgrund von Begrenzungen des Kantons und wegen der Kritik der Bevölkerung keine Erweiterungen geben wird.
Im revidierten Richtplan werde neu auch zwischen Erholungs- und Freihaltegebieten unterschieden. «Diese Trennung erlaubt uns eine klarere Zielsetzung.» Ein weiterer Fokus des Plans sei die Überdeckung der Autobahn. «Dass das umgesetzt wird, ist uns ein grosses Anliegen.» Deshalb wurde dieser Vorschlag auch im Plan ausformuliert. Schubert wies aber darauf hin, dass es sich dabei um einen Wunsch an den Kanton handle – und nicht um eine verbindliche Vorgabe.
Fokus auf den öffentlichen Verkehr
Oscar Merlo von der Teamverkehr AG informierte über die Schwerpunkte des Richtplans Verkehr: «Wir wollen ressourcenschonend planen. Und ressourcenschonend ist in diesem Fall der öffentliche Verkehr.» Das Ziel sei demnach, die Erschliessung durch den ÖV zu verbessern. «Das ermöglicht auch eine Verdichtung des Wohnraums.»
Der Autoverkehr soll laut Richtplan stabilisiert, aber nicht unbedingt ausgebaut werden. Höchstes Ziel sei die Verkehrs- und Schulwegsicherheit, weshalb an vielen Strassen der Verkehr beruhigt werden solle. Merlo betonte: «Wir wollen dabei keine flächendeckende Einführung von Tempo-30-Zonen.» Vielmehr sollten breit abgestützte Anträge aus der Bevölkerung geprüft werden.
Wird Volketswil überrannt?
Neben der Information wollten die Organisatoren der Veranstaltung der Bevölkerung auch die Möglichkeit geben, Fragen zu stellen. Und solche hatten die rund 70 Anwesenden auch.
Zum Thema Schulplanung kamen am meisten Fragen auf. Mehrere Bürger äusserten ihre Sorge über die ausgelasteten Kapazitäten der Schulen. So sehen sie in den steigenden Schülerzahlen das Problem, das durch die Luegisland-Überbauung in Gutenswil und den Innovationspark auf dem Flugplatz Dübendorf noch befeuert wird. Ein Mann sagte: «Für mich wird in den Plänen zu wenig Gewicht auf die Schulplanung gelegt.»
Stephan Schubert reagierte beschwichtigend. «Wir und die Schulen sind bereits mit der Vorausplanung beschäftigt. Wo möglich, wird aufgestockt, und auf verfügbaren Plätzen können Provisorien in Form von Modulbauten errichtet werden.»
Einem anderen Bürger war klar: Das Wachstum bringt nicht nur mehr Kinder, sondern auch mehr Wohnungsbedarf. Er fragte: «Wie will Volketswil mit diesem Ansturm umgehen?» Gemeindepräsident Jean-Philippe Pinto (Die Mitte) relativierte: «Alle Gemeinden um uns herum sind bereits am Bauen. Dadurch kommt nur ein Bruchteil der neuen Arbeitskräfte vom Innovationspark auf uns zu.» Und Schubert ergänzte: «Eine Idee im Richtplan ist es, an der Zürcherstrasse mehr Gewerbe und auch Wohnraum anzusiedeln.»
Ein Balanceakt
Durch mehr Anwohner gibt es auch mehr Verkehr – dieser Meinung war ein weiterer Mann im Publikum. Er fragte: «Wie schafft Ihr im Richtplan Verkehr einen Ausgleich zwischen dem Willen der Privaten und dem Allgemeinwohl?» Oscar Merlo antwortete: «Das ist eine grosse Herausforderung. Unser Ziel ist es, den Verkehr so verträglich wie möglich zu führen, sodass er fliesst, aber die Anwohner nicht zu sehr stört.»
Nachdem die Volketswiler Bürger die Verantwortlichen eine Stunde lang mit Fragen gelöchert hatten, streckten nach Ablauf der Zeit noch immer Hände in die Luft. Trotzdem wurde die Versammlung pünktlich beendet. Bis zum 22. Juli können jedoch noch Einwendungen gegen den Richtplan Verkehr eingereicht werden. Am 17. April 2026 wird der Plan nach seiner Überarbeitung dann vor die Gemeindeversammlung kommen. Auf der Basis der Richtpläne wird schliesslich die Bau- und Zonenordnung revidiert.
