Ersatzwahl von Vorwürfen überschattet
Postenschacher in Fällanden?
Die RPK-Wahl in Fällanden ist nach dem Rückzug des parteilosen Kandidaten von Misstönen begleitet. Der pensionierte Betriebswirtschafter wirft den Ortsparteien vor, sie würden die Ämter untereinander ausmachen.
Nach dem Tod von Alexander Hunkeler (Die Mitte) wird in Fällanden ein Ersatz für die Rechnungsprüfungskommission (RPK) gesucht. Für die Wahl am 18. Mai haben sich offiziell zwei Kandidaten gemeldet: Balz Kündig (parteilos) und Andreas Niederer (Die Mitte). Der Rückzug von Kündig hat nun für Unruhe in der Gemeinde gesorgt.
In einem Leserbrief in den Lokalmedien ist von «Postenschacher» die Rede. Also der Vorwurf, dass sich die Ortsparteien untereinander absprechen und gegenseitig Ämter zuschanzen.
Hinter dieser Aussage steht auch Balz Kündig. Er habe sich bei sämtlichen Ortsparteien schriftlich vorgestellt und seine Motivation für das Amt bekannt gegeben.
Sollen sich andere Personen durch den Kakao ziehen lassen.
Balz Kündig
Ehemaliger RPK-Kandidat
Die Reaktion sei ernüchternd gewesen. «Es hiess, ich hätte keine Chance, ins Amt zu kommen. Die Unterstützung von Mitte-Kandidat Andreas Niederer sei mit den anderen Parteien abgestimmt.»
Die SP habe erst wissen wollen, was die Partei von seiner Kandidatur habe. Von der FDP habe er gar keine Rückmeldung bekommen, und die SVP habe ihm eine Mitgliedschaft in ihrer Partei nahegelegt, er solle aber vorerst auf die Kandidatur verzichten. Die Mitte unterstützt logischerweise ihren eigenen Kandidaten.
Kein Kandidat für GLP und SP
Für GLP-Präsidentin Maia Ernst ist der Vorwurf des Postenschachers haltlos. «Wir haben die RPK-Wahl nicht mit anderen Parteien abgestimmt.» Im E-Mail an Kündig, das der Redaktion vorliegt, schreibt sie: «Es freut mich, dass Sie sich in der Gemeinde in der RPK engagieren wollen.» Die GLP Fällanden habe aber bereits vor geraumer Zeit beschlossen, den von der Mitte aufgestellten Kandidaten zu unterstützen. «Wir können daher keinen anderen Kandidaten unterstützen.»
Seine Gesinnung hat nicht zu uns gepasst.
Martin Oeschger
RPK- und SP-Präsident
Danach empfiehlt sie Kündig, an den Erneuerungswahlen im nächsten Jahr teilzunehmen. «Es ist davon auszugehen, dass 2026 Mitglieder aus der RPK austreten werden. Ihre Chancen wären also gut.»
Die Frage, welche Ansichten Balz Kündig vertritt, war SP-Parteipräsident und RPK-Präsident Martin Oeschger wichtig: «Er muss zu unserer Partei passen.» Nach dem Telefongespräch mit Kündig war für Oeschger jedoch klar: «Seine Gesinnung hat nicht zu uns gepasst.»
Die SP gibt für die RPK-Nachfolge keine Wahlempfehlung ab. Auch Oeschger distanziert sich vom Begriff Postenschacher: «Den gibt es in Fällanden überhaupt nicht.» Es sei eher so, dass sich in vielen Fällen zu wenige Kandidaten für ein Amt zur Wahl stellen würden.
Rat zum Rückzug
SVP-Präsident Huldrych Thomann sieht das ebenso. «Parteien sind keine Klubs, die einander Posten zuschanzen.» Er habe sich persönlich mit Kündig getroffen, dabei sei es aber nicht um die Ersatzwahl gegangen, sondern um die Erneuerungswahlen im nächsten Jahr.
Wir haben nicht vor, der Mitte den Sitz wegzunehmen.
Huldrych Thomann
SVP-Präsident
Auf diese hin habe er mit Balz Kündig eine mögliche Unterstützung der SVP besprochen. «Lieber wäre uns aber, ein Parteimitglied zu portieren», sagt Thomann. Deshalb habe er ihm auch eine SVP-Mitgliedschaft angeboten.
Weil Kündig für die Nachfolge von Hunkeler kandidieren wollte, machte Thomann ihm gegenüber klar: «Das unterstützen wir nicht. Wir haben nicht vor, der Mitte den Sitz wegzunehmen.» Der SVP-Präsident riet Kündig in einer E-Mail, seine Kandidatur zurückzuziehen, damit er dann mit guten Chancen zu den Gesamterneuerungswahlen antreten könne.
Die Antwort darauf war Kündigs Rückzug und dessen Kommentar per E-Mail: «Scheindemokratische Prozesse und ähnliche Leerläufe sind nicht mein Ding. Sollen sich andere Personen durch den Kakao ziehen lassen.»
«Verantwortungslose Parteien»
Kündig fühlt sich nach dem Austausch zu keiner der Ortsparteien hingezogen, im Gegenteil: «Ich finde es verantwortungslos, wie die Parteien entscheiden. Sie hinterfragen nicht, wer die richtigen Fähigkeiten für das Amt mitbringt.»
Der pensionierte Betriebswirtschafter, der als Stimmenzähler in der Gemeinde sowie als Unterrichtsunterstützung in der Primarschule aktiv ist und Vorstandsmitglied des Dorfvereins war, hatte nach den Rückmeldungen der Parteien genug und zog seine Kandidatur zurück.
Ob er stattdessen an den Erneuerungswahlen im nächsten Jahr teilnehmen wird, wenn alle Ämter wieder zur Wahl stehen, weiss Kündig noch nicht.