Projekt für neue Badi Auslikon ist einen Schritt weiter
Neubau für über 6 Millionen Franken
Am Montagabend hatte das Parlament Wetzikon nicht nur zwei Baukredite gutgeheissen, sondern auch viele Fragen an den Stadtrat auf Lager.
«Braucht ihr noch mehr Stühle da oben?», fragte Rolf Müri (SVP), als er am Montagabend als Erster das Rednerpult betritt und in die Tribüne hinaufschaut. Die 101. Wetziker Parlamentssitzung ist gut besucht, die lange Traktandenliste interessiert.
Zu Recht, denn die Mitglieder behandelten wichtige Projekte, wie beispielsweise die Sanierung des Strandbads Auslikon. Die Infrastruktur der Badi am Pfäffikersee ist in die Jahre gekommen. «Wir hoffen, dass der Neubau im Jahr 2025 steht», sagte Corsin Camenisch, Leiter Geschäftsbereich Sicherheit, Sport und Kultur der Stadt Wetzikon, damals im Sommer 2023. Getan hat sich seither nicht viel. Doch jetzt soll das Projekt vorangehen.
Der Baukredit von 6’340’000 Franken hiess das Parlament am Montagabend gut. Jedoch gaben die Kosten zu reden. «Brauchen wir eine Badi für über 6 Millionen Franken, wenn sich Egg eine neue Badi für eine Million leisten kann?», fragte Zeno Schärer (SVP) in die Runde und verglich das Projekt mit der Seebadi am Greifensee. Auch Sven Zollinger (FDP) fand im Namen der FDP/EDU-Fraktion: «Es ist jenseits von dem, was sich Wetzikon eigentlich leisten kann.»
Konzession auf der Kippe?
Der ausschlaggebende Punkt, dem Baukredit zuzustimmen, war die auslaufende Konzession des Kantons. Denn diese könnte verloren gehen, wenn der Neubau nicht bald umgesetzt würde. Obwohl es sich dabei nur um Vermutungen handelt, stimmte das Parlament mit 21 Ja- zu 11 Nein-Stimmen und 2 Enthaltungen schliesslich dem Kredit von 6’340’000 Franken zu.
Für die SP ist klar: Die Investition wird vielen Wetzikerinnen und Wetzikern, künftigen Generationen, wie auch Gästen aus der Region Erholung und Vergnügen bieten. Auch die Brücken-Fraktion ist sich einig, dass die Badi Auslikon ein «echtes Juwel am Pfäffikersee» ist.
Im Herbst 2025 kommt das Geschäft nun vors Volk. Sagt auch dieses Ja zum Kredit und liegt die Baubewilligung bis im Sommer vor, sollen die Arbeiten im Herbst 2026 beginnen und im besten Fall zu Beginn der Badesaison 2027 abgeschlossen sein.
23 Millionen fürs Schulhaus Bühl
Der Neubau der Badi war nicht das einzige teure Projekt auf der Traktandenliste. Im Schulhaus Bühl in Unterwetzikon führt das Bevölkerungswachstum zu Platzproblemen. Die Schulraumplanung weist bis 2028 einen Bedarf von 12 Klassenzimmern aus.
Für den Erhalt des Schulbetriebs ist die Erweiterung der Anlage dringend notwendig, was auch die Stadträtin Sandra Elliscasis (FDP) am Montagabend nochmals betonte: «Schon heute sind die Klassenzimmer überfüllt, die Raumknappheit akut.»
Die Erweiterung des Primarschulhauses Bühl soll durch einen neuen Ersatzbau anstelle eines Schulhauses realisiert werden. Kostenpunkt: 22,8 Millionen Franken.

Ausser der SVP standen alle Parteien hinter dem Vorhaben. Sie verwiesen jedoch auf eine Sache. Und zwar auf das fehlende Verkehrskonzept für die Bauphase. Das sei ein Problem, denn die Wege seien bereits heute unübersichtlich. «Risiken sollen nicht in Kauf genommen werden», meinte Raphael Zarth (GP) und forderte den Stadtrat auf, mit der Verkehrsplanung anzufangen.
Mit 26 Ja- zu 8 Nein-Stimmen wurde der Baukredit vom Parlament angenommen. Es folgt eine Urnenabstimmung.
Fragen über Fragen
In der Fragestunde fragte die SVP den Stadtrat, weshalb die Wetziker Strompreise nicht gesenkt worden seien? Die Partei wunderte sich darüber, weil unter anderem die Jahresrechnung der Stadtwerke mit einem Gewinn von gesamthaft rund 2,5 Millionen Franken abgeschlossen wurde.
Stadtrat Heinrich Vettiger (SVP) verweist darauf, dass man im Strombereich während des Jahrs keine Anpassungen machen könne. «Wir beschaffen Strom in Tranchen und müssen diesen ein Jahr im Voraus einkaufen», erklärt Vettiger.
Werde über das Jahr weniger Strom gebraucht, gäbe es einen Überschuss, werde mehr gebraucht, ein Defizit. «Diese Differenzen müssen innert dreier Jahre wieder ausgeglichen sein. Aus diesem Grund wird kein Gewinn ausgeschüttet.» Dabei betonte Vettiger, dass die Stadt mit Strom nicht viel Gewinn machen könne, dies sei reguliert.
Ausgewählte Antworten
Während der Fragestunde erfuhr man unter anderem …
dass es in Wetzikon 2024 zwei Stromausfälle gab, bei denen insgesamt 7 Haushalte betroffen waren.
dass Beiträge von maximal 5000 Franken pro Jahr für die Städtepartnerschaft mit der calabresischen Partnergemeinde Badolato vonseiten Wetzikon aufgewendet werden.
dass sich das Pflanzen von Bäumen auf dem neuen H45-Platz schwieriger gestaltet, weil Werkleitungen bereits im Boden verlegt waren. Dennoch seien Bäume vor Ort geplant.
dass in Wetzikon eine neue Schulanlage geplant ist und erste Abklärungen auf Verwaltungsebene dazu laufen. Der Standort ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht definiert.
dass die Mängel der städtischen Website bis Ende Jahr behoben werden sollen. (alk)
Die Brücke-Fraktion fragte den Stadtrat ausserdem, wie die Parteien und Fraktionen für die Öffentlichkeit sichtbar Input zur laufenden Ortsplanungsrevision geben können. Einerseits würden sie zwar den kooperativen Prozess, den der Stadtrat für die Ortsplanrevision vorgesehen hat, begrüssen. Es ginge für sie aber zu weit, wenn Parlamentarier alle ihre eigenen politischen Aktivitäten für Themen, die in der Ortsplanungsrevision behandelt werden, einstellen müssten.
Stadtrat Stefan Lenz (FDP), der das Projektteam rund um die Ortsplanungsrevision leitet, verwies darauf, dass kein Gefäss für Parlamentarier vorgesehen ist. Aber auch Parlamentarier könnten sich an den öffentlichen Workshops einbringen und seien im Partizipationsverfahren herzlich willkommen.
Die weiteren Geschäfte
Die angepasste Leistungsvereinbarung mit der Pro Senectute wurde vom Parlament mit 32 Ja-Stimmen und 2 Enthaltungen angenommen und tritt rückwirkend per 1. Januar in Kraft. Sie ist bis 31. Dezember 2028 gültig.
Das Postulat der Fachkommission II, «Erneuerung der Zusammenarbeit der Stadt Wetzikon und der Spitex Bachtel AG», wurde mit 24 Ja-, 5 Nein-Stimmen und 5 Enthaltungen nicht abgeschrieben. Der Stadtrat hat nun sechs Monate Zeit, einen Ergänzungsbericht vorzulegen.
Der ergänzende Bericht zum Postulat «Kinderfreundliche Stadt» von Advije Delihasani (SP) wurde vom Parlament einstimmig abgeschrieben.
Das Postulat «Photovoltaik-Kostenstelle eröffnen» von Elmar Weilenmann (Die Mitte) wurde vom Parlament einstimmig abgeschrieben.
Rolf Müri (SVP) hat die Interpellation «Finanzielle Aufwendungen der Stadt Wetzikon für Asylsuchende» dem Stadtrat eingereicht.
Advije Delihasani (SP) wurde vom Parlament verabschiedet. Sie tritt per 25. Mai 2025 aus dem Stadtparlament zurück.
Helen Bisang (SP) ersetzt Advije Delihasani (SP) per Beginn des neuen Amtsjahrs 2025/2026 in der Rechnungsprüfungskommission.
Jonathan Assenberg (SP) ersetzt Brigitte Meier Hitz (SP) per 25. Mai in der Fachkommission II.
Die Motion «Kleinbus-Konzept für den ÖV in Wetzikon» wurde während der Parlamentssitzung in ein Postulat umgewandelt und wurde dem Stadtrat mit 18 zu 16 Stimmen überwiesen.
Das Postulat «Kein Autobahnanschluss in Wetzikon» wurde einstimmig nicht überwiesen, weil der Stadtrat zum möglichen Verzicht auf den Anschluss Wetzikon sowie zu den Grundsatzvarianten der unterschiedlichen Linienführungen Anfang März bereits Stellung genommen hat. (alk)
