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Wetzikon und Hinwil uneins wegen Anschluss an die Oberlandautobahn

Wetzikon setzt sich gegen einen Anschluss an die Oberlandautobahn ein. Doch wie stehen die umliegenden Gemeinden dazu? Hinwil ist jedenfalls nicht begeistert.

Dieses Gebiet möchte Wetzikon nicht mit einem Autobahnanschluss versehen lassen. (Archiv)

Foto: Simon Grässle

Wetzikon und Hinwil uneins wegen Anschluss an die Oberlandautobahn

Keine Auf- und Abfahrt

Wetzikon setzt sich gegen einen Anschluss an die Oberlandautobahn ein. Doch wie stehen die umliegenden Gemeinden zu dieser entschiedenen Haltung? Hinwil ist jedenfalls nicht begeistert.

Wetzikon wehrt sich gegen einen Anschluss an die Oberlandautobahn. So viel ist seit Montag klar. Von den verschiedenen Varianten, wie die Autobahnlücke zwischen Uster und Hinwil geschlossen werden könnte, präferiert die Stadt eine Direktverbindung mit einem langen Tunnel.

Planung für Lückenschliessung Oberlandautobahn, Autobahn mit allen Varianten, Stand September 2024
Wetzikon wünscht sich einen direkten Tunnel von Uster nach Hinwil, wie diese Variante hier in Violett markiert ist.

Damit passt die Wetziker Exekutive ihre Strategie an die Gegebenheiten an. Stadtrat Heinrich Vettiger (SVP), Vorsteher Tiefbau, Umwelt und Energie, sagt: «Seitdem die neue Variante ‹Tunnel tief lang› vorgestellt wurde, haben wir nochmals die Vor- und Nachteile gegeneinander abgewogen.»

Mit einem Anschluss in Wetzikon würde viel Kulturland verloren gehen, da für die Anbindung grosse Ausbauten der Infrastruktur nötig wären. Zudem ziehe ein Autobahnanschluss viel Verkehr an. «Dieser hätte eine grosse Magnetwirkung. Die Analyse vom Astra geht von 30’000 Autos aus, welche den Anschluss täglich nutzen würden», sagt Vettiger.

«Vorausgesetzt, dass es bei der Zufahrt zum Anschluss beim Flos keinen Stau gibt, wäre der einzige Vorteil eine geringe Zeitersparnis.» Doch diese stehe nicht im Verhältnis zu den negativen Punkten.

Auch Daniel Baldenweg, Präsident der Regionalplanung Zürcher Oberland (RZO), sagte im vergangenen Herbst: «Der Anschluss Uster Ost ist ja nicht so weit entfernt, und es hätte dann im Aatal auch weniger Verkehr.»

Eine Haltung mit Signalwirkung

Der definitive Entscheid über eine direkte Anbindung in Wetzikon obliegt dem Bundesamt für Strassen (Astra). Dennoch rechnet Wetzikon mit einer Signalwirkung, wenn die betroffenen Gemeinden auf einen Anschluss verzichten möchten. Doch was sagen die umliegenden Gemeinden dazu?

In Hinwil hat man keine Freude an der Haltung des Wetziker Stadtrats. «Der Gemeinderat ist der Ansicht, dass ein Verzicht auf den Anschluss in Wetzikon negative Folgen für die Gemeinde Hinwil hätte», sagt Gemeindeschreiberin Martina Buri. «Die Magnetwirkung des Verkehrsknotens Betzholz würde zusätzlich verstärkt – mit Folgen für die Verkehrswege auf Hinwiler Gemeindegebiet.»

Das Arbeitsplatzgebiet in Hinwil – also Flächen, die für Dienstleistungen und Gewerbe genutzt werden können – hat für den Hinwiler Gemeinderat überregionale Bedeutung und ein grosses Wachstumspotenzial. «Ohne den Anschluss Wetzikon findet eine Erschliessung für den motorisierten Verkehr nur noch über Hinwiler Gemeindegebiet statt.» Auch Personen, die mit dem Auto nach Wetzikon zur Arbeit pendelten, würden dann entweder den Zubringer in Hinwil oder denjenigen in Uster Ost nutzen.

«Die prognostizierte Verkehrsabnahme mit der Oberlandautobahn würde durch diese Entwicklung wieder eliminiert», ist Buri überzeugt. Eine Aufteilung der Verkehrslast fände somit nicht statt. «Der Gemeinderat bevorzugt daher einen Autobahnanschluss Wetzikon.»

In Uster hält man sich derweil noch bedeckt. «Der Stadtrat hat zu dieser Frage noch keinen Beschluss gefasst, deshalb kann ich inhaltlich zu dieser Frage keine Stellung nehmen», sagt Stadtrat Stefan Feldmann (SP), der für das Ressort Planung und Bau zuständig ist.

Andere wollen verzichten

Ihre Unterstützung für den Verzicht auf den Anschluss in Wetzikon sagt dafür die Gemeinde Seegräben zu, welche ihre Haltung mit Wetzikon abstimmte. Der Gemeindeschreiber von Seegräben, Marc Thalmann, schreibt auf Anfrage: «Nach Abwägung aller Auswirkungen überwiegt die weniger hoch ausfallende Belastung in Wetzikon.» Denn die Stadt würde mit einem Anschluss am meisten unter dem Mehrverkehr leiden.

In Seegräben hingegen falle die erwartete Entlastung zwar geringer aus, wenn so mancher weiterhin über das Aatal in Richtung Autobahnauffahrt Uster Ost fahre. Trotzdem werde sie immer noch spürbar sein. Die Gemeinde sei sich zudem bewusst, dass man bei einem Projekt wie der Oberlandautobahn Kompromisse eingehen müsse – solange keine Mehrbelastungen für Seegräben entstünden. Davon gehe man aber nicht aus.

Jetzt soll es vorwärtsgehen

Auch das südwestlich von Wetzikon liegende Gossau steht dem Verzicht einer direkten Anbindung an die Stadt offen gegenüber. «Bis jetzt haben wir die Variante ‹Tunnel tief› favorisiert. Die neue Variante schätzen wir sogar als noch besser ein», sagt Gemeindepräsident Jörg Kündig (FDP).

Für Gossau sei ein direkter Tunnel von Uster nach Hinwil also die präferierte Variante. «Es darf einfach nicht dazu führen, dass man mit der Prüfung dieser Variante nochmals Zeit verliert.»

Das Astra holte bis Ende März die Meinungen der Gemeinden zur Linienführung und zum Autobahnanschluss ab. Im Verlauf des nächsten Jahrs ist dann ein erster Grundsatzentscheid für eine Variante zu erwarten. Danach folgen weitere bürokratische und politische Hürden. Bis die ersten Autos die neue Verbindung befahren könnten, dürften voraussichtlich gut 20 Jahre vergehen.

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