Oetwil am See will kein Deponie-Hotspot sein
Widerstand gegen Pläne des Kantons
Die Oberländer Gemeinden Egg, Lindau, Hinwil und Maur wollen keine neuen Deponien auf ihrem Gebiet. Auch in angrenzenden Gemeinden regt sich Widerstand – so etwa in Oetwil.
Die Bevölkerung wächst, der Abfallberg ebenso. Der Kanton Zürich rechnet deshalb damit, dass bis in 40 Jahren 17 neue Deponien notwendig sind, um beispielsweise Abfall aus dem Baugewerbe oder verbrannten Klärschlamm zu lagern. Deshalb hat er kantonsweit 20 mögliche neue Standorte für Deponien und drei Erweiterungen bisheriger Anlagen ins Auge gefasst, darunter auch mehrere im Oberland.
Die Region würde mit fünf zusätzlichen Deponien zur grössten Lagerstätte im Kanton. Widerstand regt sich deshalb in Egg, Lindau, Hinwil und Maur. Dort lehnt man die kantonalen Vorhaben ab.
Sorge um die Landschaft
Verhältnismässig ruhig blieb es hingegen bislang in Oetwil am See, wo der Kanton gleich zwei Standorte für eine Deponie ins Auge fasst: einen im Gebiet Ruebacher an der Grenze zu Stäfa und einen im Erzacher an der Grenze zu Esslingen, das zur Gemeinde Egg gehört. Überdies ist in Oetwil bereits seit Jahren die Deponie Chrüzlen in Betrieb.
In Oetwil schienen diese Pläne die Bevölkerung nicht allzu sehr aufzuschrecken. So wurde eine Informationsveranstaltung des Kantons in der Deponie Chrüzlen im vergangenen Sommer nur spärlich besucht, wie ein Augenschein vor Ort ergab.
Auch die Gemeinde Oetwil bezog vorerst keine Stellung. Sie kündigte aber an, sich im Rahmen der Vernehmlassung zu äussern. Diese ist vor Kurzem zu Ende gegangen. Und nun meldet sich auch der Oetwiler Gemeinderat mit klaren Worten: Er lehne eine Konzentration von Deponiestandorten auf dem Gemeindegebiet von Oetwil am See ab, schreibt er in einer Mitteilung.
Oetwil leiste mit der Deponie Chrüzlen bereits einen wichtigen Beitrag zur Abfallbewirtschaftung, begründet die Behörde ihre Haltung. «Eine zusätzliche Belastung durch weitere Deponien in der Region hätte erhebliche negative Auswirkungen auf den Lebens- und Naturraum sowie steigende Verkehrsemissionen und weitere Störfaktoren zur Folge.»
Beim Standort Erzacher in der Nähe zu Esslingen werde zudem das Landschaftsbild beeinträchtigt. Auch stuft der Gemeinderat die Erschliessung als «problematisch» ein. Beim Standort Ruebacher Richtung Stäfa sieht die Behörde ebenfalls erhebliche Probleme mit der Verkehrsführung. Denn diese müsste unweigerlich durch das Dorf erfolgen. «Strassenverbreiterungen wären unumgänglich.»
Auch Egg wehrt sich
Mit ähnlichen Argumenten wehrt sich bereits die Nachbargemeinde Egg. Die Gemeinderäte beider Dörfer beantragen der kantonalen Baudirektion, im Richtplan auf die Deponiestandorte Erzacher respektive Ruebacher zu verzichten.
Beim Richtplan handelt es sich um ein langfristiges Planungsinstrument. Es geht also vorderhand noch nicht um konkrete Baupläne für Deponien. Im Richtplan werden aber geeignete Standorte für die Zukunft festgehalten. Darüber, welche dies sein werden, entscheidet am Schluss der Kantonsrat.
