Rad-WM schreibt Millionenverlust – Maur hält an Geldforderungen fest
Nach finanziellem Desaster
Vor Kurzem gab das OK der Rad-WM ein Defizit in Millionenhöhe bekannt. Trotzdem wollen zwei Gemeinden weiterhin ihre Rechnungen beglichen haben.
Die Rad-WM hinterlässt beim Verein Rad- und Para-Cycling-WM Zürich 2024 ein riesiges Finanzloch von 4,5 Millionen Franken, wie Mitte März bekannt wurde. Der Verein befindet sich derzeit gar in Nachlassstundung. Eine schlechte Nachricht ist das auch für die Gemeinden, die nach dem Grossevent finanzielle Forderungen an die Organisatoren gestellt hatten.
Von den 32 an der Rad-WM beteiligten Gemeinden reichten gemäss Organisationskomitee ursprünglich sieben ihre Rechnungen ein. Die Forderungen bewegten sich im fünfstelligen Bereich.
Nach dem Bekanntwerden des Defizits verzichtet nun Zumikon auf seine Forderung. Bereits Mitte Februar hatten Zollikon und Oetwil dieselbe Entscheidung getroffen. Einzig Maur und Erlenbach lassen nicht locker und kämpfen weiterhin um die Erstattung ihrer Rechnungen. Dabei sind die Erfolgschancen sichtlich klein, wie der Regierungsrat in seiner Antwort auf eine Anfrage zweier Kantonsräte durchblicken liess.
Maur bleibt beharrlich
Der Maurmer Gemeinderat bleibt trotzdem hartnäckig. Er zieht die Forderung in Höhe von rund 57’000 Franken vorerst nicht zurück. Diesen Entscheid hatte der Gemeinderat bereits am 3. März gefällt.
Daran änderte auch das Bekanntwerden des Defizits der Rad-WM nichts. Zumindest ist darüber an der letzten Gemeinderatssitzung am Montag nicht gesprochen worden, wie Gemeindeschreiber Christoph Bless auf Anfrage schreibt. Vorerst wolle der Gemeinderat abwarten.
Wie die stellvertretende Gemeindeschreiberin Mitte Februar durchblicken liess, wird man aber auf einen möglichen Rechtsstreit voraussichtlich verzichten.
Ein Verstoss gegen geltendes Recht?
Auch Erlenbach hält an seiner Rechnung in Höhe von 25’000 Franken fest. Denn es gibt laut Gemeinderat kein kantonales Gesetz, das die Gemeinden zum Zahlen zwingt. «Die Verpflichtung zur Kostenübernahme verstösst gegen das Prinzip der Gemeindeautonomie», heisst es seitens der Gemeinde.
Ausserdem gehe es um eine Gleichbehandlung. «Es leuchtet nicht ein, weshalb andere private Veranstalter die Auslagen der Gemeinde zu tragen haben.»
Zu einer Aussprache mit den Organisatoren sei es bis anhin nicht gekommen. Man stehe dafür jederzeit zur Verfügung. Vorläufig wartet aber auch Erlenbach die weiteren Entwicklungen ab.
Zumikon schreibt Kosten ab
Nicht mehr länger warten wollte hingegen Zumikon. Die Seegemeinde kommunizierte am Mittwoch ihren Entscheid, Ausgaben in Höhe von 51’000 Franken abzuschreiben und somit auf ihre Forderung zu verzichten. Es sei offensichtlich, dass die Kosten nicht von den Organisatoren gedeckt werden könnten.
Nach mehreren Gesprächen mit dem Organisationskomitee, der Stadt Zürich sowie dem Kanton fasste der Zumiker Gemeinderat letztlich den Entschluss. «Damit sollen unnötige Kosten vermieden werden», heisst es in der Mitteilung.
Der Leiter Kommunikation des lokalen Organisationskomitees der Rad-WM, Andreas Herren, sagt dazu: «Wir bedauern, dass den Gemeinden in einigen Fällen zusätzliche Kosten entstanden sind, und danken allen, die auf allfällige Forderungen verzichtet haben.» Das OK lobt auch den Einsatz der Gemeinden am Grossanlass. «Wir sind den 32 beteiligten Gemeinden dankbar für ihr grosses Engagement rund um die Rad-WM.»
Kanton und Stadt Zürich wollen nicht bezahlen
Dem Verein hinter der Rad-WM eilen nun der Kanton und die Stadt Zürich zu Hilfe. Sie wollen mittels finanzieller Unterstützung in die Bresche springen. Dadurch soll der Verein Rad- und Para-Cycling-WM Zürich 2024 die Rechnungen privater Gläubiger bezahlen können – aber nicht die der Gemeinden.
Allerdings sind deren Forderungen in einem Kredit, den der Zürcher Stadtrat beim Gemeinderat beantragte, aufgeführt. Dies habe aber formelle Gründe, da für die Sanierung des Vereins alle im Raum stehenden Forderungen berücksichtigt werden müssten, schreibt das Sozialdepartement der Stadt Zürich. «Die Stadt Zürich sieht keine rechtliche Grundlage für diese Forderungen der Gemeinden.» Eine Zahlung an Maur und Erlenbach ist demnach nicht vorgesehen.
