Stadtrat soll sich gegen einen Autobahnanschluss Wetzikon einsetzen
Breite Unterstützung im Parlament
Die Meinung im Parlament ist klar: Die Wetziker Exekutive soll sich bei der Oberlandautobahn für einen durchgehenden Tunnel einsetzen.
Nahezu unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit hat in Sachen Wetziker Autobahnanschluss ein Meinungswandel eingesetzt. Noch im vergangenen Oktober haben sich die Hinwiler Bezirksparteien mehrheitlich für die Variante «Tunnel tief» mit einem Anschluss in der Cherschiben zwischen Wetzikon und Aathal ausgesprochen.
Von einem solchen Anschluss wollen zumindest die Wetziker Parlamentarier mehrheitlich nichts mehr wissen. Insgesamt 22 der 36 Mitglieder haben ein Postulat von Raphael Zarth (GP) unterzeichnet. «Kein Autobahnanschluss in Wetzikon» lautet der Titel des Vorstosses, der am Montag begründet und an den Stadtrat zur Beantwortung überwiesen worden ist.
Zustimmung über alle Parteigrenzen hinweg
Gefordert wird, dass die Wetziker Exekutive sich «gegenüber den massgeblichen Behörden frühzeitig» dafür einsetzen solle, dass für die Lückenschliessung der Oberlandautobahn die Variante «Tunnel tief lang» priorisiert werden soll. Diese ginge damit tief unter Boden von Uster Ost direkt bis zum Betzholzkreisel – also ohne Autobahnanschluss in Wetzikon.

Das Besondere am Postulat: Es ist von Vertretern aller Fraktionen unterzeichnet. Zwar stammen die meisten Unterschriften von der SP/AW, den Grünen und der Brücken-Fraktion (EVP/Die Mitte/GLP). Aber auch die Hälfte der SVP-Mitglieder hat unterzeichnet. Am zurückhaltendsten zeigt sich die FDP/EDU-Fraktion. Doch auch hier hat einer seine Unterstützung gegeben.
Befürchtung einer Magnetwirkung
Im Parlament erläuterte Zarth die Beweggründe für die Forderung. Diese stützt sich in erster Linie auf eine Studie des Bundesamts für Strassen (Astra). Darin wurde die Verkehrslenkung angeschaut. Mit einer durchgehenden Oberlandautobahn werde der überregionale Durchgangsverkehr verlagert und die heutige Achse entlastet.
Ein Autobahnanschluss Wetzikon würde aber eine erhebliche Magnetwirkung in der Region haben. Die erwarteten 30’000 Fahrzeuge pro Tag, die an dieser Stelle auf- oder abfahren, würden aber das lokale Strassennetz stark belasten. Zarths Fazit ist: «Das heute schon bestehende Verkehrsproblem würde massiv verschärft. Wetzikon würde durch einen Oberlandautobahn-Anschluss massiv an Lebensqualität einbüssen.» Hinzu komme ein Verlust an Kulturland.
Ein Verzicht auf diesen Anschluss sei gut verkraftbar, zumal die nahe gelegenen Autobahnanschlüsse Betzholz und Uster in wenigen Minuten erreichbar seien. Der Stadtrat muss nun bis spätestens Mitte Mai eine Antwort liefern, ob er bereit ist, das Postulat entgegenzunehmen. Nur wenn er aber auch der Meinung ist, dass Wetzikon besser ohne eigenen Autobahnanschluss fährt und gleich von sich aus aktiv wird, kann das Ziel des Postulats erreicht werden. Denn der Variantenentscheid des Astra soll im Frühling oder Sommer 2026 fallen.
Wird aber der ganze politische Prozess in Wetzikon mit formeller Überweisung des Postulats und anschliessender Berichterstattung durch den Stadtrat durchgespielt, dürfte gegen ein Jahr ins Land ziehen. Bis dann wäre der Zug – oder in diesem Fall das Auto – aber längst abgefahren.
Neue Aufgaben für den Stadtrat
An seiner 100. Sitzung hat das Parlament auf Festivitäten verzichtet. Nur Christoph Wachter (SP) kam kurz auf das bisherige Wirken zu sprechen. Seit der Gründung vor elf Jahren seien 224 Geschäfte erledigt worden, 5 seien aktuell pendent. Er zählte 250 Vorstösse, die erledigt worden sind. In dieser Kategorie sind 9 hängig.

Dazu gehören neben dem schon erwähnten Postulat gleich noch drei Interpellationen, die am Montag begründet wurden. Bis zu den Sommerferien muss der Stadtrat eine Antwort darauf geben, wieso er beim Ryffel-Areal statt auf einen Gestaltungsplan auf eine Ausnahmebewilligung mit einer Arealüberbauung setzt. Ausserdem soll er darlegen, wie er langfristig die Eigenständigkeit der Stadtwerke bei der Stromversorgung beurteilt. Und schliesslich soll der Stadtrat Zahlen dazu liefern, wie es punkto Belastung des Grund- und Trinkwassers durch Trifluoressigsäure aussieht.
Mit einem weiteren Postulat wird die Exekutive dazu aufgefordert, bei Baubewilligungsverfahren und der anstehenden Revision der Bau- und Zonenordnung auf eine klimaangepasste Siedlungsentwicklung zu achten.
Durchgreifen gegen Verstösse bei Feuerwerk
Und dann ist da noch das Postulat «Stopp der Knallerei». Wie in mehreren umliegenden Gemeinden will die Brückenfraktion, dass auch in Wetzikon auf das Zünden von lärmendem Feuerwerk verzichtet wird.


Elmar Weilenmann (Die Mitte) kritisierte, dass die Polizei bisher ohne spürbaren Erfolg gegen Verstösse gegen die geltende Polizeiverordnung gekämpft habe. Er schlug vor, dass die Anbieter von Feuerwerk dazu verpflichtet werden sollen, Käufer auf die geltenden Vorschriften aufmerksam zu machen.
Petition für Feuerwerksverbot
Noch weiter als die Forderung aus dem Parlament geht die jüngst von Philippe Caviezel lancierte Online-Petition, in der ein Feuerwerksverbot in Wetzikon verlangt wird. Menschen und Tiere würden unter der Knallerei leiden. Ausserdem setze Feuerwerk Feinstaub und Schwefel frei – und am Schluss bleibe auch noch der Müll. Am vergangenen Jahreswechsel habe es in Wetzikon zwischen dem 24. Dezember und dem 6. Januar immer wieder geknallt. Bis am Dienstag hatten bereits über 200 Personen das Begehren unterzeichnet.
Abstimmen mussten die Kommunalpolitiker am Montag nur zweimal. Einmal ging es um die Anstellung des neuen Parlamentsschreibers Raphael Wälter.

Dieser verfügt bereits über Erfahrung auf Bundes- und auf Kantonsebene. Nun wolle er sein Wissen auch auf kommunaler Ebene einbringen, lobte der erste Vizepräsident Urs Gerber (EDU). Wälter wird seine neue Stelle auf den 1. Juni hin antreten.
Zusätzlicher Platz beim Sek-Schulhaus Walenbach
Ebenfalls einstimmig passierte ein Baukredit von 640’000 Franken für ein Schulraumprovisorium bei der Sekundarschule Walenbach. Bereits auf das kommende Schuljahr hin wird ein Container aufgestellt. Dieser bietet Platz für zwei Klassenzimmer, einen kleinen Gruppenraum, zwei Toiletten sowie eine kleine Garderobe.
Ein Jahr darauf soll ein drittes zusätzliches Klassenzimmer hinzukommen. Dieses soll möglichst im bestehenden Schulhaus zu liegen kommen. Dazu würde ein Spezialzimmer umgenutzt. Lässt sich das nicht machen, würde der Container draussen aufgestockt. So oder so würden damit ab dem Schuljahr 2026/2027 im Walenbach 15 Sek-Klassen unterrichtet werden.

Der zusätzliche Raumbedarf ist laut Sven Zollinger (FDP), der im Rat im Namen der vorberatenden Kommission sprach, auf ein neues Phänomen zurückzuführen: «Bisher richtete sich die Schulraumplanung auf Familien mit jungen Kindern aus. Nun spüren wir aber einen neuen Trend, ziehen doch auch vermehrt Familien mit Kindern im Sekundarschulalter nach Wetzikon.»
Stadträtin Sandra Elliscasis (FDP), zuständig für Finanzen und Immobilien, betonte, dass der Container auf einer gut geeigneten Fläche zu liegen komme und die Bepflanzung nicht beeinträchtigt werde. Von Zollingers Idee, doch angesichts der ständigen Zunahme der Schülerzahl gleich ein ständiges Provisorium in Reserve zu halten, hielt die Stadträtin nichts. Einerseits sei das Anmieten von solchen Containern günstiger als ein Kauf, zumal diese ja nicht immer benötigt würden. Und es fehle auch der Platz für eine Zwischenlagerung von leer stehenden Schulcontainern.
