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Kantonsräte aus Gossau ziehen besorgten Vergleich zwischen Kezo und GZO

Daniel Wäfler und Elisabeth Pflugshaupt wollten vom Regierungsrat wissen, wie er den «sehr ambitionierten Zukunftsplänen» der Kezo gegenübersteht. Nun ist die Antwort da.

In Hinwil soll ein Ersatzneubau für die heutige Kezo entstehen, in Gossau eine Deponie für Schlacke.

Foto: Simon Grässle

Kantonsräte aus Gossau ziehen besorgten Vergleich zwischen Kezo und GZO

Regierungsrat relativiert

Die beiden Gossauer SVP-Kantonsräte Daniel Wäfler und Elisabeth Pflugshaupt wollten vom Regierungsrat wissen, wie er den «sehr ambitionierten Zukunftsplänen» der Kezo gegenübersteht. Nun ist die Antwort da.

Es war ein glückseliger Sonntag für den Zweckverband Kehrichtverwertung Zürcher Oberland (Kezo): Am 24. November hatte das Stimmvolk der Zweckverbandsgemeinden mit 85,47 Prozent Ja-Stimmen dem Planungskredit von über 24,5 Millionen Franken für den Ersatzbau der Kezo in Hinwil grünes Licht gegeben.

Im Vorfeld der Abstimmung sorgen diese Pläne vielerorts für Stirnrunzeln. So auch bei den drei SVP-Kantonsräten Daniel Wäfler und Elisabeth Pflugshaupt aus Gossau sowie Tumasch Mischol aus Hombrechtikon. Sie wenden sich darum im Herbst mit einer Anfrage an den Regierungsrat, um dessen Rolle im Projekt auf den Grund zu gehen.

«Wird der Projektkredit von der Bevölkerung genehmigt, stehen der Kezo die Mittel zur Verfügung, ein sehr ambitioniertes Grossprojekt zu planen, welches fast schon beängstigende Parallelen zu den Ambitionen der GZO AG vor einem Jahrzehnt aufweist», schreiben sie.

Das GZO Spital Wetzikon war bis 2009 auch ein Zweckverband, wurde dann aber in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Um 2014 seinen geplanten Neubau zu finanzieren, nahm das Spital eine Anleihe in Höhe von 170 Millionen Franken auf. Die Pläne zur Refinanzierung scheiterten, ein Investor sprang ab, der Kanton gab keine Staatsgarantie, erklärte das Gesundheitsinstitut für nicht systemrelevant. Seit dem 1. Januar 2025 befindet sich das Regionalspital in der definitiven Nachlassstundung. (erh)

Beim GZO Spital Wetzikon habe sich die anfängliche Euphorie mittlerweile «in ein Desaster» gewandelt. «Dasselbe gilt es bei der Kezo zu vermeiden, da hier die Zweckverbandsgemeinden noch viel stärker finanziell haften.»

Trocken- vs. Nassschlacke

Als Treiber für das «überdimensionierte Projekt» wird in der Anfrage das Trockenaustragungsverfahren genannt, auf welches die Kezo setzt. Dabei wird Metall aus trockener Schlacke rückgewonnen. Doch die Rückgewinnung aus Nassschlacke habe aufgeholt, schreiben die Kantonsräte. «Damit rücken die Nachteile des Verfahrens des Trockenaustrags in den Vordergrund.»

Trotzdem plane der Kanton in Gossau einen Deponiestandort für Schlacke. Oder genauer gesagt: Er will das Land der ZAV Recycling AG dafür zur Verfügung stellen. Die AG sei faktisch ein Teil der Kezo, und der Preis, den der Kanton für das Land erhalte, liege unter Marktniveau, monieren die SVP-Kantonsräte.

Die Deponie in Gossau – die sechs Hektaren gross geplant ist, was zehn Fussballfeldern entspricht – soll derweil einst nicht nur die anfallende Schlacke aus Hinwil, sondern auch aus den anderen fünf Kehrichtverbrennungsanlagen (KVA) des Kantons aufnehmen können.

Ökologische Gesamtleistung wichtig

Konkret wollten die drei Kantonsräte vom Regierungsrat als Erstes wissen, ob der Trockenschlackenaustrag von den kantonalen Behörden favorisiert werde.

Der Regierungsrat fordert eine möglichst umweltfreundliche Entsorgung des Abfalls, schreibt dieser nun in seiner Antwort. «Dabei spielt die ökologische Gesamtleistung über die ganze Kette der Abfallentsorgung eine zentrale Rolle.» Es würden aber keine Verfahren wie beispielsweise die Austragungsart vorgegeben.

Beim vorliegenden Projekt gehe es um den Ersatz der bestehenden KVA, wobei die Anlagen zur Schlackenaufbereitung bereits erstellt sind und nicht erneuert werden müssen.

Sorge um Wiederaufforstung

Auf die zweite Frage, zu welchem Preis der Kanton die Fläche im Tägernauer Holz einer Betreiberfirma überlassen würde, verweist der Regierungsrat auf den Dienstbarkeitsvertrag, den der Kanton mit der ZAV Recycling AG abgeschlossen hat. «Bei einem Deponievolumen von 750’000 Quadratmetern und einem vereinbarten Preis von zwölf Franken pro Kubikmeter abgelagertes Festmaterial ergibt dies einmalige Einnahmen von insgesamt 9 Millionen Franken.» Dies sei ein branchenüblicher Preis.

Der Betrieb der Deponie werde öffentlich ausgeschrieben. Darin enthalten sind auch die Rekultivierung und Aufforstung. Für diese Leistungen verlangt der Kanton vom Betreiber eine Sicherheitsleistung in Form einer Bankgarantie. Für die Nachsorge der Deponie und das Sanierungsrisiko muss pro Tonne abgelagertes Material ein Beitrag in den kantonalen Deponienachsorgefonds eingezahlt werden. «Bau, Betrieb und Nachsorge sind somit unabhängig von der Kezo.»

Wäfler, Pflugshaupt und Mischol sorgen sich zudem generell um die Wiederaufforstung einer Trockenschlacke-Deponie. Der Regierungsrat relativiert: Für den Deponiebetrieb habe die Austragsart der Schlacke nur eine untergeordnete Bedeutung, da auch Trockenschlacke vor der Deponierung befeuchtet wird.

Deponien bleiben unumgänglich

Zuletzt wollten die drei Kantonsräte wissen, wie sich der geplante Ausbau der Kezo und der Bau der Deponie zur Kreislaufwirtschaft und dem Ziel, die Abfallmenge zu reduzieren, verhält. «Die Bestrebungen in Richtung Kreislaufwirtschaft wurden sowohl in der aktuellen KVA-Planung als auch in der Deponieplanung berücksichtigt», schreibt der Regierungsrat.

Beim Projekt handle es sich um einen redimensionierten Ersatzneubau der bestehenden Anlage, die ihre Lebensdauer erreicht habe. Das Neubauprojekt der Kezo ist mit einer Verbrennungskapazität von 120’000 Tonnen pro Jahr deutlich kleiner als die bestehende Anlage mit einer Kapazität von 190’000 Tonnen pro Jahr. «Trotz ambitionierter Massnahmen zur Kreislaufwirtschaft und Reduktion der Abfallmengen werden auch in den nächsten Jahrzehnten weiterhin KVA und Deponien erforderlich sein.»

Für den Bau des Ersatzneubaus in Hinwil rechnen die Verantwortlichen mit rund drei Jahren. Gemäss einer Grobkostenschätzung aus dem Jahr 2023 werden Baukosten von rund 350 Millionen Franken anfallen. Läuft alles glatt, kann die neue Anlage 2030 in Betrieb genommen werden. Die Realisierung der Deponie Tägernauer Holz soll indes «zeitnah» erfolgen.

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